Vater und Sohn Kehl: Stolz auf die Rhöner Heimat

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Dieter Kehl und „Fulda aktuell“-Redaktionsleiter Bertram Lenz im angeregten Gespräch.
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„Eheähnliches Verhältnis“: Vater Dieter und Sohn Benjamin Kehl.
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„Eheähnliches Verhältnis“: Vater Dieter und Sohn Benjamin Kehl.

"Fulda aktuell"-Gespräch mit den beiden Gastronomen und Köchen aus Lahrbach

Tann - „Heimat“, „Region“ und „Authentizität“ sind drei Begriffe, die im Gespräch mit Dieter Kehl und seinem Sohn Benjamin sehr häufig fallen. Ähnlich übrigens wie das Wort „Familie“. Dies beweist sehr eindrucksvoll, auf was bei den Kehls in Lahrbach Wert gelegt wird, wie auch bei einem Gespräch mit der „Fulda aktuell“-Redaktion sehr deutlich wird. Eine zutiefst angenehme Plauderei mit Vater und Sohn, die ihre Beziehung zueinander als „eheähnliches Verhältnis“ definieren.

25 Jahre lang stand Dieter Kehl dem „Rhöner Charme“ vor, ehe er vor wenigen Wochen den Vorsitz in die Hände von Andreas Rau („Fuldaer Haus“) legte. Benjamin Kehl absolvierte seine Ausbildung im „Goldenen Karpfen“ in Fulda und zog danach für zwei Jahre nach Sylt, wo er bei Sternekoch Jörg Müller weiter lernte. Es folgten Stationen in Dortmund, Osnabrück, Karlsruhe und Heidelberg, wo er den Diplom-Betriebswirt an der Hotelfachschule Heidelberg absolvierte. Zuletzt war er in der Bonner „Villa Hammerschmidt“ als „Demi Chef Patisserie“ tätig, ehe vor gut zehn Jahren ein erstes Gespräch mit seinem Vater und der Frage anstand, ob er nicht nach Hause kommen wolle.

„Das alles ist ohne Druck passiert“, versichert Dieter Kehl, der aber sichtlich froh darüber ist, dass einer seiner drei Söhne in seine Fußstapfen getreten und die Zukunft des Familienunternehmens gesichert ist. Zumal die fünfte Generation auch schon in den Startlöchern steht, kleine Hilfsarbeiten verrichten darf und sich so ein Taschengeld verdient. Augenzwinkernd verrät der Senior, dass er schließlich mitunter erleichtert ist, wenn – beispielsweise – behördliche Telefonate kommen und er den Hörer dann an den „Chef“ weitergeben kann.

Die Basis des Unternehmens hatten die Großeltern von Dieter Kehl, Aloysia und Rudolf Kehl, Ende der 20er Jahre gelegt, indem sie einen Gasthof im Ortskern von Lahrbach kauften. Über die Jahrzehnte hinweg entwickelte sich dann, zunächst unter Leitung von Paul und Aloysia Kehl, dann unter Dieter und Eva Kehl, aus einer kleinen Dorfgaststätte das heutige Restaurant und Hotel mit mehr als 70 Betten.

Benjamin Kehl: „Man kann schon sagen, dass wir das Leben der Menschen in unserer Umgebung mitgetragen haben und tragen. Denn solch ein Landgasthof ist ja in vieles miteinbezogen: Von der Taufe über Kommunionfeiern und Hochzeiten bis hin zum Tröster“. Dass das Bemühen honoriert wird, zeigt sich im Übrigen auch daran, dass die Kehls 2019 unter den „50 besten Landgasthöfen Hessens“ zu finden sind.

Zurück zu Dieter Kehls „Rhöner Charme“-Engagement: „Nachdem ich das Familienunternehmen zum 1. August 1977 übernommen hatte – ich hatte im ,Diana-Keller’ gelernt – machte ich mir so meine Gedanken und fand es eigentlich unerträglich, in welch großer Konkurrenz wir Rhöner Gastronomen zueinander standen“. Daraus entwickelte sich dann die Idee, in einem Verbund regionale Produkte zu fördern und darüber zu einer gemeinsamen Stärke zu finden.

Die Gründung des „Rhöner Charme“ erfolgte 1993 und beschränkte sich zunächst auf das Ulstertal, Hofbieber und Poppenhausen. Fachhochschul-Professorin Jutta Schreiner-Koscielny entwickelte die Idee mit und half bei der Namensfindung. Neben Dieter Kehl bildeten Stefan Hohmann (Hilders), Alexander Leubecher (Gersfeld), Manfred Laudenbach (Poppenhausen) und Thomas Stehling (Hofbieber) den Vorstand.

45 Mitglieder

„Wir entwickelten uns stetig weiter“, erinnert sich Dieter Kehl, zumal nach 1989 auch die Kollegen aus Thüringen dazustießen und der „Rhöner Charme“ zeitweise 60 Mitgliedsbetriebe, darunter auch aus Bayern, hatte. Inzwischen sind es 45, „zwar immer noch eine sehr stattliche Zahl, was aber zeigt, unter welchen Problemen unser Berufsstand beziehungsweise mittelständische Familienbetriebe leiden“. Sprich Nachfolgeregelung, Fachkräftemangel und immer mehr bürokratische Auflagen, die einen immer höheren (Zeit)-Aufwand erforderten.

Bilanz der 25 Jahre

Schaut Dieter Kehl auf seine „Rhöner Charme“-Zeit zurück, dann ist er besonders darauf stolz, den Zusammenhalt unter den Gastronomen, egal ob aus großen oder kleinen Häusern, gefördert und regionale Produkte in den Vordergrund gerückt zu haben. „Dadurch wurde die regionale Küche gestärkt, was ihren Ausdruck auch durch die jährlichen Veranstaltungen unter einem ganz bestimmten Motto und durch die Veröffentlichung unseres Kochbuches gefunden hat“.

Sein Sohn ergänzt: „Die ,Heimat, unsere Kultur und Geschichte, ist in den Fokus gestellt und auch gelebt worden. Mit allem was dazu gehört. Stolz auf diese Region, bodenständig und authentisch zu sein“. Dass diese Ziele auch künftig beim „Rhöner Charme“ Bestand haben, dafür sorgen Dieter Kehl zufolge „die jungen Wilden“ und der neue Vorstand.

Dazu gehört auch, sich moderner zu geben, beispielsweise durch eine überarbeitete Homepage. „Der Hahn braucht ein neues Gesicht, damit er anders kräht“, formuliert es Benjamin Kehl, der gemeinsam mit seinem Vater in der Küche „neue Wege auf traditionellen Pfaden“ beschreitet. Und abermals den Wert als authentischer Betrieb betont: „Wir sind in der Rhön daheim, wir leben die Rhön. Und das spiegelt sich auch in unserer Küche wider.“

Hohes Qualitätsbewusstsein und Anspruchsdenken, gepaart mit Perfektion und Sauberkeit, stünden obenan. Dies alles, um die Gäste zufrieden zu stellen, die sich in familiärer Atmosphäre wohl fühlen sollen. Dabei profitiere man natürlich auch davon, dass sich heute in der Küche ganz andere Möglichkeiten eröffneten als noch vor einigen Jahren, es gebe eine höhere Vielfalt, und die Zeiten eines „Toast Hawaii“ und einer „Reispfanne Bombay“ seien größtenteils vorbei.

„Ich bin zufrieden und dankbar“, bilanziert am Ende des Gespräches Senior Dieter Kehl, der – wie auch Sohn Benjamin – die Vorzüge seines Berufes preist: „Man ist mit Menschen zusammen, man schafft und kreiert etwas und sieht am Ende, was man getan hat“.

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