Unkonventionell im Denken und Handeln

Ein Bild aus Vor Corona-Zeiten: Michael Konow Mitte) mit seinem Vorgänger als „IHK“-Hauptgeschäftsführer, Stefan Schunck, sowie der Nüsttaler Bürgermeisterin Marion Frohnapfel beim „IHK“-Neujahrsempfang im Januar 2020.
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Ein Bild aus Vor Corona-Zeiten: Michael Konow Mitte) mit seinem Vorgänger als „IHK“-Hauptgeschäftsführer, Stefan Schunck, sowie der Nüsttaler Bürgermeisterin Marion Frohnapfel beim „IHK“-Neujahrsempfang im Januar 2020.

Fast) ein Jahr im Amt: Gespräch mit Fuldas „IHK“-Hauptgeschäftsführer Michael Konow

VON BERTRAM LENZ

Fulda. Das Gespräch mit Michael Konow, dem Hauptgeschäftsführer der „IHK Fulda“, findet mit einem Jahr Verspätung statt. Wenn man so will. Denn Anfang April 2020 war eigentlich geplant gewesen, sich mit Konow und seinem Vorgänger im Amt, Stefan Schunck, auf der „Enzianhütte“ zum gemeinsamen Austausch zu treffen. Damals, zu Beginn der ersten Welle des Coronavirus, war der Termin abgesagt worden. Kurz vor Ablauf seines ersten Jahres bei der „IHK Fulda“ klappte es am vergangenen Montag jetzt doch – in den „Fulda aktuell“-Räumen und mit gebotenem Schutz und Abstand.

Zwei Sätze könnten bestens das Lebensmotto des in Bonn Geborenen charakterisieren: „Man sollte immer versuchen, das Beste aus der jeweiligen Situation zu machen“ und „Es gibt Dinge, die man nicht ändern kann. Mit diesen halte ich mich nicht weiter auf“. Dieses „Et kütt wie et kütt“, wie der Rheinländer zu sagen pflegt, könnte freilich noch ergänzt werden durch die Überzeugung, wonach „Karriere das Produkt aus Zufällen ist“, wie Konow sagt. „Um den Kopf frei zu bekommen“, ist der einstige 400 Meter-Läufer auf Leistungsbasis auch heute noch jeden Tag sportlich aktiv.

Entwicklungshelfer

Seine bisherigen beruflichen Stationen vor Fulda haben ihn unter anderem als Entwicklungshelfer der „Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit“ in die Republik Niger geführt; eine Erfahrung, die er als „persönlich sehr bereichernd“ in Erinnerung hat. An seiner Seite Ehefrau Camille, die er 2003 in der französischen Auvergne als „Erasmus“-Student kennengelernt hatte. Für beide endete die „faszinierende Zeit“, als es in dem westafrikanischen Staat zu islamistischen Anschlägen kam und das Gefährdungspotential immer größer wurde. „Wir verließen Niger binnen weniger Tage und kamen ohne irgendeine berufliche Perspektive in Deutschland an“, erinnert sich der Diplom-Kaufmann, der zuvor auch bereits in Burkina Faso und als Trainee bei der „Landeskreditbank Baden-Württemberg“ tätig gewesen war.

Geholfen habe ihm aber auch hier sein „relativ großer Optimismus und mein Selbstbewusstsein“. Beides führte ihn auf die Referentenposition bei der „Handelskammer Hamburg“, wo er unter anderem eigene Projekte in Entwicklungsländern betreute. Über drei Jahre agierte Konow zudem als persönlicher Referent des damaligen Hauptgeschäftsführers, saß hier an einer wichtigen Schnittstelle „und habe extrem viel gelernt“. Unter anderem bei von ihm organisierten großen Konferenzen über wirtschaftliche Beziehungen zu China und Dubai, in deren Folge er ein funktionierendes Netzwerk aufbauen konnte.

Dass diese „extrem spannenden und tollen Aufgaben“ zu Ende gingen, lag auch am Wechsel des damaligen Hauptgeschäftsführers begründet, der von „unschönen Rahmenbedingungen“ begleitet wurde. Hinzu gesellte sich bei Konow die Überzeugung, „dass ich eigentlich noch mehr erreichen kann“. Er erfuhr von der zum 1. April 2020 frei werdenden Stelle bei der „IHK Fulda“, bewarb sich, wurde nach und nach zu jeder Vorstellungsrunde eingeladen – und hatte schließlich den Posten und damit auch die Verantwortung über 36 Mitarbeiter.

„Im Oktober 2019 habe ich den Vertrag unterzeichnet“, sagt der Vater eines Sohnes und einer Tochter, der gesteht, dass es – begründet in den von Corona geprägten Zeiten – besonders seiner Frau nicht leicht falle, zur Gänze in der osthessischen Region angekommen zu sein. Für ihn sei es leichter, was auch an den „offenen und – ganz im positiven Sinne – stets neugierigen Gesprächspartnern“ liege.

Standortvorteile

Was sagt der 39-Jährige zur Wirtschaftsregion Fulda? Die verfüge über einen großen Branchenmix und viele Inhaber geführte Unternehmen, was auch Grund dafür sei, „dass wir in dieser Krise noch verhältnismäßig gut da stehen. Auch wenn die Pandemie einzelne Branchen natürlich stark getroffen hat und trifft und es dort kritisch aussieht“. Generell verfüge Fulda über einen großen Standortvorteil, was unter anderem am ICE-Bahnhof und an den guten verkehrlichen Anbindungen A 7 und A 66 liege. „Dadurch ist die gesamte Region attraktiv für Gewerbeansiedlungen, und das ist großartig“, so Konow.

Der „IHK“-Hauptgeschäftsführer hat eine klare Meinung zum politischen Umgang mit der Krise: Was Stadt und Kreis Fulda angeht, „so haben die Verantwortlichen alles versucht, was versucht werden kann. Sie sind sich der Situation, in der wir uns befinden, sehr bewusst und wissen, dass etwas passieren muss. Weil sonst das Licht ausgeht. Kurz, es gibt ein hohes Problem- und Verantwortungsbewusstsein“.

Was die übergeordnete politische Ebene betrifft, so bescheinigt Konow den hier handelnden Personen, in der ersten Phase der Pandemie alles richtig gemacht zu haben. Dann aber habe man verpasst, sich im Sommer auf die zweite Welle vorzubereiten und sich darauf einzustellen. Der 39-Jährige befürwortet die Öffnungsstrategie, kritisiert aber das fehlende langfristige Denken und Handeln. „Die Unternehmen brauchen doch Planungssicherheit“, betont Konow und weiter: „Der Blick rein auf die Inzidenzzahl kann und darf nicht die alleinige Strategie sein“. Es sei wichtig, dahingehend Maßnahmen zu treffen, „wie man wirtschaftliches Leben mit Corona vereinbaren kann“. Konow plädiert dafür, sich nicht davor zu scheuen, auch eine Debatte „Gesundheitsschutz und Datenschutz“ zu führen.

Überhaupt müsse die ganze Diskussion deutlich differenzierter angegangen, „und bei den Corona-Beschlüssen dürfen nicht ganze Branchen wie Gastronomie und Hotellerie ausgeklammert werden“. Kritik übt er auch an dem „komplett Detail verliebten Blick, was äußerst bedauerlich ist“. Es gelte, viel mutiger zu sein.

Was kann die „IHK“ in diesen Zeiten tun? „Wir sind natürlich mit den politischen Akteuren in Gesprächen und helfen den Mitgliedsunternehmen dabei, einen Blick durch den Dschungel der Regulierungen und die Hilfsprogramme zu bekommen“. Sei das „Corona-Help-Desk“, betrieben gemeinsam mit der „Region Fulda GmbH“, in der ersten Phase der Pandemie noch gut angenommen worden, so könne man jetzt eine „gewisse Resignation und Frustration“ bemerken.

„Mut mach-Reihe“

Und weil sich die „IHK“ ja als Solidargemeinschaft versteht, in der Unternehmer anderen Unternehmern helfen, wurde die neue virtuelle Veranstaltungsreihe „#FDChancennutzer*innen im Dialog“ konzipiert. Dabei berichten Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Region Fulda, wie sie die Krise genutzt haben, um wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Auftakt ist am Mittwoch, 17. März, um 10 Uhr, und auch der Folgetermin steht bereits fest: Es ist der 31. März um 16 Uhr. Details unter www.ihk-fulda.de/chancennutzer.

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