Unkenntnis? Viele Autofahrer bilden keine Rettungsgasse

Beispiel für eine gelungene Rettungsgasse.
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Beispiel für eine gelungene Rettungsgasse.

Rettungsgassen können Leben retten. Und sie sind gesetzlich vorgeschrieben. Aber dennoch halten sich nicht alle Autofahrer daran.

Von MARIA HALSCH

Osthessen - Ein Unfall auf der Autobahn – und keine Rettungsgasse. Besonders in letzter Zeit rückt diese Problematik, die zu einer massiven Behinderung der Rettungskräfte und letztlich zu einer Gefährdung von Menschenleben führt, in den Vordergrund.

Aber auch die so genannten „Gaffer“ schränken Polizei und andere Einsatzkräfte enorm ein. Ein Anstieg dieses Fehlverhaltens der Autofahrer lässt sich jedoch nicht erkennen, wie Erster Polizeihauptoberkommissar Dieter Rosenberger, Leiter der Polizeiautobahnstation Petersberg, und Polizeihauptkommissar Bernd Waider, Direktion Verkehrssicherheit und Sonderdienste des Polizeipräsidiums Osthessen, auf Anfrage von „Fulda aktuell“ berichten: „Wir haben den Eindruck, dass das Bilden einer Rettungsgasse noch nie richtig funktioniert hat.“ Oft seien die entsprechenden Vorschriften für so einen Fall in den Köpfen der Leuten nicht angekommen oder aber verdrängt worden.

Motive für eine derartige Verhaltensweise gebe es viele. Mangelnde Aufmerksamkeit und Vorausschau oder auch purer „Egoismus“ werden von den beiden Beamten als Ursachen genannt. Die einfache Unkenntnis erkläre eine solche Handlungsweise ebenfalls. Direkt in der Region sei noch niemand zu Schaden durch eine fehlende Rettungsgasse gekommen. Jedoch habe man bei fast jeder Anfahrt zu einem Einsatzort mit Staubildung zu kämpfen, teilt die Pressestelle des Polizeipräsidium Osthessen zu dieser Problematik mit. Maßnahmen, um dieses Verhalten zu unterbinden, seien bereits vorhanden.

„Seit 2015 gibt es die gemeinsame Kampagne ,Rettungsgasse’ des hessischen Innenministeriums und des hessischen Verkehrsministeriums. Dabei haben wir gemeinsam unter anderem große Banner an Autobahnbrücken angebracht, die auf das Bilden einer Rettungsgasse hinweisen. Außerdem gibt es Hinweisflyer, die einfach erklären, wann und wie eine Rettungsgasse gebildet werden muss. Die gleichen Hinweise kann man inzwischen auch auf Plakaten an vielen Tank- und Rastanlagen finden. Auch in den Rundfunkwarnanlagen im Radio wird bei Staubildung zusätzlich auf das Bilden von Rettungsgassen hingewiesen.“

Technisch habe man die Möglichkeit, mit der Sondersignalanlage auf den Funkstreifenwagen der Autobahnpolizeien die Hinweise „Gasse bilden“ (nach vorne) und „Gasse halten“ (nach hinten) einzuschalten. Dies nutze die Polizei vorallem am Stauende. „Insgesamt hoffen wir, dass in diesem Bereich der stete Tropfen den Stein höhlt“, erläutern Rosenberger und Waider. „Im Grunde kann man nur durch Repression und direkte Ansprachen im Einzelfall etwas bewirken. Das spricht sich dann hoffentlich herum.“ Auch die Schaulustigen, sogenannte „Gaffer“, seien, ohne es statistisch nachweisen zu können, nicht mehr geworden. „Gegafft wurde schon immer.“ Allerdings reiche es den Menschen nicht mehr, ihre Neugier zu befriedigen, sondern sie wollten vielmehr durch das digitale Dokumentieren das gesamte soziale Umfeld informieren.

Um an diese Bilder und Videos zu gelangen, hätten diese „Gaffer“ oft keinerlei Hemmungen. „Da wurde schon das Tuch über einem Verstorbenen hochgehoben oder das Trittbrett eines Rettungswagens als Aussichtsplattform für bessere Übersicht genutzt“, erörtern die beiden Polizeibeamten. Am Einsatzort selbst hätten sie zunächst ganz andere wichtige Aufgaben zu erledigen, so dass keine Zeit für eine Auseinandersetzung mit diesen „Gaffern“ bleibe.

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