TITANIC-Dirigent Christoph Wohlleben im Gespräch über Hersfeldpreis, Musicals und das Künstlerleben

Beim Gespräch im Strandkorb: Hersfeldpreisträger und Dirigent Christoph Wohlleben (rechts) mit Redakteur Christopher Göbel.
1 von 12
Beim Gespräch im Strandkorb: Hersfeldpreisträger und Dirigent Christoph Wohlleben (rechts) mit Redakteur Christopher Göbel.
Beim Gespräch im Strandkorb: Hersfeldpreisträger und Dirigent Christoph Wohlleben (rechts) mit Redakteur Christopher Göbel.
2 von 12
Beim Gespräch im Strandkorb: Hersfeldpreisträger und Dirigent Christoph Wohlleben (rechts) mit Redakteur Christopher Göbel.
Beim Gespräch im Strandkorb: Hersfeldpreisträger und Dirigent Christoph Wohlleben (rechts) mit Redakteur Christopher Göbel.
3 von 12
Beim Gespräch im Strandkorb: Hersfeldpreisträger und Dirigent Christoph Wohlleben (rechts) mit Redakteur Christopher Göbel.
Hersfeldpreisträger Christoph Wohlleben.
4 von 12
Hersfeldpreisträger Christoph Wohlleben.
Das Festspielorchester mit Dirigent Christoph Wohlleben.
5 von 12
Das Festspielorchester mit Dirigent Christoph Wohlleben.
Das Festspielorchester mit Dirigent Christoph Wohlleben.
6 von 12
Das Festspielorchester mit Dirigent Christoph Wohlleben.
Das Festspielorchester mit Dirigent Christoph Wohlleben.
7 von 12
Das Festspielorchester mit Dirigent Christoph Wohlleben.
Das Festspielorchester mit Dirigent Christoph Wohlleben.
8 von 12
Das Festspielorchester mit Dirigent Christoph Wohlleben.

Im Strandkorb plauderte der Musiker Christoph Wohlleben mit Redakteur Christopher Göbel über die Festspiele und mehr.

Bad Hersfeld - „Das Schwierige an ,Titanic’ ist, dass jeder weiß, wie es ausgeht“, sagt Christoph Wohlleben, der Musikalische Leiter des Musicals aus der Feder von Maury Yeston. Die Aufgabe der Musik sei es, die Spannung trotz des bekannten Endes aufrecht zu erhalten.

„Im ersten Akt, eigentlich bis kurz nach der Kollision mit dem Eisberg, bemüht sich die Musik, gute Stimmung zu machen“, sagt Wohlleben, der mit kurzen Unterbrechungen seit 1999 für die Musicals bei den „Bad Hersfelder Festspielen“ als Dirigent verantwortlich ist. „Bei ,Titanic wird es erst dramatisch, wenn es auf das unweigerliche Ende zugeht.“

„Alles richtig gemacht“

Der Musikalische Leiter hätte den Erfolg, den dieses Musical in Bad Hersfeld hat, nicht so erwartet. Denn in Hamburg und an anderen Spielstätten sei das Stück „gefloppt“, wie Wohlleben sich ausdrückt. Umso mehr freut es ihn, dass es in Bad Hersfeld ein Hit sei. „Das zeigt uns, dass wir alles richtig gemacht haben“, scherzt er. Mit „wir“ meint er vor allem Regisseur Stefan Huber und Choreografin Melissa King. Als „kongeniales Trio“ bezeichnet die Festspiel-Pressesprecherin Ina Rumpf die drei Künstler.

Für seine Leistung wurde Christoph Wohlleben als erstem Musiker seit 1969 der „Hersfeldpreis“ zuerkannt. „Das hat mich wirklich sehr überrascht“, sagt er erfreut. Auf die Frage, was es für ihn bedeutet, diesen Ehrenpreis bekommen zu haben, möchte der bescheidene Musiker keine Antwort geben.

„Die ,Titanic’-Musik ist nicht so eingängig wie beispielsweise bei ,My fair Lady'“, sagt Wohlleben. 2016 und 2017 dirigierte er auch das Loewe-Musical. „Frederik Loewe hat deutlich klassische Wurzeln. ,My fair Lady’ ist sehr gut komponiert. Die Musik von ,Titanic’ ist moderner, großflächiger“, sagt der Musikalische Leiter. Wohlleben hat dieses Musical vorher noch nie einstudiert. Nachdem feststand, dass er „Titanic“ in Bad Hersfeld machen werde, hat er sich Noten und Textbuch besorgt, Gespräch mit Musikern geführt und sich durch anstrengende Castings gekämpft. „Aus 650 Bewerbern haben wir ein Ensemble von 37 Darstellern ausgewählt“, sagt er.

Sehr gutes Ensemble

Die Probenarbeit in Bad Hersfeld war laut Wohlleben anstrengend. „Doch das Ergebnis rechtfertigt den Aufwand“, ist er überzeugt. Als Musikalischer Leiter freut sich Wohlleben sehr über das Ensemble, das sich aus „sehr guten Musikern und sehr guten Sängern“ zusammensetzt.

Wenn es auf der Bühne und im Orchestergraben doch einmal hakt und die anspruchsvollen Passagen zwischen dem 25-köpfigen symphonisch besetzten Orchester und den Sängern „klappern“, ist es seine Aufgabe, das Ganze wieder zusammenzuführen. „Das passiert schon mal, das ist live, das ist normal“, sagt er lachend. „,Titanic’ geht ohne Dirigenten nicht“, ist er überzeugt. Zudem sei es ein ganz anderes Erlebnis für die Zuschauer, das Orchester sehen zu können, wie es in Bad Hersfeld möglich ist. „Das ist etwas ganz anderes, als wenn die Musik von der CD eingespielt wird“, ist er überzeugt.

Christoph Wohlleben studierte Schulmusik an der Hochschule der Künste in Berlin und Dirigieren an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien. Weiterbildungen absolvierte er an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt/Main und anderen renommierten Stätten.

Große Musical-Erfahrung

In Bad Hersfeld führte er unter anderem bei „Evita“, „Jesus Christ Superstar“, „Jekyll and Hyde“, „Les Misérables“ und „Show Boat“ den Taktstock. Andere Projekte führten ihn an Musicaltheater in Stuttgart und St. Gallen („Miss Saigon“), Niederhausen („Sunset Boulevard“) und auf Tourneen durch Deutschland („Die Schöne und das Biest“) oder Großbritannien mit „Phantom of the Opera“.

In der Festspielstadt fühlt sich der in Wiesbaden wohnende Musiker wohl. Während der Festspielsaison hat er kaum Zeit, nach Hause zu fahren. „Wir haben wirklich sehr intensiv gearbeitet“, sagt er. Und bis zum Ende der Festspielzeit stehen weiter Proben für das Abschlusskonzert „Helen Schneider & Friends“ am 23. August aus dem Plan. Und auch in der Region ist er im „musikalischen Gelegenheitsgeschäft“, wie Wohlleben es scherzhaft bezeichnet, unterwegs.

Musicals und Opern

Welche Musicals in Bad Hersfeld gespielt werden, entscheidet Christoph Wohlleben nicht allein, doch er kann Vorschläge machen. „In die Ruine würden ,Das Phantom der Oper’ oder ,Tanz der Vampire’ sehr gut passen“, sagt er. Und er würde gerne einmal „Porgy and Bess“ und „Sweeney Todd“ dirigieren. Zumindest, wenn es im Musicalfach bleibt. Denn die Opern „Tosca“ von Giacomo Puccini oder „Salome“ oder „Elektra“ von Richard Strauss sind ebenfalls Wunsch-Opern des Dirigenten.

Doch bis zum 23. August stehen bei den „Bad Hersfelder Festspielen“ noch „Titanic“ und die Gala mit Helen Schneider auf dem Programm. Ob er in 2018 wiederkommen wird? „Der Spielplan steht noch nicht fest. Ich kann das also noch nicht sagen“, meint Wohlleben. Aber man sieht ihm an, dass es schlimmere Engagements als den des Musikalischen Leiters in Bad Hersfeld geben könnte...

Hersfeldpreisträger Christoph Wohlleben.

+++ +++ +++

Theater-Preise Auszeichnungen für Nickel und Wohlleben

Bad Hersfeld - Wenn die darstellerische Leistung eines Schauspielers in zwei aufeinanderfolgenden Jahren überzeugt, dann darf es auch beim „Großen Hersfeldpreis“, der alljährlich bei den „Bad Hersfelder Festspielen“ von der „Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine“ verliehen wird, zweimal den selben „treffen“. In 2017 erhielt Christian Nickel zum zweiten Mal hintereinander den Preis der Jury zuerkannt und am Sonntag beim Festakt in der Bad Hersfelder Stiftsruine verliehen. In 2016 erhielt er den Preis für seine Interpretation des John Procter in Dieter Wedels Inszenierung von „Hexenjagd“ nach Arthur Miller.

In 2017 erhält der Schauspieler den Preis für seine Rolle als Martin Luther in Wedels „Luther – Der Anschlag“. Dort ist die Rolle des Luther auf vier Darsteller aufgeteilt. Weil aber der ursprünglich als „Wutbürger Luther“ vorgesehene Paulus Manker von Wedel kurz vor der Premiere gefeuert wurde, hatte Nickel neben seiner „Reformator“-Rolle die des „Wutbürgers“ kurzerhand mit übernommen („Fulda aktuell“ berichtete).

„Ausgereiftes Spiel“

„Dank seiner souveränen Darstellung zeichnet Nickel das präzise Bild eines charismatischen und zerrissenen Gott­suchers und Machtmenschen. Mit seinem ausgereiften, facettenreichen Spiel lotet er die äußerst wider­sprüchliche Persönlichkeit des Reformators aus“, heißt es in der Begründung der Jury, die sich aus Kulturkritikern zusammensetzt. Die Entscheidung fiel einstimmig. Den „Hersfeldpreis“ nahm Christoph Wohlleben, der Künstlerische Leiter der „Bad Hersfelder Festspiele“ entgegen. Wohlleben dirigiert seit vielen Jahren die Musical-Inszenierungen in der Stiftsruine und ist auch 2017 für „Titanic“ verantwortlich. „Wohlleben hält das fast 40-köpfige Orchester im Graben und das über 40-köpfige Ensemble auf der Bühne vom ersten bis zum letzten Ton zusammen und führt das gesamte Team fokussiert und mit äußerster Konzentration. Durch sein herausragendes Dirigat wertet Wohlleben die Komposition auf und überzeugt mit seiner differenzierten, pointierten Interpretation des Arrangements“, sagt die Jury über die Wahl.

Beim unterhaltsamen Festakt am Sonntag in der Stiftsruine Bad Hersfeld sprachen unter anderem Intendant Dieter Wedel, Helgo Hahn (Vorsitzender der „Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine“) und Regierungspräsident Walter Lübcke. Mitglieder des diesjährigen Festspiel-Ensembles gestalteten den von Franziska Reichenbacher moderierten Festakt musikalisch mit.

Die Geschichte des Preises

Bad Hersfeld - Der „Große Hersfeldpreis“ wird seit 1962 und der „Hersfeldpreis“ seit 1969 verliehen. Eine fünfköpfige Kritiker-Jury entscheidet darüber, wer ausgezeichnet wird. Den „Großen Hersfeldpreis“ erhielten unter anderem Mario Adorf, Will Quadflieg, Volker Lechtenbrink, Rufus Beck, Yngve Gasoy Romdal und Helen Schneider, den Hersfeldpreis Cornelia Froboess, Uwe Friedrichsen, Walter Giller, Kristin Hölck (in diesem Jahr in „Titanic“ auf der Festspielbühne zu erleben), und 2016 das gesamte „Krabat“-Ensemble. Der Preis ist undotiert. Bisher ist es noch nie vorgekommen, dass der selbe Schauspieler den „Großen Hersfeldpreis“ in zwei aufeinanderfolgenden Jahren erhielt. (cdg)

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Erfolgsgeschichte: Junger Flüchtling arbeitet bei Fuldaer Unternehmen 

Rommodan Mussa Tahoir stammt aus Eritrea und ist jetzt bei "Bickhardt Bau AG" beschäftigt / Projekt "Wirtschaft integriert"
Erfolgsgeschichte: Junger Flüchtling arbeitet bei Fuldaer Unternehmen 

Aktionstag in Fulda: Rund um die "dunkle Jahreszeit"

Verbraucherzentrale gibt am 7. November Tipps zum Energiesparen, die Polizei informiert über Einbruchschutz
Aktionstag in Fulda: Rund um die "dunkle Jahreszeit"

Gelungene Premiere: Bundesweit erster ultrahochfester Faserbeton bei Fulda verbaut

Hessen Mobil und beteiligte Unternehmen mit Projekt an der Brücke bei Fulda-Nord sehr zufrieden
Gelungene Premiere: Bundesweit erster ultrahochfester Faserbeton bei Fulda verbaut

Im Land der Sternenkrieger: Offene Türen bei Project X1

Fans und Freunde der "Star Wars"-Begeisterten waren am Sonntag zum Tag der offenen Tür in den Hangar nach Hünhan gekommen.
Im Land der Sternenkrieger: Offene Türen bei Project X1

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.