Vegan... Der Blog: Vegan ist nicht nur eine Ernährungsform sondern ein Lebensstil

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Der erste Teil des veganen Blogs von Anna-Lena Klapp zeigt, dass vegan mehr ist als eine Ernährungsform.

„Was bedeutet denn vegan?“ Diese Frage bekam ich vor acht Jahren noch regelmäßig gestellt. Seitdem ist viel passiert und mittlerweile läuft einem das Wort „vegan“ in zahlreichen Supermärkten, Restaurants, Cafés oder Drogeriemärkten über den Weg. Der Begriff geht auf den Engländer Donald Watson zurück. Er gründete am 1. November 1944 die weltweit erste Interessenvertretung für vegan lebende Menschen, die „Vegan Society“. Watson soll den Begriff „vegan“ selbst kreiert haben, indem er den Mittelteil „etari“ aus dem Wort „vegetarian“ strich. Er wollte damit symbolisieren, dass Veganer Vegetarier sind, die ganz ohne tierische Produkte leben. Damit ist der Begriff eigentlich schon erklärt, aber irgendwie steckt doch mehr dahinter. „Vegan“ ist nicht nur eine Ernährungsform sondern ein Lebensstil.

Der Vegetarierbund Deutschland (VEBU) schätzt, dass derzeit etwa 7,8 Millionen Vegetarier (10 Prozent der Bevölkerung) und 900.000 Veganer (1,1 Prozent der Bevölkerung) in Deutschland leben. Die Beweggründe sind sehr unterschiedlich. Bis heute ist der ethische Aspekt, der schon seit der Antike besteht, eines der wichtigsten Motive für einen veganen Lebensstil. Auch für mich war es damals der ausschlaggebende Grund, Veganerin zu werden. Ich möchte nicht, dass für meinen Konsum Tiere sterben müssen. Leider ist das nicht nur bei der Fleischproduktion der Fall. Auch für Milch, Eier, Leder, Wolle oder Daunen müssen Tiere leiden und sterben. Berichte über die Missstände in der Massentierhaltung sind dabei schockierend und augenöffnend zugleich. Immer mehr Menschen ziehen ihre Konsequenzen daraus und sagen bewusst „nein“ zu diesen Produkten.

Eine weitere große Rolle spielen die ökologischen Aspekte. Die weltweit geführte Diskussion über einen nachhaltigen und zukunftsfähigen Umgang mit den verbliebenen Ressourcen kommt eindeutig zu dem Ergebnis, dass vor allem die Menschen in den wohlhabenden Ländern ihren Lebensstil ändern müssen. Hungernde Menschen, Umweltbelastung mit teilweise irreversiblen Schädigungen sowie der Klimawandel sind nur einige Probleme, die an dieser Stelle zu nennen sind. Zahlen aus dem Fleischatlas der Heinrich-Böll-Stiftung belegen, dass eine vegane Ernährungsweise deutlich weniger Land-, Energie- und Wasserressourcen als eine omnivore Ernährungsweise beansprucht. So werden zum Beispiel zur Herstellung von ein Kilogramm Rindfleisch rund 15.000 Liter Wasser benötigt, im Vergleich dazu werden für ein Kilogramm Kartoffel rund 250 Liter Wasser benötigt.

Aber kann eine Ernährung ohne Fleisch, Milch und Eier gesund sein? Da diese Frage äußerst unspezifisch ist, kann auch nur eine unspezifische Antwort gegeben werden. Denn es gibt nicht DIE vegane Ernährung. Wer sich ausgewogen und vollwertig vegan ernährt, lebt damit allgemein sehr gesund. Wer sich aber nur von Pommes, Chips und Limonade ernährt, lebt ebenso vegan – und zwar ziemlich ungesund. Die wissenschaftlich fundierte vegane Ernährungspyramide des VEBU (Vegetarierbund Deutschland) hilft dabei, die Empfehlungen für eine gesundheitsfördernde vegane Ernährungsweise in die Praxis umzusetzen. Sie kann online kostenlos herunter geladen werden. Auch die AND (Academy of Nutrition and Dietetics), welche die weltgrößte Organisation für Ernährungsfachleute ist, gibt an, dass „gut geplante vegane und andere Formen der vegetarischen Ernährung für alle Lebensphasen geeignet sind, einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, Kindheit und Jugend.“ Dass eine Mischkost automatisch vor einem Mangel schützt und zu besseren Leistungen führt, ist ein Trugschluss. So ist Eisenmangel eine der weltweit häufigsten ernährungsbedingten Mangelzustände – auch in Industrienationen, die bekanntlich einen sehr hohen Fleischkonsum aufweisen.

Auf meinem persönlichen Speiseplan stehen viel frisches Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Pseudogetreide wie Amaranth und Buchweizen, Sojajoghurt, Hafermilch, Nüsse, Samen aber auch Schokolade, Kuchen und Knabberkram. Außerdem nehme ich ein Vitamin B12 Supplement. Vitamin B12 wird von Mikroorganismen produziert, die sowohl im Verdauungstrakt von Tieren als auch auf der Oberfläche von Pflanzen vorkommen. Vereinfachend zusammengefasst ist das Vitamin wichtig für die Zellteilung und Blutbildung in unserem Körper sowie die Funktion des Nervensystems. Omnivor lebende Menschen können ihren Bedarf zum Beispiel über den Verzehr von Fleisch, insbesondere Innereien decken. Die Spuren von Vitamin B12 auf pflanzlichen Lebensmitteln sind gering, und durch die gestiegenen Hygienestandards in der Lebensmittelindustrie werden diese meist komplett entfernt. Dies gilt allerdings auch für Fleisch. Daher ist es für vegan lebende Menschen besonders wichtig, Vitamin B12 über Nahrungsergänzungsmittel zu sich zu nehmen. Aber auch Mischköstler sollten ihren Vitamin B12-Status hin und wieder beim Arzt prüfen lassen.

Doch wie sieht die Umsetzung im Alltag aus? Zunächst einmal ist es wichtig, eigene Werte und Überzeugungen kritisch zu reflektieren und offen für Neues zu sein. Vegan zu leben ist nicht kompliziert, es benötigt zu Beginn etwas Zeit für Recherche und anschließend etwas Übung, das neu erlernte in den Alltag zu integrieren. Die meisten Grundnahrungsmittel wie Obst, Gemüse, Getreide, Reis, Nudeln, Kartoffeln oder Hülsenfrüchte wie Linsen und Bohnen sind ohnehin vegan. Zwei Nährstoffe werden jedoch von vielen Menschen unmittelbar mit tierischen Produkten in Verbindung gebracht: Calcium und Protein beziehungsweise Eiweiß. Calcium ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Knochen und Zähne. Pflanzliche Quellen sind zum Beispiel Gemüsearten wie Spinat und Grünkohl oder auch kalziumreiches Mineralwasser. Proteine sind unter anderem wichtig für unsere Muskeln sowie Haut, Haare und Nägel. Lange Zeit galt Fleisch als der einzige Proteinlieferant. Heute wissen wir, dass auch vegane Nahrung, vor allem Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte, unseren Proteinbedarf decken können. Besonders eiweißreich sind dabei Tofu, Rote Linsen, Kichererbsen, Quinoa oder Hafer.

Die Umstellung auf eine vegane Lebensweise nimmt etwas Zeit in Anspruch, für mich persönlich ist es aber eine bis heute andauernde Entdeckungsreise. Zwar fallen einige Lebensmittel weg, es kommen aber gleichzeitig zahlreiche neue hinzu. Um den Einstieg zu erleichtern, kann es Sinn machen, sich ein veganes Kochbuch zu kaufen und einem veganen Foodblog zu folgen. Hier werden online kostenlos Rezepte vorgestellt und viele Tipps zum Einkaufen der Zutaten und zur Zubereitung der Gerichte gegeben.

Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass in unserer gegenwärtigen Gesellschaft niemand zu 100% vegan leben kann. Überall sind Stoffe tierischen Ursprungs verborgen, denen man sich nicht gänzlich entziehen kann. Eine vegane Lebensweise ist damit ein Ideal, dem ich mich soweit als möglich annähern möchte. Wir sollten nicht den Anspruch von Perfektion an uns und andere haben, sondern miteinander dafür sorgen, dass eine nachhaltigere, gesündere und faire Gesellschaft entsteht.

Wie sich mein veganes Leben konkret in Fulda gestaltet und welche Einkaufs- und Freizeit-Tipps ich für euch auf Lager habe, erfahrt Ihr in der nächsten Kolumne.

Bis dahin schöne vegane Grüße,

eure Anna-Lena

Rezepttipp: Carrot Cake Donuts

Zutaten für 16 Mini-Donuts:

•200 g Mehl

•200 g gemahlene Haselnüsse

•240 g Zucker

• 1/2 TL Zimt

•1 TL Backpulver

•1 Prise Salz

• ½ Orange

•100 g Apfelmus

•50 ml Rapsöl

•100 ml Sojamilch

•200 g Möhren

•200 g Puderzucker

• Saft einer Zitrone

•50 g Haselnusskrokant

Zubehör: Mini-Donutbackform

Zubereitung: 1. Vermenge das Mehl mit den gemahlenen Haselnüssen, Zucker, Zimt, Backpulver und Salz in einer Backschüssel. 2. Reibe die Schale der Orange fein ab und gebe sie ebenfalls zu dem Mehl. 3. Gebe nun Apfelbrei, Rapsöl und Sojamilch dazu und verarbeite alles zu einem glatten Teig. 4. Zerkleinere die Möhren ganz fein mit einer Reibe oder einer Küchenmaschine und hebe sie unter den Teig. 5. Verteile den Teig nun gleichmäßig in die Mini-Donut-Backform. 6. Backe die Donuts bei 180°C Umluft etwa 25 Minuten. 7. Wenn die Donuts komplett ausgekühlt sind, kannst du sie vorsichtig aus der Form lösen. 8. Nun kommt die Glasur. Vermenge dafür den Zitronensaft mit dem Puderzucker und pinsel die Donuts damit ein. Streu noch etwas Haselnusskrokant darüber und lass alles fest werden.

Tipp

Wenn du eine Backform aus Silikon verwendest, kannst du dir das Einfetten sparen und die Donuts lassen sich besonders leicht heraus lösen. Donutbackformen kannst du online bestellen oder in der Haushaltswarenabteilung von verschiedenen Lebensmittelhänlern erwerben.

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