Von Versöhnung geprägt: Verfolgte des NS-Regimes diskutieren mit Fuldaer Altenpflege-Schülern

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Sechs polnische Senioren zu Gast beim Fuldaer Caritasverband / Plädoyer für gemeinsame Zukunft in Europa

Fulda - Zurzeit hat der Fuldaer Caritasverband eine polnische Gruppe zu Gast: Die sechs Seniorinnen und Senioren aus dem östlichen Nachbarland hatten als Kinder mit ihren Familien Verfolgung und Gewalt durch das NS-Regime erleiden müssen. Der Aufenthalt hier in Deutschland – vermittelt durch das Maximilian-Kolbe-Werk in Freiburg – dient der Begegnung der Polen mit den Deutschen, der Wiedergutmachung und Versöhnung.

Im Rahmen des Programms stehen die polnischen Gäste auch für Zeitzeugengespräche zur Verfügung, um über die damaligen Erlebnisse in den Jahren des Zweiten Weltkriegs zu berichten und so zu einer Erinnerungskultur beizutragen, dass diese Geschehnisse nicht einfach vergessen würden. Bei den rund 40 Schülerinnen und Schülern der Fuldaer Caritas-Altenpflegeschule stießen die Berichte der Senioren auf großes Interesse.

Nach einer Begrüßung und Vorstellung der gesamten Runde durch Diözesan-Caritasdirektor Dr. Markus Juch, der sich für die Gesprächsbereitschaft der Gäste bedankte, berichteten die Senioren, wie sie mit ihren Eltern und Geschwistern in Gefangenschaft geraten waren, von der Trennung der Kinder von den Eltern, vom großen Hunger und von den unfassbaren hygienischen Zuständen im Lager. Ein Herr aus der Gruppe erzählte von der Beinahe-Erschießung seines Vaters, die er als Zweijähriger erleben musste, und die nur gescheitert war, weil ein alliierter Luftangriff die Vollendung dieser grausamen Maßnahme verhinderte.

Die Polen gingen auch auf die regen Fragen der Schülerschaft ein, die wissen wollten, wie das Leben nach dem Krieg sich wieder normalisierte, und wie man nun – zig Jahrzehnte später – zu den Deutschen stünde. Dabei wurde deutlich, dass Wut, Trauer und Hass längst erloschen sind, dass man sich aber darin einig war, dass so etwas Schreckliches nie wieder geschehen dürfe, und man daher aufmerksam bleiben müsse.

Die polnischen Senioren betonten, dass sie in ihrem Leben auch viele gute Erfahrungen mit Deutschen machen konnten, und dass es nun um die gemeinsame Zukunft unter dem Dach Europas ginge. „Ihr jungen Leute seid in Ordnung so, wie Ihr seid, und habt die richtige Einstellung zu Europa“, betonte einer der Herren in der Gruppe. Und was das Nachbarschaftsverhältnis zwischen den Deutschen und Polen für die Zukunft angeht, so einigte man sich auf die Formel: „Wir müssen uns nicht lieben, aber wir können doch Freunde sein!“ Die Schüler und die Senioren jedenfalls hatten im Gespräch so viel Freundschaft miteinander geschlossen, dass sie nach dem offiziellen Veranstaltungsende einfach noch zusammen blieben und weiter redeten.

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