Warten auf Regen: Angespannte Situation für heimische Landwirtschaft 

Ein Feld mit Wintergerste. Man sieht deutlich die Risse im Boden, die durch die Trockenheit ausgelöst werden. Schaut man über das Feld, erkennt man einige helle Stellen. Hier haben die Pflanzen bereits mit der Trockenheit zu kämpfen. Zusätzlich besteht das Problem, dass der Dünger durch den fehlenden Regen nicht aufgelöst wurde und noch auf dem Boden liegt.

Die anhaltende Trockenheit schafft zunehmend Probleme / Fragen an Kreisbauernverband Fulda-Hünfeld

Region - Nicht nur das Corona-Virus, sondern auch die anhaltende Trockenheit macht der Landwirtschaft sehr zu schaffen. In Hessen hat es flächendeckend letztmals am 12. März so richtig geregnet. „Fulda aktuell“ richtete entsprechende Fragen an den neuen Geschäftsführer des „Kreisbauernverbandes Fulda-Hünfeld“, Sebastian Schramm.

Fulda aktuell: Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation für die heimische Landwirtschaft – gerade in Anbetracht der erneuten längeren Trockenperiode?

Sebastian Schramm: Die aktuelle Situation durch die Trockenheit ist durchaus angespannt. Mit dem Spaten kann man sehen, dass die oberen 20 Zentimeter des Bodens durch die Sonneneinstrahlung und den Wind der letzten Wochen recht stark ausgetrocknet sind. Man spricht hier aktuell von einer „moderaten Dürre“. In den unteren Bodenschichten ist es noch etwas feuchter. Das geübte Auge kann an vielen Feldern bereits erkennen, dass die Pflanzen Stress durch Wassermangel haben. Dies ist so früh im Jahr natürlich sehr problematisch. Besonders die Kulturen, welche im Frühjahr gesät werden, haben aktuell kaum eine Chance auf ein gutes Wachstum. Dies betrifft Pflanzen wie zum Beispiel Mais oder Braugerste. Kulturen die im Herbst bereits gesät werden, wie zum Beispiel Weizen und Roggen, haben bereits längere Wurzeln und können somit die Wasserreserven im Boden besser nutzen. Doch trocknet die obere Schicht des Bodens aus und wird rissig, kann es sein, dass die Wurzeln der Pflanzen dabei abreißen. Dies führt letztlich zum Absterben der Pflanze.

FA: Haben sich die Böden eigentlich von den vergangenen beiden Dürre-Jahren erholt?

Schramm:  Erst die überdurchschnittlich hohen Niederschläge über den Winter, besonders im Februar und der ersten Märzhälfte (örtlich 200 bis 250 Prozent) haben die Böden bis in tiefere Schichten durchfeuchtet. In den tieferen Schichten ist größtenteils das Defizit der letzten beiden Jahre nie ausgeglichen worden, was besonders unseren Wäldern erneut Probleme bereiten könnte.

FA: Müssen Flächen bereits jetzt bewässert werden?

Schramm: Im hessischen Ried wurden bereits schon vor zwei Wochen die ersten Beregnungen durchgeführt, um gleichmäßige Bestände zu gewährleisten. Hierbei stehen hauptsächlich die Felder mit Gemüse und Erdbeeren im Fokus. In unserer Region sind Beregnungen bei Ackerkulturen nicht üblich, so dass eine entsprechende Ausstattung selten vorliegt und je nach Kultur oft auch nicht wirtschaftlich ist.

FA: Wie lautet Ihre Prognose? Wann müssen sich die Landwirte Sorgen machen?

Schramm: Damit die Ernte nicht in Gefahr ist müsste es bald nennenswerten Niederschlag geben. Die aktuelle Wetterlage mit Wärme, starker Sonneneinstrahlung und Wind trocknet sie Böden sehr aus. Bleibt sie so bestehen werden wir mit größeren Ertragseinbußen rechnen müssen.

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