Versöhnliche Töne: Infoveranstaltung der IG „Kein Schredder“ in Eichenzell

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Am Dienstag veranstaltete die IG "Kein Schredder" eine Informationsveranstaltung zum Thema "Umsiedlung der Firma Weider".

 Eichenzell - Zunächst bestehen bleiben die Pläne, das Unternehmen „Weider“ von Welkers in die Gemarkung „Im Oberfeld“ zwischen Eichenzell und Löschenrod umzusiedeln: Mit den Stimmen von CDU und CWE wurde am Donnerstagabend ein entsprechender SPD-Antrag von der Gemeindevertretung abgelehnt. Zuvor hatte es am Dienstagabend eine Infoveranstaltung der IG „Kein Schredder“ gegeben: 19 Uhr, die „Kulurscheune“ in Eichenzell ist bis zum letzten Stehplatz voll. Der Andrang der Bürger wird bereits durch die vielen parkenden Autos in den Straßen deutlich. Die große Teilnahme an der Infoveranstaltung der IG „Kein Schredder“ macht eines klar: Die Bürger von Eichenzell sind sehr interessiert. Viele hat die Bürgerversammlung vom 18. April in Rothemann noch mehr verunsichert, sie wollen mehr Fakten hören. Daher lauschen die rund 400 Gäste ganz aufmerksam den eingeladenen Experten.

Der Diplomingenieur und Umweltgutachter Peter Gebhardt von „IfU-tech“ präsentiert seine Ergebnisse zum Thema „Staub, Lärm und Meteorologie“. Der Gutachter stelle eines ganz deutlich klar: „Sowohl hinsichtlich der Lärmbelastung als auch der Belastung durch Luftschadstoffe wäre das Vorhaben im Gewerbegebiet Gemarkung Löschenrod nach dem derzeitigen Stand der Planungen nicht genehmigungsfähig.“ Gebhardt stellt eine Reihe von Fehlern in denen bei, der von der Gemeinde Eichenzell veranstaltete Bürgerversammlung vorgestellten Gutachten fest. Lärmmessungen wären mit einem relativ weichem Kalkstein durchgeführt worden, der zusätzlich noch vorgebrochen war. Weiter sei lediglich nur eine Messung von 6 Minuten und 36 Sekunden durchgeführt worden. „Man hätte mindestens von drei Seiten messen müssen“, so der Experte. Auch die Verwendung von anderen Materialien wie beispielsweise Beton hätte zu einem Gutachten gehört, so Gebhardt. Alles in allem kommt der Umweltgutachter auf rund 10 dB(A) mehr als beim Gutachten in Rothemann. „Wenn Sie 10 dB(A) mehr auf die Prognose rechnen, dann wird es schwer mit der Genehmigung“, erklärt der Experte. Auch zum Gutachten des „TÜV Hessen“ hat er eine klare Meinung: „Die Modellierung des Windfeldes weist Fehler auf.“ Auch die Lage eines beurteilungsrelevanten Punktes erscheint dem Diplomingenieur willkürlich gewählt: „Mir scheint so, als falle der Punkt vom Himmel“, zeigt sich Gebhardt fassungslos.

Diplom-Physiker Oliver Kalusch vom „Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz“ führt Aspekte des Immissionschutzes an. „Die Antragsunterlagen sind sehr übersichtlich“, so der Physiker. In der Brecheranlage habe man mit sehr ähnlichen Abfällen zu tun, daher wäre eine genaue Definition der 21 Abfallschlüssel erforderlich. „Bisher sind nur nicht gefährliche Abfälle vorgesehen, dass kann sich aber später noch ändern“, so Kalusch weiter. Der Experte führt eine Liste von Stoffen auf. Darunter auch Cadmium, welche Krebs erzeugen kann und beim Einatmen lebensgefährlich sein kann, und Quecksilber, auch bei diesem Stoff bestehte Lebensgefahr beim Einatmen.

Dr. med Robert Horodko spricht über die medizinisches Bedenken gegenüber der Brecher-Anlage am geplanten Standort. Er ist einer von 16 Ärzte aus Eichenzell, die in einem offenen Brief über die gesundheitlichen Bedenken schrieben. „Wir sind Ärzte, keine Gutachter“, stellt der Mediziner fest und fügt weiter an: „für mich steht der Mensch im Vordergrund und ich möchte mich von Grenzwerten lösen.“ Er könne nicht sagen, ob und wie sich die Brecher-Anlage auf die Anwohner auswirken wird. „Das zeigt sich erst in der Praxis“, so der seit 20 Jahren in der Gemeinde lebende Arzt. Jedoch sei der Bau der Brecher-Anlage am geplanten Standort eine Mehrbelastung. Und nicht nur der Bau allein könne die Anwohner krank machen, sondern auch die Angst, Ohnmacht und das Gefühl von Fremdbestimmung, könne sich auf die Gesundheit auswirken. „Es wurde in der Gemeinde viel diskutiert, viele Menschen wurden persönlich angegriffen, dass muss ein Ende haben. Ich fordere Respekt für alle Parteien“, appelliert Horodko an die Anwesenden.

Die drei Ortsvorsteher Gerhard Dehler (Eichenzell), Holger Breithecker (Löschenrod) und Steffen Reith (Kerzell) sind sich einig: „Wir sind gegen die Brecher-Anlage im Oberfeld. “ Reith kündigt an: „Ich werde gegen die Anlage stimmen, da ich die Meinung meiner Kerzeller vertrete.“

Harald Friedrich von der IG „Kein Schredder“ erläutert den Werdegang der „Schredder-Story“. „Bis jetzt haben wir rund 21.000 Euro für die IG ausgegeben“, so Friedrich. Er saß früher selbst in der Gemeindevertretung und hat am Anfang auch für den Standort Oberfeld gestimmt. „Das war ein Fehler, damals waren mir noch nicht alle Fakten bekannt“, erklärt er seine Entscheidung.

Auch Unternehmer Meike Weider kommt zu Wort und nutzt die Gelegenheit für Fragen an die Experten. „Ist der Standort Oberfeld nach ihrem Gutachten überhaupt genehmigungsfähig?“, fragt er den Gutachter Gebhardt. Dieser antwortet: „Klar gibt es Möglichkeiten, die mit viel Aufwand verbunden sind, aber kein vernünftiger Mensch würde das tun.“

Am Ende der Veranstaltung werden versöhnliche Töne angestimmt. „Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam für alle eine gute Lösung finden können“, so Weider. Dieser Wunsch wird mit viel Applaus und zustimmenden Nicken honoriert.

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