Vielschichtige Maßnahmen gegen Nachwuchssorgen auch bei Vogelsberger Feuerwehren

Dr. Sven Holland

"Fulda aktuell"-Gespräch mit Kreisbrandinspektor Dr. Sven Holland / "Ehrenamt lebt von Begeisterung der Menschen für eine Sache" 

Vogelsbergkreis - Zehn Minuten nach der Alarmierung müssen Feuerwehren bei einem Brand am Einsatzort eintreffen. In Städten und Gemeinden mit weniger als 100.000 Einwohnern ist dafür die Freiwillige Feuerwehr zuständig. Das Problem: In vielen (ländlichen) Regionen fehlt der Nachwuchs. Nicht so im Landkreis Fulda, wo man dem Hessentrend trotz. Dies hatte Kreisbrandinspektor Adrian Vogler während eines Gespräches mit unserer Redaktion betont („Fulda aktuell“ vom 6. Januar).

Diesmal äußert sich zu dieser Problematik Dr. Sven Holland, der Kreisbrandinspektor des benachbarten Vogelsbergkreises. Der 40-jährige studierte Chemiker trat zum Beginn 2014 die Nachfolge von Werner Rinke an, der 31 Jahre lang in Feuerwehr-Führungspositionen aktiv gewesen war. Holland selbst war vor seiner Berufung zum Kreisbrandinspektor als Leiter der Werksfeuerwehr von „Heräus“ in Hanau tätig gewesen.

Fulda aktuell: Teilen Sie die Einschätzung von Feuerwehr-Verantwortlichen aus anderen Regionen, die von existentiellen Nachwuchssorgen bei Freiwilligen Feuerwehren sprechen?

Holland:  Der Nachwuchsgewinnung kommt hohe Bedeutung für die Freiwilligen Feuerwehren zu. Die Zahl der Einsatzkräfte ist vielerorts rückläufig durch Wandel in unserer Gesellschaft, insbesondere Demografie. In kleineren Ortsteilfeuerwehren kann dies zu einem Personalengpass führen, der so weit gehen kann, dass diese Feuerwehr nicht mehr als einsatzbereit angesehen werden kann. Von daher handelt es sich um ein wichtiges Thema bezüglich der Zukunftssicherheit.

FA:  Haben sich in jüngster Vergangenheit Feuerwehren in Ihrem Zuständigkeitsbereich aufgelöst beziehungsweise droht möglicherweise ein solcher Schritt?

Holland: Nein

FA: Mit welchen Maßnahmen könnte man Ihrer Ansicht nach einem Rückgang der Mitgliedszahlen begegnen? Hängen diese auch mit der Abschaffung der Wehrpflicht vor gut fünf Jahren zusammen?

Holland: Derzeit wird bereits einiges getan: Anerkennungsprämien und Ehrungen des Landes für aktive Dienstzeit in der Feuerwehr und seit kurzem auch im Katastrophenschutz, dazu Werbekampagnen und Workshops zur Nachwuchsgewinnung. Die aktuelle Werbekampagne der hessischen Jugendfeuerwehr wird verlängert und unter Einbeziehung der neuen Medien weiterentwickelt. Kinderfeuerwehren werden vielerorts gegründet, um bereits ab dem sechsten Lebensjahr Begeisterung für die Feuerwehr zu schaffen. Feuerwehrleute gehen in Kindergärten und Schulen zur Brandschutzerziehung, um das Thema zu vermitteln, um Präsenz zu zeigen und außerdem Berührungsängste zu verringern. Die Maßnahmen sind vielschichtig angelegt, um auf möglichst vielen Ebenen Personen zu erreichen beziehungsweise um zugleich eine entsprechende Bedeutsamkeit für das Ehrenamt zu vermitteln. Die Abschaffung der Wehrpflicht hat wahrscheinlich auch einen Beitrag zum Mitgliederrückgang geleistet.

FA:  Was halten Sie davon, dass sich kleinere Freiwillige Feuerwehren zu so genannten Zweckgemeinschaften zusammenschließen und so Synergien nutzen?

Holland: Das ist ein Weg der durchaus Sinn machen kann. Jedoch ist dies immer im Einzelfall zu betrachten und funktioniert in der Regel auch nur dann, wenn diese Maßnahme auch aktiv von den Einsatzkräften gewollt und mitgetragen wird.

FA:  Gibt es auch im Vogelsbergkreis Beispiele dafür, dass Flüchtlinge in die Feuerwehren eintreten?

Holland: Dazu liegen mir keine genaueren Erkenntnisse vor. In einem Fall wurde mir davon berichtet, dass Flüchtlinge Übungen beigewohnt haben oder sich sogar beteiligt haben, dann aber durch Umzug nicht mehr teilnehmen konnten.

FA: Wie könnte Ihrer Ansicht nach generell der Stellenwert des Ehrenamtes in der Öffentlichkeit verbessert werden?

Holland: Ehrenamt lebt von Begeisterung von Menschen für eine Sache und von der Attraktivität der Sache als solches. Unterstützend können Anreize sein, wie sie unter Punkt 3 beschrieben sind sowie eine positive, anerkennende Grundeinstellung und Darstellung in der Öffentlichkeit.

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