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Vogelsberg als Herzensangelegenheit: Gespräch mit Dr. Jens Mischak

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Von: Bertram Lenz

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Ein intensiv geführtes Gespräch des Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Jens Mischak (links) mit FULDA AKTUELL-Redaktionsleiter Bertram Lenz.  
Ein intensiv geführtes Gespräch des Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Jens Mischak (links) mit FULDA AKTUELL-Redaktionsleiter Bertram Lenz.   © Galle-Schäfer/Vogelsbergkreis

Seit sechs Jahren bildet Dr. Jens Mischak (CDU) als Erster Kreisbeigeordneter im Vogelsberg gemeinsam mit SPD-Landrat Manfred Görig die Verwaltungsspitze. Nun kann der 43-Jährige mit einem deutlichen Vertrauensbeweis Anfang Juli in seine zweite Amtszeit starten: Bei der jüngsten Kreistagssitzung sprachen sich 46 Anwesende für ihn aus, elf stimmten mit Nein, einer enthielt sich. Amtseinführung und Verpflichtung sollen im Mai erfolgen.

Lauterbach „Ich habe Lust auf die nächsten sechs Jahre“, hatte Mischak in seiner kurzen Dankesrede formuliert. Bei einem Gespräch mit FULDA AKTUELL zieht er am Dienstagnachmittag eine Bilanz der ersten sechs Jahre und gibt auch einen Ausblick auf das, was er noch realisieren möchte. Als Leiter des „Dezernats II“ verantwortet der promovierte Jurist, der zuletzt als Richter am Landgericht Fulda tätig war, sieben Ämter: Gesundheit, Bauen und Umwelt, Wirtschaft und ländlicher Raum, Finanzen und Kassenwesen, Volkshochschule, Jugend und das Rechtsamt. Kurz: Es ist ein breites Spektrum, das der Kreisvorsitzende der CDU im Vogelsberg bearbeitet. Und der gleich zu Beginn davon spricht, wie viel Freude ihm seine Arbeit für die Bürgerinnen und Bürger im Vogelsberg bereitet und wie wohl er sich in seinem Amt fühlt. Man spürt, dass die Region und ihre Belange für den gebürtigen Lauterbacher eine Herzensangelegenheit sind.

„Wenn ich ehrlich bin, habe ich im Vorfeld nicht mit einem solch klaren Votum von gut 75 Prozent gerechnet. Schließlich habe ich ja Zuspruch über die Koalition von CDU und SPD hinaus erhalten. Das hat mich überrascht und sehr gefreut“, so Mischak. „Es mag an meiner Politik der offenen Haltung und des Respekts vor der Meinung anderer liegen“. Überhaupt schätzt der 43-Jährige die „relativ vernünftige und sachliche Debattenkultur“, die es im Kreistag gebe sowie das „relativ gute Miteinander“, bei dem stets die Sache im Vordergrund stehe. Dass es früher freilich auch anders zugegangen sein muss, macht sein Hinweis „Da müssen Sie mal die alten Recken wie Ulrich Künz und Hans Heuser fragen“ deutlich. Er selbst gehört dem Parlament seit 2006 an.

Bittet man den 43-Jährigen, eine Bilanz seiner ersten sechs Jahre als Erster Kreisbeigeordneter und als „Zweiter Mann“ hinter Landrat Görig zu ziehen, dann fällt unweigerlich das Stichwort „Corona“ als wohl (bislang) markantestes Ereignis. Bislang deshalb, weil die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine noch gar nicht abzuschätzen sind. Seit einigen Tagen ist in der Alsfelder Hessenhalle eine Notunterkunft für Flüchtlinge eingerichtet, die Hilfsbereitschaft seitens der Bevölkerung sehr groß. Man müsse abwarten, wie sich der Krieg mit all seinen Folgen weiter entwickle.

Stichwort Corona: Mischak erinnert an den ersten im Vogelsberg bekannt gewordenen Coronafall vor fast genau zwei Jahren und an den Lockdown mit all‘ seinen Nachwirkungen auf die mittelständische Wirtschaft, Gastronomie und Hotellerie, aber auch an die Maskenpflicht, an die geschlossenen Schulen und Kindergärten, an Homeoffice-Regelungen und an das veränderte Freizeitverhalten. „Unser gesellschaftliches Zusammenleben hat sich verändert“, konstatiert er und erläutert, was das Virus auch mit ihm als Kommunalpolitker gemacht habe: „Politik lebt von der Kommunikation, von den Begegnungen mit den Menschen. Das wurde für längere Zeit in den digitalen Raum verlagert, wie überhaupt das private und berufliche Leben immer mehr miteinander verwoben worden ist“. Auch an den Wochenenden sei es vielfach nicht möglich (gewesen), einfach einmal abzuschalten, „weil die Halbwertszeit von Regeln sehr gering gewesen ist. Eine Stetigkeit war nicht gegeben, die Lage hat sich sehr schnell verändert“.

Begehrte Region

Gleichwohl habe Corona auch positive Effekte: Man habe gelernt, Zeit effektiver zu nutzen, „und viele habe erkannt, dass das Leben in ländlich geprägten Regionen wie dem Vogelsberg viele Vorteile haben kann“. Dies merke man an den Zahlen derjenigen, die es zum Wohnen in den Kreis ziehe, und an den Baugenehmigungen, die so hoch seien wie noch nie. Der Immobilienmarkt verzeichne eine sehr hohe Nachfrage „und anziehende Preise“. Hinzu kämen die Natur und gute Freizeitmöglichkeiten. Mischak: „Der Blick auf den ländlichen Raum ist durch das Virus geschärft worden“.

An Herausforderungen, die auf ihn in den kommenden sechs Jahren warten, nennt er neben der Breitbandversorgung und den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) besonders die Ärztliche Versorgung. Sei die Schließung der Geburtenstation am Kreiskrankenhaus Alsfeld gleich zu Beginn seines Wirkens 2016 sehr schmerzhaft gewesen, plane man mit dem Neubau des Kreiskrankenhauses Alsfeld eine sehr große Investition in Höhe von rund 65 Millionen Euro.

Bei der Ärztlichen Versorgung verweist er auf die seit 2016 laufenden Bemühungen, Medizinernachwuchs per Stipendium in den Vogelsberg zu locken, sowie auf das vom Landkreis gemeinsam mit den Gemeinden Grebenhain und Freiensteinau im Juni 2020 initiierte „Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Vogelsberg“, in dem vier Ärzte angestellt sind. „Einen fünften könnten wir brauchen“, so Mischak. Das „MVZ Vogelsberg“ ist das erste interkommunale „MVZ“ Hessens. Ziel ist, eine wohnortnahe hausärztliche Versorgung im Südosten des Vogelsbergkreises zu gewährleisten. Weitere Herausforderungen sieht Mischak für die kommenden Jahre bezüglich Apothekern und Hebammen auf die politisch Verantwortlichen zukommen.

Bliebe noch die Frage nach der Zusammenarbeit mit Landrat Görig, der ja der SPD angehört: „Das spielt bei der Arbeitsteilung keine Rolle“ so Mischak, der sich täglich mit dem Chef der Kreisverwaltung abstimmt und von einem sehr engen und guten Austausch spricht.

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