Das unheilige Land

Von H.-P. EHRENSBERGERPapa, es heit doch Heiliges Land. Warum gibt es dort nie Frieden? Mein 13-jhriger Sohn stellte

Von H.-P. EHRENSBERGER

Papa, es heit doch Heiliges Land. Warum gibt es dort nie Frieden? Mein 13-jhriger Sohn stellte mir ausgerechnet an Heiligabend nach der Bescherung und den Sptnachrichten diese Frage. Als wieder zahlreiche Self-made-Raketen der Hamas in Israel detoniert waren und dieses nur wenige Stunden spter mit aller militrischen Hrte und weitreichenden humanitren Folgen zurckschlug. Eine hnliche (naive?) Frage hatte ich vor gut 40 Jahren an meinen Vater gerichtet: Warum herrscht in Palstina eigentlich nie Ruhe? Damals wurde ich als Kind das erste Mal unmittelbar mit dem Thema Krieg konfrontiert, nahm bewusst am Fernsehschirm wahr, dass sich im so genannten Sechs-Tage-Krieg gypter und Syrer auf der einen und Israelis auf der anderen Seite bis aufs Blut bekmpften.

Es folgten unzhlige weitere bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen den Konflikt-Parteien angefangen vom Attentat auf die israelische Olympiamannschaft in Mnchen, dem Yom-Kippur-Krieg, dem Massaker in einem Beiruter Flchtlingslager, mehreren Intifadas der Palstinenser in den besetzten Gebieten, Selbstmordanschlgen auf Busse, Restaurants und Schulen im israelischen Kernland, den Scud-Raketen whrend des ersten Irak-Kriegs, den verlustreichen letzten Kampf gegen die Hisbollah im Sd-Libanon bis hin zum aktuellen Guerillakrieg mit den radikalen Islamisten im Gazastreifen um nur die schlimmsten Konflikte zu nennen.

Die Liste des allltglichen Schreckens liee sich beliebig fortsetzen zwischen zwei Vlkern, die Abraham respektive Ibrahim als gemeinsamen Stammvater nennen. Heute klingt es nur noch zynisch, wenn der israelische Ministerprsident mit eiserner Faust die Hamas zerschlagen, die palstinensische Zivilbevlkerung im eingekerkerten Gazastreifen demnach mit Samthandschuhen behandeln mchte. Mindestens ebenso Menschen verachtend die Drohung eines Islamisten-Sprechers, der mit lebenden Frauen- und Kinderbomben zurck-schlagen will. Die Spirale aus Hass, Terror und Gewalt scheint sich unaufhaltsam nach oben zu drehen, zu einem fatalen Final Countdown, dessen Folgen einmal mehr die Gefahr eines Flchenbrandes in sich bergen.

Und wieder werden gleichermaen rat-, wie hilf- und erfolglose Diplomaten in der Region umherreisen, die zahn- und sanktionslose UN einmal mehr (wie oft eigentlich schon?) zur Waffenruhe aufrufen (die dann doch bald wieder gebrochen wird), selbst ernannte Nahost-Experten ihre Lsungsanstze prsentieren die in diesen Tagen fast alle mit dem hoffnungsvollen Satz enden: Der neue US-Prsident Obama wirds schon richten.

Wird er nicht. Mal abgesehen davon, dass dieser auenpolitische Newcomer nicht als Heilsbringer fr alle Krisengebiete dieser Welt gelten kann die Lsung des palstinensisch-israelischen Konflikts kann nur aus sich selbst kommen. Erlser mit ernsthaften Absichten, ehrliche Makler, mssen in beiden Vlkern gefunden werden. Dann kann man am ehesten auf einen dauerhaften Frieden im Heiligen Land hoffen. Ich frchte aber, dass dies ein frommer Wunsch bleiben wird. Und in weiteren 40 Jahren wohl leider immer noch ein Sohn an seinen Vater die eingangs gestellte Frage richten muss.

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