Vereine: Nicht nur klagen, auch die Chancen nutzen

Der Vorsitzende der „SG Johannesberg“, Lothar Plappert (rechts), im Gespräch mit „Fulda aktuell“-Redaktionsleiter Bertram Lenz
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Der Vorsitzende der „SG Johannesberg“, Lothar Plappert (rechts), im Gespräch mit „Fulda aktuell“-Redaktionsleiter Bertram Lenz

Mit folgendem Satz begann im März 2020 der Ausnahmezustand: „Für den Publikumsverkehr zu schließen sind der Sportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen, Schwimm- und Spaßbädern und Fitnessstudios.“ Auf diese Maßnahme hatten sich Bund und Länder geeinigt. Seitdem befinden sich die rund 90.000 deutschen Sportvereine in einem steten Rhythmus zwischen Bangen und Hoffen, zwischen Lockdown und Lockerung – und mit dem Corona-Virus als Taktgeber. Allein in Hessen rechnet etwa die Hälfte der Vereine mit finanziellen Defiziten und fürchtet um die Existenz. „Fulda aktuell“ hat sich dieses Themas angenommen und wissen wollen, wie gegenwärtig die Stimmungslage bei den heimischen Vereinen ist. Wir haben dazu mit Lothar Plappert gesprochen, dem Vorsitzenden der „SG Johannesberg“, die aktuell rund 910 Mitglieder hat. Plappert stand bis vor Kurzem – und dies 21 Jahre lang – auch dem „Sportverband Fulda“ vor, zu dem 80 Vereine mit etwa 24.000 Mitgliedern gehören.

Fulda. Die Zeit der Pandemie sei für die Vereine, so auch für seine „SG“, sehr problematisch und von hoher Unsicherheit gekennzeichnet gewesen, betont der 67-Jährige, der sich seit Langem kommunalpolitisch engagiert. Vereine lebten auch von Kommunikation und Gemeinschaft, beides habe in den vergangenen Monaten stark gelitten. Zudem sei es sehr schwierig gewesen, die behördlichen Auflagen bei Veranstaltungen und im Trainingsbetrieb umzusetzen, „und man muss bedenken, dass dieser organisatorische Aufwand durch ehrenamtliches Engagement geleistet werden muss. Da gehört schon viel Idealismus dazu“. Nicht zuletzt dank der Impfkampagne sei man nun aber in eine Phase weitestgehender Normalität eingetreten, was hoffentlich auch so bleibe.

Auf der Grundlage der Erhebung des „Landessportbundes“ hat der Verein in 2020 per Saldo 78 Mitglieder verloren, was unterschiedliche Gründe gehabt habe. Andererseits habe es Zulauf bei Einzelsportarten wie dem Pool-Billard gegeben, wo die Erste Mannschaft der „SG Johannesberg“ sogar in der Zweiten Bundesliga antrete. Hier stehe am ersten Dezemberwochenende übrigens das erste Heimspiel an, so Plappert, der sehr stolz darauf ist, dass sein Verein mehrere Sportarten anbietet: Fußball, Leichtathletik, Volleyball, Tischtennis, Tennis, Basketball, American Football und eben Pool-Billard. Für Letzteres habe man rund 35.000 Euro in den Bau von Lüftungsanlagen investiert. Diese Maßnahme wurde unter anderem auch wegen Corona getätigt und um dem zu erwartenden Spielbetrieb gerecht zu werden, sagt der „SG“-Vorsitzende, der darauf verweist, dass der Verein über ein Sportzentrum verfüge, das auch Jahr um Jahr einiges an Finanzmitteln zur Unterhaltung erfordere.

Den Verantwortlichen sei wichtig, auch nicht so gängige Sportarten wie eben American Football zu fördern. „Dieser Sport wird gut angenommen“, meint Plappert, der sich über die Möglichkeit freuen würde, bei einem Spiel im Stadion der Stadt Fulda für American Football werben zu können. Die Möglichkeit, wegen der Pandemie Fördergelder seitens des Landes zu bekommen, habe man nicht in Anspruch genommen, „weil dies nur auf Vereine zutraf, die finanziell blank gewesen sind und nicht auf Rücklagen zurückgreifen konnten“.

Bewerben wolle man sich nun allerdings um Unterstützung bei einer weiteren Corona-Hilfe des Landes. Ziel des Förderprogramms ist es, „Hilfe zur Selbsthilfe“ für diejenigen Vereine zu ermöglichen, die besonders hart durch den Verlust von Mitgliedschaften infolge der Pandemie betroffen sind. Antragsberechtigt seien alle Vereine, die im „Landessportbund Hessen“ und der „DLRG Hessen“ organisiert sind, sofern sie 50 oder mehr Mitglieder im Jahr 2020 verloren haben. Eine Tatsache, die – wie beschrieben – auf die „SG Johannesberg“ zutrifft.

Hohes Engagement:
Der Sportkreis

Jemand, der seit vielen Jahren ganz nah an den heimischen Vereinen dran ist, das ist Hagen Triesch aus Eiterfeld. Der 64-Jährige ist stellvertretender Vorsitzender des „Sportkreises Fulda-Hünfeld“. In dem Verband sind aktuell 336 Vereine organisiert, die insgesamt rund 81.000 Mitglieder haben. Neben Fußball hätten besonders die Hallensportarten unter der Pandemie und dem damit verbundenen Lockdown zu leiden gehabt, erläutert Triesch im Gespräch und erinnert daran, wie man an die politisch Verantwortlichen appelliert habe, wenigstens ab Herbst die Hallen wieder zu öffnen. Die Situation sei besonders für die 5., 6. und 7. Klassen sehr belastend gewesen, da es keine sportliche Betätigung gegeben habe. Viele Kinder und Jugendliche hätten sich stattdessen zu Hause an PC-Spielen erprobt.
Schlecht sei auch gewesen, dass es keinen Schwimmunterricht gegeben habe. Nun sei man bemüht, das Versäumte im Winterhalbjahr aufzuholen, unter anderem mit Unterstützung der „DLRG“-Ortsgruppe Eiterfeld.


Triesch vertritt den Standpunkt, dass Corona auch eine Chance für die Vereine ist, „sich zu bewegen und gerade auch Jugendlichen Angebote zu machen, um sich zu informieren und vielleicht an einen Verein zu binden“. Dies müsse nicht unbedingt unter Wettkampf-Bedingungen geschehen, sondern man sollte die Möglichkeit bieten, gewisse Sportarten auszuprobieren und sich erst dann zu entscheiden. Der 64-Jährige: „Die Vereine müssen nicht nur die klassischen Sportarten im Blick haben, sondern sollten sich Nebenfelder schaffen“. So werde in Eiterfeld beispielsweise Yoga angeboten, und der Reha-Sport verfüge schon jetzt über vier Gruppen.

Wenn die vierte Pandemiewelle nicht so drastisch verlaufe wie die dritte und es keinen neuerlichen Lockdown gebe, dann sei er optimistisch, dass die Vereine erfolgreich durchstarten könnten. Und Triesch erinnert daran, dass die Homepage des „Sportkreises Fulda-Hünfeld“ vielfältige Informationen zu den unterschiedlichsten Themen anbiete. So auch zu Fördermaßnahmen, bei denen sich viele Vereinsvertreter nicht hinreichend auskannten.

Zwei Begriffe sind es im Übrigen, die im Gespräch mit Triesch immer wieder auftauchen: Integration und Inklusion. Hier bestehen enge Kontakte zum Schulamt, zu „antonius – Gemeinsam Mensch“, zur „Hochschule Fulda“ und zum „Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband“ (HBRS).

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