Klartext: Die Deutschen hamstern wieder

Der Ukrainekrieg führt zu Hamsterkäufen.
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Der Ukrainekrieg führt zu Hamsterkäufen.

Über solidarisches und unsolidarisches Verhalten im Supermarkt schreibt Redakteur Christopher Göbel im aktuellen Klartext.

Kein Speiseöl? Kein Toilettenpapier? Rationierung pro Einkauf? Leere Nudelregale? Was sich zu Beginn der Coronapandemie in vielen deutschen Supermärkten zeigte, ist derzeit wieder aktuell. Allerdings aus einem anderen Grund. Der Krieg in der Ukraine bringt viele Menschen dazu, sich Vorräte anzulegen... für den Fall...

Ich hoffe sehr, dass der „Fall“ nicht eintreten wird. Das Bundesamt für Katastrophenhilfe und Zivilschutz empfiehlt, einen Notvorrat für zehn Tage vorzuhalten. „Sollten Güter tatsächlich einmal knapp werden, ist es zudem ziemlich unsolidarisch, Produkte über den persönlichen Bedarf hinaus zu horten. Der Notvorrat hingegen wird in sicheren Zeiten ganz gezielt mit dem Nötigsten angelegt, damit man etwa zehn Tage problemlos überbrücken kann“, so das Amt. Das ist auch vernünftig.

Doch was braucht man wirklich, um im Katastrophenfall überleben zu können? Im Internet finden sich Listen mit lange haltbaren Lebensmitteln, die sich dafür eignen. Hamstern allerdings ist etwas, was der Allgemeinheit schadet. Das sieht auch das Zivilschutzamt so.

Mit Bedacht Vorräte anlegen, die man beim Ausfall von Strom, Gas und Trinkwasser zubereiten oder zumindest essen und trinken kann, sollte man zuhause haben. Nudeln und Speiseöl gehören da nur bedingt dazu. Denn wer mag schon ungekochte Nudeln an kaltem Rapsöl mit Ketchup zu sich nehmen?

Ich habe noch nie einen Katastrophenfall erlebt, in dem die Existenz meiner Familie und mir tatsächlich davon abhing, etwas zu essen und zu trinken zu haben. Gott möge verhüten, dass es jemals soweit kommt. Ich kann es deshalb nicht nachfühlen, wie es ist, nicht einfach in den nächsten Supermarkt gehen und kaufen zu können, wonach mir gerade ist. Meine Großeltern wussten das noch. Und zahlreiche Menschen in der Ukraine müssen es gerade am eigenen Leib erfahren.

Wer haufenweise Lebensmittel kauft, um sie zu spenden und damit in den Grenzgebieten zu helfen, dessen Engagement ist hoch einzuschätzen. Wer aber über den Bedarf der genannten zehn Tage hinaus hamstert, damit er oder sie im (sehr unwahrscheinlichen) Katastrophenfall selbst überleben kann, denkt egoistisch und unsolidarisch. Wer das Ganze dann nach Jahren im Keller wegwerfen muss, weil es einfach nicht mehr genießbar ist, sollte sein Handeln überdenken.

Das Zivilschutzamt empfiehlt einen „lebenden Vorrat“. „Versuchen Sie, Ihren Vorrat in Ihren alltäglichen Lebensmittelverbrauch zu integrieren.“ Alle Tipps dazu gibt es auf der Website des Amtes.

Wer also seine Vorräte intelligent anlegt, hilft sich selbst und anderen. Solidarität sollte immer über Egoismus stehen. Auch wenn uns manches Staatsoberhaupt gerade ein sehr schlechtes Beispiel dafür gibt.

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