Urteil verschoben: Neue Zeugen im Missbrauchsprozess gegen 82-Jährigen

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Das für vergangenen Mittwoche geplante Urteil im Missbrauchsprozess gegen einen 82-jährigen Mann musste verschoben werden. Neue Zeugen haben sich bei Gericht gemeldet.

Fulda - Am vergangenen Mittwoch sollte das Urteil im Missbrauchsprozess gegen einen 82-jährigen Mann aus Hattenhof fallen. Verhandelt wird der Fall vor der Zweiten Großen Strafkammer des Landgerichts Fulda. Dem 82-Jährigen werden 72 Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern und zwei Fälle von schweren sexuellen Missbrauchs vorgeworfen. Der Angeklagte soll zwei seiner Enkelinnen, die ihm zur Erziehung beziehungsweise zur Betreuung anvertraut waren, zu sexuellen Handlungen genötigt haben, darunter Küsse und Streicheln im Intimbereich. In zwei Fällen sei er sogar in die Scheide eingedrungen, was dem betroffenen Kind Schmerzen verursacht habe.

Am Mittwoch sollte das Urteil gefällt werden. Doch einen Tag vorher meldete sich eine weitere Zeugin. Ein mutmaßliches Opfer des 82-Jährigen absolvierte ein Praktikum im Blumenladen der Zeugin. Während der Arbeit erzählte die Praktikantin ihrer Chefin, dass sie nicht mehr bei ihrem Großvater leben könne, da dieser sie und ihre Schwester missbraucht habe. „Ich war geschockt“, erzählte die Zeugin vor Gericht. Unternommen hatte sie nach dem Gespräch aber nichts mehr.

Erst als der Prozess und die Beteiligung ihrer ehemaligen Praktikantin publik wurde, erinnerte sich die Zeugin an das Mädchen. „Sie war sehr mitteilungsbedürftig und hat viel erzählt. Ihre Schilderungen hätten stimmen können – aber auch nicht“, erklärt die 45-Jährige auf Nachfrage von Richter Joachim Becker, ob die Geschichte des mutmaßlichen Opfers glaubwürdig gewesen sei.

Nach der Zeugenaussage der Floristin entschloss sich die Familie des Sohnes des Angeklagten, doch auszusagen. Die vier Familienmitglieder wurden bereits als Zeugen geladen, machten jedoch von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht gebrauch. Die Terminfindung für die weiteren Aussagen gestaltete sich schwierig. So entschloss das Gericht, den 52-jährigen Sohn des Angeklagten sofort anzuhören. Was der Sohn zu berichten hatte und wieso er sich nun doch noch dazu entschieden hatte auszusagen blieb der Öffentlichkeit verborgen. Auf Wunsch des Zeugen wurde die Öffentlichkeit während der Aussage ausgeschlossen. Als Grund gab der Mann an, dass er Umstände aus dem engsten Familienkreis schildern werde, die die auch die Intimsphäre seiner Kinder betreffe.

Bereits in der ersten Verhandlung erwähnte der Angeklagte, dass die Beschuldigungen ihren Ursprung in einem Familienzwist mit einer Tochter – der Mutter der beiden mutmaßlichen Opfer – haben könnten.

Die Verhandlung wird am 24. Mai fortgesetzt. Die Urteilsverkündung wird sich durch die weiteren Aussagen verschieben.

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