Vertriebene erinnern sich an das Isergebirge

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Hünfeld. Friedlandstube in Hünfeld hat eine herausgehobene Stellung in Hessen.

Hünfeld. Beim Besuch der Friedlandstube, eine Heimatstube, in Hünfeld hat die Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, den besonders guten Ruf und die herausgehobene Stellung dieser Einrichtung hervorgehoben. Sie überbrachte bei dieser Gelegenheit die Grüße des Sozial- und Integrationsministers Stefan Grüttner.

1946 seien etwa 1.900 Vertriebene aus dem Kreis Friedland / Isergebirge in den Raum Hünfeld gekommen, darunter viele Personen aus Neustadt an der Tafelfichte. Im Jahr 1955 übernahm die Stadt Hünfeld die Patenschaft für die Neustädter, seit 1962 bestehe seitens des Landkreises Hünfeld (jetzt Landkreis Fulda) eine Patenschaft für die Vertriebenen aus dem Kreis Friedland. Zahlreiche Bundestreffen der Friedländer hätten in Hünfeld stattgefunden, wobei die 1966 eröffnete Friedlandstube als Erinnerungs- und Begegnungsstätte genutzt wurde. Seit 1990 würden auch Heimattreffen in Tschechien stattfinden, insbesondere in dem Wallfahrtsort Haindorf.Die Landesbeauftragte erinnerte daran, dass bis zum Jahr 1950 in Hessen die 714.810 Vertriebenen und Flüchtlinge einen Anteil von 16,5 % an der Gesamtbevölkerung hatten. Schon bald nach der Ankunft der Vertriebenen seien Heimatstuben als Kommunikations- und Erinnerungsstätten in den Aufnahmeorten entstanden. Oftmals hätten sich Heimatstuben im Zusammenhang mit Patenschaften und Heimattreffen entwickelt.Das Hessische Sozialministerium habe im Jahr 2009 den Hessischen Museumsverband in Kassel beauftragt, die hessischen Heimatstuben und Heimatsammlungen zu dokumentieren und zu erfassen. Die Erhebungen des Museumsverbandes lägen nunmehr in Form einer DVD vor und seien bereits vom Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa im Internet unter www.bkge.de eingestellt.

In die Untersuchung sei auch die Friedlandstube in Hünfeld einbezogen. "Träger der Einrichtung ist der Heimatkreisverband Friedland e.V. in Hünfeld, der die Einrichtung auch finanziell unterhält. Ihm danke ich ebenso wie dem Landkreis Fulda, der die Betriebskosten für die Räume übernimmt. Die Exponate werden in vorbildlicher Weise betreut, sortiert, zunehmend auch digitalisiert und ermöglichen allen Besuchern einen interessanten Blick in die Nachkriegsgeschichte. Bezüglich der Zukunftsperspektive ist zwar eine vertragliche Regelung getroffen, wonach die Bestände der Friedlandstube im Falle einer Auflösung an das Isergebirgs-Museum in Neugablonz übergehen sollen, wir wollen jedoch hoffen, dass dieser Fall noch lange nicht eintritt und die Stube auch in ferner Zukunft ihren Standort in Hünfeld haben wird. Denn Hünfeld ist der Ort, an dem die Vertriebenen ein neues Zuhause gefunden haben", so Frau Ziegler-Raschdorf.Bei ihrem Amtsantritt im Jahr 2009 habe sie als Landesbeauftragte erreichen können, dass zumindest ein kleines Programm für Heimatstuben in Hessen mit einem Höchstförderbetrag von 500 € aufgelegt wurde, mit dem kleine Ankäufe und Renovierungen gefördert werden können. Auch die Friedlandstube habe davon schon profitiert."Ich danke für die Einladung zum Besuch der Friedlandstube in Hünfeld. Für die Arbeit des Heimkreisverbandes Friedland e.V. und die Arbeit der Friedlandstube sage ich Ihnen auch für die Zukunft meine Unterstützung zu. Für ihre weitere Arbeit viel Erfolg und gutes Gelingen", so die Landesbeauftragte am Ende ihrer Ausführungen.Zum Ende des Besuchsprogramms erläuterte Frau Monika Hanika, Vorsitzende des "Arbeitskreises für Geschichte und Gegenwart in Familienperspektive" die Arbeit. In diesen Seminaren würden die oft erst im Alter wieder hervorbrechenden Traumata vieler Vertriebenen unter Mithilfe von Fachleuten aufgearbeitet, womit schon vielen Betroffenen geholfen werden konnte. Die Seminare wurden in der Vergangenheit von der Landesbeauftragten unterstützt.

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