1. lokalo24
  2. Lokales
  3. Fulda

Beim Führerschein: Die Tücken der Theorie

Erstellt:

Von: Bertram Lenz

Kommentare

null
Die "Fulda aktuell"-Redaktion beim Selbsttest der theoretischen Führerscheinprüfung. Wäre es ernst, dann hätten Antonia Schmidt, Bertram Lenz und Christopher Göbel nicht bestanden © Baumbach

Wenn es um den "Lappen" geht: Hessen schneiden von allen Bundesländern bei den Prüfungen am besten ab

Fulda - Immer mehr Menschen wollen in Deutschland Auto fahren. Zumindest wenn es nach den aktuellen Zahlen des „Kraftfahrtbundesamtes“ geht. Denn auch 2017 ist die Zahl derjenigen gestiegen, die ihren Führerschein gemacht haben. Die Statistik zeigt aber auch, dass gerade die theoretische Prüfung immer öfter zur Hürde wird. Bundesweit ist 2017 mehr als ein Drittel der Prüflinge durchgefallen, Tendenz steigend. Dies gilt aber nicht für Hessen, wie Recherchen von „Fulda aktuell“ ergaben.

Laut „Kraftfahrtbundesamt“ wurden 2017 1,82 Millionen (+6,7 Prozent) theoretische und 1,65 Millionen (+3,3 Prozent) praktische Prüfungen absolviert. In der Theorie versagten in der ersten Runde 37 Prozent der Prüflinge, „dies ist bei Betrachtung der höchste Wert der vergangenen zehn Jahre“. In der Auswertung nach Fahrerlaubnisklassen werde sichtbar, dass die Theorieprüfung für die Fahrer von Personenkraftwagen (Pkw) mit einer Misserfolgsquote von rund 39 Prozent die höchste Hürde darstellte. Danach folgten die angehenden Kraftradfahrer, deren Theorieprüfungen zu etwa 28 Prozent scheiterten. Praktische Prüfungen wurden insgesamt in fast drei Viertel aller Fälle bestanden.

Beim Blick auf unser Bundesland fällt auf, dass neben Hessen (31,4 Prozent) nur noch Schleswig-Holstein (32,2) und Niedersachsen (33,9) die besten Ergebnisse bei der Theorie vorzuweisen hatten. Dazu Uwe Herrmann, Leiter der Technischen Prüfstelle für den Kfz.-Verkehr der „TÜH Staatliche Technische Überwachung Hessen“ zu „Fulda aktuell“: „Dies zeugt von guter Ausbildungsqualität der 913 Fahrschulen in Hessen“. Die höchsten Misserfolgsquoten wurden übrigens mit jeweils über 40 Prozent in Mitteldeutschland erzielt. Was die Praxis angeht, so markiert Hessen auch in dieser Beziehung mit einer Durchfallquote von „nur“ 23 Prozent den bundesweiten Bestwert.

Die „Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände“ führt die höheren Durchfallquoten vor allem auf den größeren Anteil nicht deutschsprachiger Bewerber zurück. Sie seien mit einer anderen Verkehrskultur aufgewachsen und bräuchten schon bei der Theorie oft mehrere Anläufe. „TÜH“-Leiter Herrmann zur Frage, ob sich bei seiner Behörde beziffern lässt, wie hoch der Anteil von Flüchtlingen ist, die sich zu einer Fahrschulprüfung anmelden: „Der ,TÜV Hessen’ führt die Fahrerlaubnisprüfungen im Auftrag der ,TÜH ‘durch. Eine genaue Anzahl der Flüchtlinge lässt sich nicht definieren, da uns dieses Kriterium nicht mitgeteilt wird. Sollte man die ,Flüchtlinge’ mit der Theorieprüfung in der Fremdsprache Hocharabisch korrelieren können, die seit Oktober 2016 möglich ist, ist ein Anstieg um 65 Prozent bei fremdsprachlichen Prüfungen festzustellen. Insgesamt betrug der Fremdsprachenanteil in Hessen in 2017 genau 14,93 Prozent“.

Die Umschreibung eines Führerscheines aus Nicht-EU Staaten wie beispielsweise Syrien oder Afghanistan ist Herrmann zufolge nur mit einer Theorie- und Praxisprüfung möglich. Im Unterschied zu anderen Prüfungen sei hier bisher keine Ausbildung in einer Fahrschule vorgeschrieben. „Dies macht sich in Deutschland mit einem Anstieg der Prüfungen um 86 Prozent in der Praxis und in der Theorie um 79 Prozent bemerkbar“. In den praktischen Prüfungen der „Umschreiber“ sei die Nichtbestehensquote um 15 Prozent im Vergleich zu 2016 gestiegen, in Hessen liegt sie bei 35,7 Prozent.

Auch interessant

Kommentare