Problematik "Vogelschutz und Landwirtschaft" im Landkreis Fulda  

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Ein 180 Meter langer öffentlicher Feldweg, der vormals Brutplätze für Rebhuhn und Feldlerche bot, wird bis auf die ersten 40 Meter seit über 15 Jahren ackerbaulich genutzt. Heute steht hier ein großes Maisfeld.
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Im Frühjahr dieses Jahres auf rund 100 Metern Länge umgepflügte Wegbankette.
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Der zur Entwidmung anstehende Feldweg wird schon seit vielen Jahren ackerbaulich genutzt und ist im Gelände gar nicht mehr zu erkennen.

Stellungnahme von Lothar Herzig, Kreisbeauftragter der Vogelschutzwarte Hessen

Fulda - Zu der Problematik "Vogelschutz und Landwirtschaft im Kreis Fulda" hat Lothar Herzig Stellung genommen. Er ist Kreisbeauftragter der Vogelschutzwarte Hessen.

Herzig schreibt: "Die diesjährigen Brutvogelerfassungen im Kreis Fulda bestätigen einmal mehr dass sich die Folgen der bundesnaturschutzrechtlichen Sonderstellung der Landwirtschaft als „ordnungsgemäß“ für die Diversität der Lebensräume in der Agrarlandschaft allgemein und für die Vogelwelt im Besonderen zunehmend desaströs auswirken. Besonders prekär ist die aktuelle Situation der typischen Grünlandbewohner: Im Stadtbereich Fuldas beispielsweise erloschen durch die konventionelle Landwirtschaft in den vergangenen Jahren die Brutvorkommen von Kiebitz, Braunkehlchen, Heidelerche und Grauammer. Rebhuhn, Goldammer und Feldlerche nehmen kontinuierlich ab".

Diese Entwicklungen zeigten sich auch im nationalen Bericht zur EU-Vogelschutzrichtlinie, der die intensive Landnutzung als wichtigste Beeinträchtigung von Agrarlandarten mit einem seit 1999 stetig sinkenden Nachhaltigkeitsindex benenne. Auch europaweit bestätige sich das Fortbestehen negativer Bestandstrends bei häufigen Arten der Agrarlandschaft. Neueste Wirksamkeitsstudien für Vertragsnaturschutzmaßnahmen an Feldvögeln forderten bei fortgesetzter konventioneller Bewirtschaftung ein Netz von zehn Prozent  der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Zeitlich begrenzte Blühstreifen auf der Flächenhälfte reichten zu einer Trendumkehr nicht aus.

Herzig weiter: "Sorge bereitet Vogelschützern besonders der Umgang von landwirtschaftlichen Großbetrieben mit öffentlichen Wegeparzellen. So wurden in den vergangenen Jahren zunehmend öffentliche Feldwege sowie deren geschützte Ränder und Raine, auf die Braunkehlchen und Feldlerchen als Brutplatz angewiesen sind, umgepflügt oder auf andere Weise genutzt. Statt zur Wiederherstellung solcher Biotopstrukturen riet der Hessische Bauernverband sogar noch im vergangenen Jahr seinen Mitgliedern zu einem Umbruch von Feldwegen mit der Möglichkeit, hierdurch EU-Agrarsubventionen erhalten zu können. "

Grundsätzlich überdacht werden sollte die in letzter Zeit praktizierte nachträgliche und ersatzlose Einziehung und Entwidmung öffentlicher Feldwegeparzellen. Hierdurch würde der Landklau nachträglich legalisiert. Diese Grundstückspolitik diene ausschließlich der großflächig betriebenen Landwirtschaft und benachteilige die Kommunen hinsichtlich ihrer strukturellen Möglichkeiten auf eigenen Flächen für den gesetzlich geforderten Biotopverbund zu sorgen.

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