Traurige Schicksale im Tierheim Fulda- Hünfeld: Mehr ausgesetzte Tiere in der Ferienzeit

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Herbert Heurich, erster Vorsitzender im „Tierheim Fulda-Hünfeld“, und Tierheimbewohnerin Bina.

Zur Urlaubszeit füllt sich das Tierheim Fulda-Hünfeld mit Fundtieren. Viele Tiere werden zu Opfern der Ferienzeit.

Fulda - Urlaubszeit heißt für die meisten Familien der Region Zeit mit den Liebsten verbringen. Der Sommerurlaub soll Erholung, Spaß und eine sorgenfreie Zeit bringen. Aber was passiert mit dem geliebten Haustier, wenn dieses nicht mit in den Urlaub darf?

„Das rechtzeitige Planen des Urlaubs ist für die meisten selbstverständlich. Bei Tierbesitzern gehört es aber auch dazu, die Versorgung des tierischen Begleiters zu regeln“, sagt Herbert Heurich, erster Vorsitzender des „Tierheim Fulda-Hünfeld“. Schon häufig hat er mit verzweifelten Tierbesitzern gesprochen, die kurz vor der Abreise in den Urlaub noch eine Unterbringungsmöglichkeit für ihr Tier suchten. Die Pensionen seien früh ausgebucht und auch nicht jedes Tier kann in einer Tierpension untergebracht werden. „Tierpensionen nehmen selten verhaltensauffällige Tiere beziehungsweise Hunde“, weiß er.

Wohin mit dem Tier?

In den Ferienwoche kommt es laut Heurich häufiger zu Fundtieren. Sie werden direkt vor der Tierheimtür abgestellt, im Wald ausgesetzt oder an einem Baum angebunden. Auch der erste Vorsitzende wurde Herrchen eines Opfers der Ferienzeit. Heurich nahm vor Jahren einen Hund auf, der im Wald ausgesetzt wurde. „Eine Sozialarbeiterin fand den Hund und hat ihn mir gebracht“, erinnert sich Heurich. Der Tierschützer nahm den Shih Tzu-Mischling bei sich auf und taufte ihn Chino. „Wir hatten noch sieben schöne Jahre zusammen“, erzählt Heurich lächelnd. Der Mischlingsrüde war bei seinem Fund schätzungsweise drei Jahre alt. Das Schicksal von Chino steht exemplarisch für viele Tiere. „Einige Tierbesitzer merken nach etwas Zeit mit einem Tier im Haushalt, dass dieses Arbeit und Verantwortung bedeutet“, sagt Heurich und berichtet weiter „dann kommt die Urlaubszeit und keiner kann sich um das Tier kümmern. Da bleibt leider für viele nur noch der Weg es völlig loszuwerden.“ Viele, so Heurich, haben Scheu ihr Tier persönlich abzugeben oder wollen die Abgabegebühr nicht zahlen. „Dann scheint das Aussetzen eine Lösung zu sein.“

Aber es geht auch anders. Unter bestimmten Voraussetzung nimmt das „Tierheim Fulda-Hünfeld“ auch Tiere in Pension. „Wir bieten diese Plätze an, um einem Aussetzen der Tiere vorzubeugen“, so Heurich. Dabei sei es bei Katzen wichtig, dass sie vollständig geimpft sind und sich mit anderen Tieren vertragen beziehungsweise mit den Lebensbedingungen im Tierheim leben können. „Wir können beispielsweise keinen Freigang bieten. Unsere Katzen haben ein Außengehege, das sie nutzen können“, erklärt Heurich. Auch nicht jeder Hund kann als Pensionstier aufgenommen werden. „Wir brauchen natürlich ausreichend Platz für Pensionstiere und der Hund darf keine Gefahr für unsere Mitarbeiter darstellen“, so der pensionierte Lehrer. Auch für Kleintiere bietet das Tierheim einen Platz an. „Leider können wir keine Reptilien, Schlangen oder Echsen aufnehmen. Für solche Tiere haben wir keine artgerechten Unterbringungsmöglichkeiten“, erklärt Heurich. „Wir empfehlen in solchen Fällen, den Verein ,Scalare’ zu kontaktieren“.

Heurich hofft, dass in diesen Sommerferien weniger Fundtiere den Weg ins „Tierheim Fulda-Hünfeld“ finden und die tierischen Familienmitglieder die Ferien mit ihren Liebsten verbringen können.

Zwischenruf von Antonia Schmidt: Traurig und feige

Jahrelang habe ich um einen eigenen Hund gekämpft. Habe meinen Eltern Vorträge gehalten, warum ich einen Hund verdiene und eine „Kaltschnauze“ bei uns einziehen sollte – lange Zeit waren die Mühen vergebens. Doch als ich 15 Jahre alt war, war es endlich soweit: Mein eigener Hund zog bei uns ein. Ich hatte bereits Erfahrungen mit Hunden gesammelt. Seitdem ich denken kann, hat mein Papa meinr Schwestern und mich zum „Gassi gehen“ ins „Tierheim Fulda-Hünfeld“ gebracht. Ich war mir dessen bewusst, dass ein eigener Hund viel Arbeit und Verantwortung kostet – war ich doch eine sehr engagierte „Gassi Geherin“ des Tierheims.

Doch mit dem Einzug meiner Hündin „Basha“ änderte sich alles. Die Tage mussten geplant werden. Wer geht wann mit dem Hund raus? Zu lange alleine lassen ging auch nicht. Bei der Planung des Sommerurlaubs stellte sich meine Familie die Frage: Wohin mit dem Hund? Schnell war klar, „Basha“ darf mit uns reisen. Für unseren ersten Hundeurlaub suchten wir etwas ganz hundefreundliches aus – Sylt. Die Insel ist bekannt für ihre tollen Hundestrände und Auslaufanlagen.

Seit unserem ersten Hundeurlaub passiert es nur noch selten, dass „Basha“ uns nicht in den Urlaub begleiten darf. Die Versorgung unserer „Kaltschnauze“ ist dann natürlich geregelt, „Basha“ macht dann immer Urlaub bei lieben Freunden. Manchmal habe ich das Gefühl, sie will dann gar nicht mehr nach Hause kommen. Leider habe ich selbst immer wieder erfahren, dass Menschen einfach ihre Tiere ausgesetzt haben. Zur Ferienzeit steigt die Zahl der Fundtiere im Tierheim. Auch mein Papa, meine Schwestern und ich haben mal einen Hund gefunden. Wir waren gerade auf dem Weg ins Tierheim, als uns auf der Zufahrt im Wald ein Rottweiler-Welpe entgegen sprang. Er war einigen Radfahrern hinterher gelaufen. Mein Papa hielt die Leute an und sagte: „Bitte leinen Sie Ihren Hund an. Das kann hier gefährlich werden.“ Die Radfahrer entgegneten, dass der Hund aus einem Auto geschubst worden sei. Das Auto sei schnell weg gefahren. Der kleine Hund lief den Radfahrern nur hinterher, er wurde ein Opfer der Ferienzeit.

Traurig und feige nenne ich solche Aktionen. Es ist eine Sache mit einem Tier überfordert zu sein. Aber man sollte wenigstens dann noch etwas Verantwortung und Respekt für das Lebewesen haben, für das man sich einst entschieden hat, und sicherstellen, dass es in verantwortungsvolle Hände kommt. Nicht einfach wie Müll wegschmeißen. Der kleine Rottweiler hatte noch ein schönes Leben bei einer tollen Familie. Er hatte Glück, dass er rechtzeitig gefunden wurde.

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