Touristen-Ansturm auf beliebte Wintergebiete

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Bürgermeister appellieren an die Vernunft der Besucher.

Region. Trotz Corona-Pandemie wollen viele raus – oder gerade deshalb. Ob im Harz, im Sauerland oder bei uns im Vogelsberg und in der Rhön: Der Ansturm auf die Ski- und Rodelgebiete geht weiter.

„Fulda aktuell“ hat sich mit Sebastian Stang, Bürgermeister von Grebenhain, Dr. Steffen Korell, Bürgermeister von Gersfeld (Rhön), und Verantwortlichen des Landkreises Fulda zum aktuellen Thema in Verbindung gesetzt. Landrat Bernd Woide und Dr. Steffen Korell sind einer Meinung: „Eine generelle Sperrung der Wasserkuppe würde die Problematik nicht lösen, sondern lediglich verlagern und zu massivem Druck auf andere Ortschaften führen. Damit wäre niemandem gedient.“ Das habe sich bereits durch den Besucherandrang seit Weihnachten gezeigt. „Ich bin in stetiger, enger Abstimmung mit der Polizei, unserem Ordnungsamt und der Kreisspitze. Seit den Weihnachtstagen steht mein Telefon quasi nicht still. Lagemeldungen werden ausgetauscht und wir wägen ständig ab, was am Besten ist. Ich bin außerdem in andauerndem Austausch mit dem Landrat und meinen Kollegen aus Ehrenberg, Poppenhausen und Bischofsheim. Die Situation ist uns, in all ihren Facetten, sehr bewusst und unsere Ordnungskräfte und die Polizei handeln jeden Tag besonnen und konsequent“, so Korell.

Anders sieht die Lage im Vogelsberg aus. „Zum Jahreswechsel hin zeichnete sich solch ein enormer Ansturm ab, dass uns nichts anderes übrig blieb, als die Zufahrtsstraßen zum ‚Hoherodskopf‘ sowie der ‚Herchenhainer Höhe‘ zu sperren, damit sich die Menschen mehr in der Fläche verteilen beziehungsweise durch die im Radio gemeldeten Straßensperrung, grundsätzlich Abstand davon nehmen die bekannten Ausflugsziele anzufahren“, erklärt Grebenhainer Bürgermeister Stang. Es seien zu viele Menschen gewesen. Abstände konnten nicht eingehalten werden, Straßen und Wege wurden ebenso wie die frei Landschaft zu geparkt und das Durchkommen für Rettungsfahrzeuge und Einsatzkräfte war nicht mehr gegeben.

„Bleiben Sie bitte zu Hause! Nutzen Sie zum Luftschnappen Ihr Umfeld in der eigenen Stadt oder Gemeinde. Meiden Sie die bekannten Ausflugsziele und vor allem Menschenansammlungen“, appelliert Stang. So bleiben die Zufahrtsstraßen zum „Hoherodskopf“ und zur „Herchenhainer Höhe“ weiterhin von 9 bis 16 Uhr gesperrt, teilt Landrat Manfred Görig nach einem Abstimmungsgespräch der Kreisbehörde mit der Polizei sowie den Kommunen Schotten, Ulrichstein und Grebenhain am Donnerstag mit. Da an diesem Wochenende erneut mit einem erheblichen Ansturm von Wintersportlern und Wanderern aus ganz Hessen gerechnet werden muss, müssen die Zufahrtsbeschränkungen grundsätzlich auch weiterhin bestehen bleiben, so der Landrat. Die Einschränkungen gelten zunächst bis zum 12. Januar. Danach wird die Lage neu beurteilt.

Zur Lage an der Wasserkuppe äußert sich Landrat Woide: „Die Wasserkuppe kurzerhand zu schließen, würde ganz sicher nicht dazu führen, dass kein Tagestourist mehr in die Rhön kommt“. „Die Wasserkuppe ist aber jeden Tag gesperrt, nachdem die Parkplätze voll sind. Oftmals schon ab dem frühen Vormittag. Es werden erst dann wieder Autos auf den Berg gelassen, wenn andere abgefahren sind“, sagt der Gersfelder Bürgermeister Korell. „Die Problematik der Tagestouristen in den Mittelgebirgen ist ja keine rhönspezifische. Damit haben derzeit alle Höhenlagen zu kämpfen, in denen Schnee liegt“, so Woide: „Und man kann auch nachvollziehen, dass viele Lust auf die Natur haben. Aber wenn die eigenen individuellen Interessen über das Wohl der Allgemeinheit gestellt werden, dann wird diese Uneinsichtigkeit zum großen Problem. Das ist auch ablesbar an Besuchern, die ihre Wagen kreuz und quer auf Wirtschaftswegen parken, Einfahrten versperren und rücksichtslos an den Straßenrändern abstellen.“ Auch Kreis-Gesundheitsdezernent Frederik Schmitt appelliert an die Vernunft der Besucher: „Bitte parken Sie nur auf dafür vorgesehenen Parkplätzen und achten Sie unbedingt darauf, die Rettungswege freizuhalten. Gerade bei der derzeitigen Schneelage ist es unverantwortlich, die Durchfahrten durch wildes Parken zu verengen.“ „Dazu muss man allerdings auch sagen, dass es an der Wasserkuppe zu keinem Zeitpunkt chaotisch war. Alles lief geordnet ab. Seit Mittwoch sind auch mehr Polizeikräfte vor Ort, obwohl es Dienstag und Mittwoch bereits wesentlich entspannter auf der Wasserkuppe zu ging. Anders sah es leider am Simmelsberg in Gersfeld aus, da parkten die Menschen kreuz und quer“, so Korell. Am Donnerstag vermeldete Korell weiter: „Da wir nun Gewissheit haben, dass die Polizei am Wochenende, mit einem durch Bereitschaftspolizisten deutlich verstärkten Kräfteansatz operieren wird, werden die Zufahrten zur Wasserkuppe und die umliegenden touristischen Parkplätze am Wochenende, (9.01. und 10.01.) zwischen 9 und 16 Uhr voll gesperrt werden. Neben Absperrmaterialien, die unser Bauhof anliefern wird, werden durch Ordnungsamt und / oder Polizei Standposten abgestellt, die unberechtigtes Parken (auch auf den Zufahrtsstraßen), Corona- und andere Verstöße verhindern und verfolgen werden.“ „Ich mag den Schnee auch und habe eine vierjährige Tochter die ständig raus will aber ich kann nur appellieren: Bleibt daheim! Besucht unsere schöne Rhön jederzeit und gerne, wenn sich die Situation entspannter darstellt“, so Korell.

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