Tradition und Geschichte: In Hauswurz leben seit jeher Menschen mit Engagement

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Das kleine Dörfchen Hauswurz ist ein Ort mit einer spannenden Geschichte am Rande des Landkreises Fulda.

Neuhof - Hubert Lauer ist besonders stolz auf sein Hauswurz. Seit 26 Jahren ist er Ortsvorsteher des 950-Seelendörfchens nahe Neuhof. Lauer ist erst der zweite Ortsvorsteher in Hauswurz. „Mein Vorgänger, Amand Leinweber, war 47 Jahre im Amt. Und wurde von den Amerikanern nach Kriegsende als Bürgermeister eingesetzt“, berichtet Lauer. Nach der Gebietsreform wurde Hauswurz der Gemeinde Neuhof zugeordnet, daher gab es keinen eigenen Bürgermeister mehr und Leinweber war „nur noch“ Ortsvorsteher.

Das kleine Dörfchen am Rande des Landkreises Fulda hat eine spannende Geschichte. Zweimal wurde es fast zerstört, war durch seine geografische Lage im Wechsel katholisch oder protestantisch und war Schauplatz verschiedener Fehden zwischen den Äbten von Fulda und der Ritterfamilie Riedesel. Erstmals wurde das Dorf 1468 fast völlig zerstört. Die Bewohner mussten schwer unter den Grenzstreitigkeiten leiden. Dass die Hauswurzer zusammenhalten, haben sie auch nach Kriegsende bewiesen. Am 31. März 1945 brannte die Kirche bis auf die Grundmauern nieder und das Dorf wurde zu 80 Prozent zerstört. „An diesem Tag kämpften deutsche Truppen gegen amerikanische und verloren. 72 Hauswurzer starben im zweiten Weltkrieg“, erklärt Lauer. Gemeinsam wurde das Dorf wieder aufgebaut.

Zum ersten Mal erwähnt wird Hauswurz in einer Schenkung von Lehngütern im 12. Jahrhundert. Jedoch könne davon ausgegangen werden, dass das Dorf bereits im Jahr 1000 bestand, nur unter anderen Namen wie „Huswarts“ oder „Huswirts“. Der eigentliche Name Hauswurz soll vom Namen Hauswart abstammen und stehe für Hauswartdorf oder Hauswarthaus. Wie schon damals wird in Hauswurz die Dorfgemeinschaft groß geschrieben. „Bei uns packt jeder mit an“, so Lauer. Und auch für jedes Alter wird etwas geboten. Sei es die Kinderturngruppe oder auch die Seniorengymnastik, in Hauswurz haben alle Spaß und sollen am Leben teilhaben. Zahlreiche Vereine wie die Feuerwehr, Sport- und Turnverein, Fußballverein, Geschichtsgruppe, Musikverein, Schützenverein, Kultur- und Geselligkeitsverein (mit Karnevals- und Kirmesgruppe) und „Malteser“-Ortsgruppe prägen das Dorfleben. Ganz besonders ist die Dorffunkanlage, die auch noch zum Einsatz kommt. „Wenn irgendwelche Veranstaltungen sind oder wichtige Nachrichten verbreitet werden müssen, dann erfahren das die Bürger aus dem Dorffunk“, zeigt sich Lauer stolz. Auch seine jährliche Weihnachtsbotschaft läuft über den Funk. „So etwas erlebt man selten“, so Lauer. Traditionelle Werte sind den Hauswurzern genauso wichtig, wie neue Wege zu gehen. „Aber bei uns setzt man sich abends auch mal zusammen oder der Nachbar kommt nach seinem Urlaub vorbei und man redet über das, was in seiner Abwesenheit so passiert ist. Hier kennt man sich eben noch“, lacht Lauer.

In Hauswurz wird das, was möglich ist, selbst gemacht. So wurde beispielsweise in der Gemeinschaft eine Lourdes-Grotte gebaut oder Bänke für das Dorf hergestellt. „Jeder tut was er kann“, so Lauer. Gemeinsam engagieren sich die Dorfbewohner auch gegen die Windräder in der Nähe. „Viele Bäume mussten bereits gefällt werden, dass ist nicht schön“, sagt Lauer. „Seit 2009 muss das Dorf mit den Windrädern leben.“ Die perfekte Anbindung zur A66 zieht jedoch auch viele junge Familien ins Dorf. „Wir liegen sehr gut für Pendler“, weiß der Ortsvorsteher. Ein großes Highlight ist das jährliche Hutzelfeuer. „Das bauen wir immer selbst auf, holen die Bäume und den Frischschnitt bei den Bürgern ab und leben gemeinsam diese Tradition“, sagt Lauer. Eine weitere Dorftradition sind die frischen Hähnchen aus dem Backhaus an Weiberfastnacht. „Hauswurz ist ein Dorf mit vielen Traditionen und einer tollen Gemeinschaft, ich will hier niemals weg“, so Lauer.

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