"Unheiliger Krieg"

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Fulda. Die "Kurdische Gemeinde Fulda" zeigt sich solidarisch mit dem verfolgten Volk und will die Öffentlichkeit aufmerksam machen.

Osthessen. Rund 1.000 Kurden leben in Osthessen – aus dem Iran, Irak, Syrien, der Türkei und einigen Ländern der früheren Sowjetunion. Die Kurden – spätestens seit Karl Mays "wildem Kurdistan" einer breiten Masse auch hierzulande bekannt –  ein Volk, das eigentlich keine Grenzen kennt und seit Jahrzehnten von Freiheit und einem eigenen Staat träumt. Seit Monaten ist diese dem indogermanischen Sprachkreis zuzurechnende  Bevölkerungsgruppe, sind Millionen Zivilisten, Frauen, Kinder, Alte und kurdische Kämpfer an Leib und Leben vom Terror der IS-Milizen bedroht – und die ganze Welt schaut zu.

In Fulda und Umgebung machen sich die kurdisch-stämmigen Mitbürger – viele von ihnen mit einem deutschen Pass ausgestattet ­ – große Sorgen um ihren Angehörigen und Landsleute vor Ort, vor allem in der am intensivsten bedrohten syrisch-türkischen Grenzstadt Kobane.  "Die Situation vor Ort ist sehr ernst, die ISIS-Terroristen kämpfen  mit High-Tech-Waffen  gegen  jede Menschlichkeit, sie haben keine eigenständige Strategie und schon gar keine Pläne für die Zukunft", klagt A. Demir von der "Kurdischen Gemeinde Fulda" an.

"Wir müssen an die Öffentlichkeit gehen und klar und deutlich machen, dass in Kobane ein Völkermord stattfindet – mit Vergewaltigungen von kurdischen und christlichen Frauen, die die ,ISIS’-Terroristen als ,Ehrentaten’ bezeichnen, mit einer Brutalität der Dschihadisten auf den Schlachtfeldern, die es in diesem Ausmaße in der Geschichte der Menschheit bisher kaum gegeben hat."

Demir weiß von Informanten vor Ort,  dass ein jugendlicher Selbstmordattentäter gestellt werden konnte, der einen Lkw voller Bomben fuhr und sein tödliches Vorhaben sinngemäß mit folgenden Worten entschuldigte: "Man hat mir gesagt, ich muss mich beeilen. Mohammed hat schon das Mittagessen gekocht und wartet auf mich im Paradies." Demir sagt, "solche Menschen sind keine Moslems, sie geben nur vor, sich auf dem Islam berufen zu können. Aus deren Augen spritzt Blut."

Demirs Bruder begleitete vergangene Woche eine Gruppe von Sozialarbeitern aus Fulda (von der Stadt und der "AWO" organisiert) durch das türkische Kurdengebiet. Die Reise kam über einen Fachkräfte-Austausch mit der Organisation "Sarmasik" zustande und führte die Osthessen in kurdische Flüchtlingscamps nach Dyarbakir (5.000 Menschen), Mardin (800 Bewohner) und die Umgebung von Batman,  wo rund 500 Flüchtlinge auch in den ehemaligen Dörfern der Yeziden untergekommen sind. Die Fuldaer Gruppe brachte Hygieneartikel und Kleiderspenden mit. Dabei traf Demir auch auf die deutsche Ärztin Nergiz Özden, die sich mit großem Einsatz in den Flüchtlingslagern engagiert. "Diese Menschen brauchen schnelle Hilfe vor Ort, vor allem winterfeste Zelte. Die örtliche Verwaltung tut viel, ihr gehen jedoch die Gelder aus und die türkische Regierung hilft nicht. Auch bei der medizinischen Versorgung brauchen die Lager dringend Unterstützung. Unser Eindruck vor Ort war, dass die Helfer auf sich allein gestellt sind. Die internationale Hilfe kommt dort nicht an."

Nicht zuletzt deshalb will Demir die Öffentlichkeit auch in der Region Osthessen sensibilisieren. "Wir wollen in Fulda demokratische Aktionen initiieren, friedliche Mahnwachen sind in Planung aber konkret noch nicht festgelegt.

Alle Organisationen, die sich dran beteiligen wollen, können sich bei der kurdischen Gemeinde melden", sagt Demir.  "Dieser unheilige Krieg, dieses Krebsgeschwür im Nahen Osten muss endlich ausgemerzt werden", sagt Demir.

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