Visionär weit über die Region hinaus

Der renommierte Fuldaer Komponist Michael Quell (rechts) im Gespräch mit „Fulda aktuell“-Redaktionsleiter Bertram Lenz. 
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Der renommierte Fuldaer Komponist Michael Quell (rechts) im Gespräch mit „Fulda aktuell“-Redaktionsleiter Bertram Lenz. 

Ein Gespräch mit dem renommierten Fuldaer Komponisten und Dozenten am musikwissenschaftlichen Institut der „Goethe-Universität Frankfurt“, Michael Quell, dreht sich nicht nur um den Zauber moderner Klangwelten oder um die visionäre Schaffenskraft des 61-Jährigen. Sondern immer auch um Naturwissenschaften, Literatur, Politik, Glaube und um den Zustand der Gesellschaft. Kurz, um es mit Goethes „Faust“ zu sagen: „Den Zustand, der die Welt im Innersten zusammenhält“.

Fulda Fakt ist, dass Quell, gebürtig aus Fulda, derzeit neben Franz-Erhard Walther wohl der einzige Kunstschaffende aus der Barockstadt ist, der durch sein Wirken eine sehr breite Popularität erlangt hat, die weit über die Grenzen der osthessischen Region hinausgeht. Dabei hegt der zweifache Familienvater durchaus heimatliche Gefühle zu Fulda, wo mitunter sogar seine Stücke gespielt werden. So wie vor Kurzem in der „Aula der Alten Universität“, als das sehr renommierte Ensemble „der/gelbe/klang“ sechs Werke aus der jüngsten Schaffensphase Quells darbot. Realisiert mit Unterstützung der Stadt, wofür der Komponist während des Gespräches besonders Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld dankt. Aber auch das städtische Kulturamt solle lobend erwähnt werden. Als Beispiel dafür, dass das konservativ geltende Fulda einen sehr liberalen Kern habe, erinnert Quell an die frühen 1990er-Jahre, als im Zusammenhang mit der von ihm initiierten Konzertreihe Rolf Riehms berühmtes „Notturno für die trauerlos Sterbenden“ gespielt werden sollte. Er habe Zweifel gehabt, ob es nicht zu gewagt sei, das Stück, komponiert als Reaktion auf die damaligen Selbstmorde der „RAF“-Terroristen, darbieten zu können. Dabei sei dies ein Problem gewesen, das wohl nur ihm als Problem erschienen sei – nicht aber den Verantwortlichen beim Kulturamt.

Um nochmals auf das Konzert in der Universitäts-Aula zurück zu kommen: Quell schwärmt noch immer von der großen Begeisterung, die seitens der Zuhörer spürbar gewesen sei. „Sehr gefreut hat mich auch, dass die Gespräche nach dem Konzert nicht oberflächlicher Natur gewesen sind, sondern richtig in die Tiefe gingen“.

Das Ansinnen des 61-Jährigen ist es, die Hörer seiner Musik sowohl zu fordern als auch herauszufordern. Banales ist seine Sache nicht, er will die Menschen dazu bewegen, sich mit den Klängen auseinander zu setzen. Aus diesem Grunde sind seine Kompositionen auch „Stücke, die sehr philosophisch und voller geistiger Tiefe sind“ und ein Gesamtkonzept bilden. Darin verankert sind naturwissenschaftliche und mathematische Themen, aber auch theologische Aspekte.

Aporopos Naturwissenschaften: „Ich war völlig in Chemie vernarrt“, bekennt Quell, den schon immer interessiert hat, „was jenseits der sichtbaren Welt liegt“. Ein Sich-Öffnen sei bei ihm als Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums aber erst ab der 7./8. Klasse erfolgt, was unter anderem solchen Pädagogen wie Werner Lüth oder Walter Heller zu verdanken sei.

Nach freiberuflichem Wirken in Frankfurt zog es Quell – auch seiner Frau und der beiden Kinder zuliebe – in die fuldische Heimat, was er anfangs nur als „Intermezzo“ verstanden haben wollte. Sowohl in der Arbeit mit Schülerinnen als auch mit den Studierenden am musikwissenschaftlichen Institut der „Goethe-Universität“ verfolgt Quell folgendes Ziel: „Den jungen Menschen dabei helfen, ihren Horizont zu erweitern“. Dazu gehöre, sie mit „allen Codes“ aus der Kulturgeschichte vertraut zu machen – also mit Literatur, Theater sowie der Darstellenden und Bildenden Kunst.

Für sehr gefährlich erachtet er übrigens eine Entwicklung, wenn Politiker versuchten, Inhalte der Kunst zu beeinflussen, „um diese etwa an die üblichen politischen Mainstream-Bewegungen binden zu wollen“. Dies sei, so Quell, ein Schritt weg von einer funktionierenden Demokratie und hin zur Indoktrination.

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