Todesfalle Auto: Kinder und Tiere niemals zurücklassen

Polizei rät dazu, achtsam zu sein und schlimme Folgen des heißen Sommers zu vermeiden.

Osthessen - Kaum scheint die Sonne im Sommer intensiver, kommt es immer wieder zu Zwischenfällen, die gefährlich werden können: Kleine Kinder oder Haustiere, die in geparkten Autos sitzen.  Bei Außentemperaturen um die 40 Grad Celsius kann sich der Innenraum eines Autos innerhalb einer Stunde auf über 60 Grad und mehr aufheizen. Der menschliche Organismus bricht zusammen, wenn die Körpertemperatur 42 Grad übersteigt. Die Organe werden dann nicht mehr mit Sauerstoff versorgt und der Hitzetod tritt ein. Vor allem Kinder, die in Autos zurückgelassen werden, sind Opfer der tödlichen Aufheizung im Wageninneren.

Keine konkreten Zahlen

„Leider geschieht es in den Monaten mit sommerlichen Temperaturen immer wieder, dass Haustiere – zumeist Hunde – aber leider auch Babys und Kleinkinder unbeaufsichtigt und gedankenlos in den Fahrzeugen gelassen werden“, so Martin Schäfer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Osthessen, auf Nachfrage von „Fulda aktuell“. 

Eine konkrete Zahl könne er nicht nennen, da nicht alle derartigen Vorkommnisse an die Polizei gemeldet würden. „Oftmals werden Passanten oder Anwohner aufmerksam, eine Tür oder Fenster des Fahrzeugs lassen sich öffnen und Abhilfe schaffen, oder der oder die Fahrzeugführer kehren rechtzeitig zurück. In Notfällen werden Feuerwehr oder Polizei zu Hilfe gerufen“, so Schäfer. „Häufig wird leider unterschätzt, wie schnell sich der Innenraum eines Fahrzeugs aufwärmen kann. Oft, aber nicht immer, ist die Außentemperatur entscheidend, auch die Intensität und Dauer der Sonneneinstrahlung stellen einen entscheidenden Faktor dar, wie schnell und wie heiß es wird“, sagt der Pressesprecher. Es sei nicht ausreichend, das Fenster einen Spalt geöffnet zu lassen. Dies gaukele eine falsche Sicherheit vor.

Hund nicht mitnehmen

„Bei sommerlich warmen Temperaturen nehme ich meinen Hund oder mein Kind nicht mit, wenn ich weiß, dass ich das Auto verlassen muss und wenn es sich vermeiden lässt. Habe ich keine Alternative, nehme ich Hund oder Kind mit mir und lasse es erst gar nicht im Auto. Wichtig ist, dass ich mir vorher darüber Gedanken mache und mein Handeln entsprechend plane“, so Schäfer. Wenn das Unglück tatsächlich geschehen ist, kommt auf die Fahrerin oder den Fahrer des Autos Weiteres zu.

„Neben den Selbstvorwürfen und den Reaktionen anderer Beteiligter und Betroffener wie dem Familien- und Freundeskreis erwartet die Betroffenen auch ein polizeiliches Ermittlungsverfahren, beispielsweise wegen fahrlässiger Körperverletzung bis hin – im schlimmsten Fall – zu Ermittlungen wegen eines Tötungsdeliktes. Das kann übrigens auch Menschen betreffen, die einen Notfall bemerken und keine Hilfe leisten oder zumindest in die Wege leiten. Stichwort „Handeln durch Unterlassen“, warnt Schäfer. Bei Tieren im Auto greift das Tierschutzgesetz. „Es drohen Geldbußen bis hin zu Freiheitsstrafen, zum Beispiel, wenn dem Verursacher grobe Fahrlässigkeit oder sogar Absicht unterstellt werden kann.“

Laut „D.A.S.“ wurde eine Hundehalterin in München kürzlich zu 200 Euro Geldbuße verurteilt, weil sie ihren Hund im überhitzten Auto gelassen hatte. Das Tier überlebte und befindet sich nun in einem Tierheim. Grundsätzlich sollten sich Eltern und Haustierbesitzer Gedanken darüber machen, mit welchen Temperaturen im Auto zu rechnen ist. „Man sollte überlegen, ob man Kind oder Haustier überhaupt mitnehmen muss und es zu seinem Termin mitnehmen kann. Vielleicht kann solange ja eine Vertrauensperson auf Haustier oder Kind aufpassen? Kann man vielleicht warten oder den Termin verschieben, bis sich die Temperaturen abgekühlt haben?“, so Polizei-Pressesprecher Schäfer.

Unbedingt eingreifen

Experten raten dazu, auf jeden Fall einzugreifen, wenn ein Kleinkind in einem geparkten Wagen zu kollabieren droht. Wenn ein Passant die direkte Gefährdung eines Kindes im überhitzten Auto feststellt, darf eine Autoscheibe sofort eingeschlagen werden. Wer einen Notfall bemerkt und nicht handelt, kann – wie bereits erwähnt – ebenfalls strafrechtlich belangt werden. Anders verhält es sich bei Tieren. Zunächst sollte man versuchen, den Fahrzeugführer ausfindig zu machen. Das kann beispielsweise über Durchsagen in Supermärkten geschehen. Sollte das nicht gelingen, sollten Polizei und Feuerwehr unter 112 oder 110 alarmiert werden. Erst wenn ein Hund im Auto bewusstlos wird, darf die Scheibe eingeschlagen werden, um das Tier zu retten. Hier ist dann „Gefahr im Verzug“. In allen anderen Fällen ist das eine Straftat, nämlich Sachbeschädigung.

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