„Es geht um die Gesundheit“

Virus, Impfen und Modellprojekte: Gespräch mit Landrat Bernd Woide

 Landrat Bernd Woide
+
Landrat Bernd Woide

Der Zeitpunkt für das Gespräch mit Fuldas Landrat Bernd Woide (CDU) hätte passender nicht sein können: Wenige Stunden zuvor hatte der Landkreis mitgeteilt, dass „zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Corona-Virus“ eine neue Allgemeinverfügung erlassen werde. Darin verankert ist eine Ausgangsbeschränkung, die zunächst bis zum 18. April befristet wurde.

Fulda. Hintergrund für die erneute Allgemeinverfügung ist die Tatsache, dass im Landkreis Fulda der Inzidenzwert an drei aufeinanderfolgenden Tagen bei über 200 Neuinfektionen lag.

Landrat Woide weist bei dem Gespräch mit der „Fulda aktuell“-Redaktion freilich gleich zu Anfang darauf hin, dass der Inzidenzwert „nur ein Indikator von vielen sein kann“. Entscheidend sei, dass jeder Bürger im Falle einer Erkrankung angemessen medizinisch versorgt werden könne. „Und ich sage es ganz deutlich, ohne dramatisieren zu wollen, dass die Gefahr des Kippens besteht“, so der 58-jährige Kommunalpolitiker, der seit 2006 Landrat des Kreises Fulda ist und außerdem dem „Hessischen Landkreistag“ als Präsident vorsteht.

Und Woide erinnert daran, dass man sich aus Respekt vor der aufopferungsvollen Tätigkeit, die neben den Mitarbeitern der Gesundheitsbehörde gerade auch Mediziner und Pfleger sowohl in den drei Krankenhäusern des Kreises Fulda als auch überall im Land seit gut einem Jahr leisteten, an die so genannten „AHA-Regeln“ halten solle. Also Abstand halten, Hygiene beachten und im Alltag Maske tragen.

Viele erachteten Corona immer noch als eine „Art besserer Schnupfen“. Doch gerade in letzter Zeit verzeichne man viel komplexere und problematischere Krankheitsverläufe, immer mehr seien Jüngere betroffen.

Mit Sicherheitsabstand beim obligatorischen Foto (wäh- rend des Gespräches war dann die „FFP2“- beziehungsweise  „FFP3“-Maske auf: Landrat Bernd Woide (rechts) und „Fulda  aktuell“-Redaktionsleiter Bertram Lenz.  

Noch zu sorglos

Ein Grund dafür, dass manche Menschen immer noch zu sorglos mit dem Virus umgingen, könnte darin liegen, „dass wir nicht gelernt haben, ein Gefühl für diese Gefahr zu entwickeln“. Woide betont, dass jedem Einzelnen bewusst sein müsse, „dass es um seine Gesundheit geht“. Seiner Ansicht nach gehen geringe Teile der Bevölkerung, nicht nur im Landkreis Fulda, sondern überall im Land, noch zu sorglos mit der ganzen Thematik um.

Bereits bei Bekanntgabe der neuen Allgemeinverfügung war die Rede davon, dass sich die Infektionen in erster Linie auf den privaten Bereich zurückführen lassen. Laut Landrat trifft dies vornehmlich auf den „erweiterten Familien- und Bekanntenkreis“ zu: Das Feiern eines Kindergeburtstages mit Übernachtung müsse derzeit nun wirklich nicht sein.

Woide, der im Übrigen dem Ersten Kreisbeigeordneten und Gesundheitsdezernenten Frederik Schmitt hervorragende Arbeit bescheinigt, freut sich über die „sehr gute“ Akzeptanz des Impfzentrums in der „Waideshalle“ des „Kongress- und Kulturzentrums Esperanto“. „Kein Landrat und kein Oberbürgermeister hat gerufen, er wolle ein Impfzentrum haben“, erinnert Woide und betont, dass dies nach Aufforderung durch das Land habe geschehen müssen. Und dies sei auch im Rückblick eine gute Entscheidung gewesen.

Impfzahlen

Derzeit würden täglich rund 700 Impfungen vorgenommen, „und wir könnten noch viel mehr impfen, wenn mehr Impfstoff zur Verfügung stünde“. Aber dies solle ja im zweiten Quartal der Fall sein. Zudem dürften seit Mittwoch auch die Hausärzte impfen, „und die haben das Prä“. (Was so viel bedeutet, dass die den Vorrang besitzen). Aktuell haben bisher 16,3 Prozent der Bevölkerung des Kreises Fulda die Erstimpfung erhalten, 7,7 Prozent sind bereits mit der zweiten Impfung versorgt.

Deutschland stünde sich mitunter beim Impfen aufgrund diverser Vorgaben selbst im Weg, andere Länder seien da offener. Mit der Impfverordnung und der damit verbundenen Priorisierung von Personengruppen habe der Bund das Ziel verfolgt, besonders gefährdete Bürger zu privilegieren. Das sei angesichts des Engpasses bei der Verfügbarkeit des Impfstoffes die richtige Verfahrensweise gewesen: Nicht auf hohes Tempo sei es angekommen, sondern da-rauf, besonders gefährdete Personengruppen zu schützen. Dem Landrat zufolge ist mit der Einhaltung der Impfverordnung freilich ein erheblicher bürokratischer Aufwand verbunden. Wenn man schneller impfen möchte, müsse man die Impfverordnung verschlanken oder sogar ganz aufheben. Die Hoffnung liege auch hier beim zweiten Quartal und der Aussicht auf mehr Impfserum.

Eine klare Meinung hat Woide auch bei der Problematik „Corona-Modellprojekt“, für das ja die Städte Fulda und Hünfeld nicht vom Land ausgewählt worden waren. Er bringe für diejenigen wie für Einzelhändler und Gastronomen Verständnis auf, die für Öffnungen plädierten. Andererseits müsse man aber auch konstatieren, „dass das nicht in die Zeit passt“ und ein Widerspruch in sich sei.

„Es geht primär ja darum, dass man sehen will, was passiert in diesen Städten, wenn man öffnet. Es geht um das Vorher/Nachher und um die Frage, wer wird wann wo getestet?“ Dies alles sei eine sehr komplexe Angelegenheit und bedeute einen erheblichen bürokratischen Aufwand.

Weder Bundeskanzlerin Angela Merkel noch er könnten einen Zeitpunkt benennen, wann Corona vorbei sei. Man könne der Pandemie die Spitze nehmen, wenn eine breite Mehrheit geimpft sei, so Woide, der sich überzeugt davon zeigt, dass wir aber mit dem Virus werden leben müssen. „Und dass das Leben, so wie wir es gekannt haben, nicht mehr 1:1 so sein wird“. Dies bedeute Veränderungen im gesellschaftlichen als auch im beruflichen Kontext.

Politisches

Auf Nachfrage bewertet Woide das Ergebnis der Kommunalwahl, bei der seine Partei Federn habe lassen müsse. Dennoch sei die CDU „mit weitem Abstand“ die wichtigste Kraft. Und auch in der Frage, wer Kanzlerkandidat der Union werden solle, hat der 58-Jährige eine klare Position. Die aber benennt er außerhalb des Protokolls.

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Im Kreis Fulda: Wechselunterricht ab Montag

Aktuelle Infektionslage: Kitas öffnen wieder / Ansteckungen weiterhin vornehmlich im privaten Bereich
Im Kreis Fulda: Wechselunterricht ab Montag

B 27 Hünfeld: Kompaktasphalt spart ein Drittel Bauzeit ein

Maßnahme dauert voraussichtlich noch bis zum 22. Mai
B 27 Hünfeld: Kompaktasphalt spart ein Drittel Bauzeit ein

Im Kreis Fulda häufen sich die Krätze-Erkrankungen

2018 hat es im Kreis Fulda bislang 82 Fälle von Krätze (Skabies) gegeben / Infos von Kreisgesundheitsamt und "Robert-Koch-Institut"
Im Kreis Fulda häufen sich die Krätze-Erkrankungen

Badegäste auch aus Kreisen Fulda und Vogelsberg: Polizei sucht Zeugen nach Vorfall am Gederner See

Am Dienstagnachmittag war ein dreijähriges Mädchen erfolgreich wiederbelebt worden
Badegäste auch aus Kreisen Fulda und Vogelsberg: Polizei sucht Zeugen nach Vorfall am Gederner See

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.