Tiere gegen Coronablues?

Anita Burck, engagierte Tierschützerin aus Fulda, ist jetzt beim „Landestierschutzverband Hessen“ aktiv.
+
Anita Burck, engagierte Tierschützerin aus Fulda, ist jetzt beim „Landestierschutzverband Hessen“ aktiv.

Die Anschaffung eines Haustiers sollte gut überlegt sein. Wir sprachen mit Tierschützerin Anita Burck.

Osthessen. Vor allem seit Beginn der Corona-Pandemie verzeichnen die Tierheime eine erhöhte Nachfrage nach Haustieren. FULDA AKTUELL hat mit der Tierschützerin Anita Buck gesprochen, die sich viele Jahre für den „Tierschutz Fulda“ eingesetzt hat und jetzt beim „Landestierschutzverband Hessen“ aktiv ist, worauf zukünftige) Haustierbesitzer jetzt achten sollten. Und auch darüber, worauf sie achten sollten, denn es wir auch eine Zeit nach Corona geben, in der möglicherweise weniger zeitlicher Freiraum für das Haustier vorhanden ist.

FULDA AKTUELL: Empfehlen Sie, in der Pandemie ein Haustier anzuschaffen – beispielsweise einen Hund zum Spazierengehen oder Meerschweinchen oder Hamster für die zuhause bleibenden Kinder?

ANITA BURCK: Für alle ist diese Zeit nicht einfach, besonders die Kinder müssen viel entbehren. Die Überlegung, für die Kinder ein Meerschweinchen oder einen Hamster anzuschaffen, sollte wohl durchdacht sein. Der Hamster ist nachtaktiv, möchte also bei Tag schlafen und nicht bespaßt werden. Außerdem sind Nager sehr geräuschempfindliche Tiere, die in einem Kinderzimmer mit einer dröhnenden Spielkonsole keine artgerechte Haltung hätten.

Der Hund ist je nach Rasse sicherlich robuster. Aber auch er hat Anspruch auf einen verantwortungsbewussten Umgang, sprich Bewegung und Beschäftigung. Er könnte bei Kindern und Erwachsenen für einen Ausgleich nach einem Tag im Homeoffice und Homeschooling sorgen.

FA: Falls man sich jetzt ein Haustier anschafft: Welche Gedanken sollten sich Familien vorher machen und welche Vorbereitungen sollten sie treffen?

BURCK: Zunächst muss die Unterbringung geklärt sein, also bitte bei den Nagern, keine lärmende Umgebung. Der Hund braucht seinen Auslauf und die Katze ihre Rückzugsmöglichkeiten. Nicht zu unterschätzen sind Kosten für Futter und Tierarzt. Bei Jungtieren stehen die Kastrationen an und die regelmäßigen Impfungen. Auch unvorhergesehene Krankheiten können auftreten. Hier ist man schnell bei mehreren hundert Euro Tierarztkosten. Tiere sind liebevolle Weggefährten- – auch nach der Pandemie. Hunde können je nach Rasse 16 Jahre alt werden. Kaninchen und Meerschweinchen sechs bis acht Jahre und der Hamster hat eine kürzere Lebenserwartung von etwa zwei bis drei Jahren.

FA: Wenn Tiere aus dem Tierschutz/Tierheim abgegeben werden: Welche Gespräche werden mit den möglichen Käufern geführt? Gibt es eine Art „Eignungstest“, ob jemand beispielsweise einen Hund dem Tierwohl entsprechend halten kann?

BURCK: Die Mitarbeiter haben inzwischen ein gutes Gespür, ob ein Tier gegen den „Coronablues“ angeschafft wird oder ob es hier wirklich um eine Partnerschaft fürs Leben zwischen Mensch und Tier geht. Man führt lange Gespräche, trifft sich gegebenenfalls corona-konform, um alles abzuklären.

FA: Was sollten Tierhalter, die jetzt mehr Zeit für die neuen Hausgenossen haben, bedenken, wenn sie nach der Pandemie eventuell viel weniger Zeit für ihre Tiere haben?

BURCK: Gerade bei der Anschaffung eines Hundes, muss gut überlegt sein, wer kümmert sich den Hund, wenn man selbst wieder acht oder mehr Stunden im Büro verbringt. Gibt es eine Möglichkeit, sein Tier mit ins Büro zu nehmen? Denn die Tiere haben eine Bindung zu ihren Menschen und möchten nicht wieder abgegeben werden, nur weil die Lebensumstände dann nicht mehr passen., beispielsweise wegen des Jobs oder auch Urlaubsreisen.

FA: Sind derzeit viele Tiere in der Obhut des Tierschutzes?

BURCK: Gerade sind kaum Tiere in Pflege. Es ist deutlich spürbar, dass gerade in Lockdownzeiten die Anfrage nach einem Tier besonders hoch ist.

Der Tierschutzverein „Verantwortung Leben“ ist ja bekannt, dass er alte Katzen in Obhut nimmt. Da in dieser Coronazeit viele hochbetagte Menschen verstorben sind, gibt es hier vermehrt verwaiste Katzen. Viele von ihnen werden auf dem „Lebenshof“ in Hainzell aufgenommen. Nach Blutstatus und Zahnsanierung werden diese Tiere dann meist wieder zu Senioren vermittelt, somit ist es eine Win-win-Situation für alte Menschen und alte Tiere.

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Fuldaer Literaturpreis 2021 für Timon Karl Kaleyta

Jury entschied sich für das Werk „Die Geschichte eines einfachen Mannes“
Fuldaer Literaturpreis 2021 für Timon Karl Kaleyta

Zeugen gesucht: Verkehrsunfallflucht in Künzell

Ein unbekannter Täter prallte im Harbacher Weg in Künzell mit seinem Pkw gegen einen geparkten Opel Astra und flüchtete. Die Polizei bittet um Hinweise.
Zeugen gesucht: Verkehrsunfallflucht in Künzell

Seitenwechsel: Winfried Möller (SPD) verstärkt Kreistags-Linke

Der langjährige SPD-Politiker Winfried Möller aus Flieden will in die Linken-Fraktion. Die Partei droht mit Ausschluss.
Seitenwechsel: Winfried Möller (SPD) verstärkt Kreistags-Linke

"R+S Group" stellt Weichen für die Zukunft

"Vision und Unternehmenswerte komplett neu entwickelt" /  Im Einsatz bei  Terminal-Bau am Flughafen Frankfurt
"R+S Group" stellt Weichen für die Zukunft

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.