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„Vogelsberger Einhaus“ ist Bauernhaus des Jahres 2022 

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Beispiel für ein „Vogelsberger Einhaus“: Gebäude im Lautertaler Ortsteil Dirlammen
Beispiel für ein „Vogelsberger Einhaus“: Gebäude im Lautertaler Ortsteil Dirlammen © Ruhl

2022 ernennt die „Interessengemeinschaft Bauernhaus“ (IgB) das „Vogelsberger Einhaus“ zum Bauernhaus des Jahres. Einhäuser prägen die historischen Ortskerne im nordöstlich von Frankfurt am Main gelegenen Vogelsberg, der als größtes zusammenhängendes Vulkangebiet Mitteleuropas gilt.

Vogelsbergkreis In der Regel vereinen Einhäuser Wohnstube, Küche, Stall und Scheune unter einem Dach – mit durchlaufendem First. Den Haustyp gibt es auch in anderen Gegenden. Das Besondere am Vogelsberger Einhaus: Es ist fest mit seinen geologischen und klimatischen Voraussetzungen verwurzelt.

Im Vogelsberg sind die Einhäuser auf relativ kleiner Fläche gebaut, was mit dem Untergrund – dem Vulkangestein – zusammenhängt sowie mit dem rauen Klima und den sozialen Bedingungen einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft. Natursteinsockel aus vulkanischem Gestein, und manchmal aus Sandstein, sind das charakteristische Element der Vogelsberger Einhäuser. Ihre Sockelzonen unterscheiden sich von Dorf zu Dorf, weil sie jeweils aus dem Stein entstanden sind, der vor Ort vorhanden ist. Genauso variieren auch die Fachwerkkonstruktionen sowie die hölzernen Verschalungen aus Schindeln oder Wettbrettern.

Mit dem Vogelsberger Einhaus als Bauernhaus des Jahres 2022 will die „Interessengemeinschaft Bauernhaus“ den Blick für diese Details schärfen. Gerade sie tragen zum baukulturellen Wert des regionalen Architekturtyps bei. 2022 wird also das Vogelsberger Einhaus in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gebracht. Besonders engagieren sich dabei die Vereinsmitglieder der Region, die mit dem Architekten J. Michael Ruhl von der IgB-Kontaktstelle Herbstein für die Anliegen der IgB aktiv und bei Fragen zur Instandsetzung alter Häuser ansprechbar sind (ks_herbstein@igbauernhaus.de).

Mit dem Bauernhaus des Jahres macht die „Interessengemeinschaft Bauernhaus“ auf den Wert regionaltypischer Architektur aufmerksam: Historische Gebäude werden zurzeit in besorgniserregender Zahl umgebaut und abgerissen. Gerade die ländliche Baukultur steht auf dem Spiel. Beim Vogelsberger Einhaus sind in der Zukunft weiter kluge Konzepte für schonende Instandsetzungen und nachhaltige Nutzungen gefragt.

Etwa die Hälfte der Gebäude ist mittlerweile überformt. Ställe und Scheunen wurden oft massiv ausgebaut, häufig kamen Erker oder andere Anbauten hinzu, Dächer und Fassaden wurden verändert. Viele Natursteinsockel sind heute verputzt oder verklinkert. Um 1900 gab es im Vogelsberg rund 8.000 Einhäuser. Ein wesentlicher Teil des Architekturerbes ging nach 1955 verloren, als die Modernisierungswelle auch den Vogelsberg erfasste. Inzwischen dürften noch bis zu 6.000 Einhäuser in ihren Grundstrukturen erhalten sein.


Die feierliche Würdigung des Einhauses als Bauernhaus des Jahres 2022 ist für den 24. April 2022 in Hopfmannsfeld geplant. Die Festreden halten die hessische Landeskonservatorin Dr. Verena Jakobi sowie Prof. em. Dr. Karl-August Helfenbein, Experte für die Kulturgeschichte der Region. Eine Regionalausgabe der Vereinszeitschrift „Der Holznagel“ zum Vogelsberg und dem Einhaus erscheint Ende Februar. www.igbauernhaus.de

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