Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz

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Fulda. In der vergangenen Woche fand die Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz statt.

Fulda.  In der vergangengen Woche fand in Fulda die Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz unter Leitung des Vorsitzenden Kardinal Reinhard Marx statt. An ihr nahmen insgesamt 66 katholische Würdenträger teil.

In einem ersten Pressestatement im Auditorium der Theologischen Fakultät in Fulda erläuterte Marx die Themen der kommenden Tage. Als eines der Hauptthemen führte er dabei die Situation der Christen im Irak an. "Wir wollen unsere Solidarität zu den dort lebenden Christen unterstreichen. Natürlich ist auch die Situation in Syrien, im Besonderen die der Flüchtlinge, von großem Interesse.”Hierzu sellte Bambergs Erzbischof Dr. Ludwig Schick einen Bericht vor,  der die Rolle der Kirche besonders in der humanitären Hilfe sieht. "Die Vollversammlung hat deshalb beschlossen, eine Sonderkollekte in allen deutschen Bistümern am 11. und 12. Oktober durchzuführen. Dieses Instrument hat sich in der Vergangenheit gut bewährt.”

Im Mittelpunkt der Konferenz stand zudem der Studientag "Gemeinsam Kirche sein. Das Zueinander der Dienste und Charismen im priesterlichen Gottesvolk”. Außerdem stand die aktuelle Debatte über die Sterbehilfe und natürlich die Kirchenstatistik 2013 auf dem Themenplan. "Wir können nicht jedes Jahr nur die Statistik bejammern”, erklärte Marx im Hinblick auf die erheblichen Kirchenaustritte im letzten Jahr. "Die Austritte sind Teil von gesellschaftlichen Umbrüchen, die wir nicht einfach wieder umkehren können. Die Kirche ist dabei auch nicht der Kern, sondern ein Teil der Umbrüche. Es gilt daher, gute Arbeit dort zu leisten, wo Kirche für die Menschen erlebbar ist.”

Kardinal Karl Lehmann unterstrich nochmals die Haltung der Kirche in Hinblick auf die Sterbehilfe. "Aus Sorge um den Menschen setzen sich Christen dafür ein, dass das Leben eines jeden Menschen – gerade auch in der Nähe des Todes – bis zuletzt geschützt wird.”  Zu diesem Thema stellte Lehmann einen Flyer der Bischofskonferenz vor, der die Haltung der katholischen Kirche zu diesem Thema deutlich darlegt.  auf der Abschlusspressekonferenz am Freitag sprach Marx die Finanzen der Kirche und den Wunsch der Gläubigen nach mehr Transparenz an. "Die Forderung nach mehr Transparenz ist richtig und die Kirche ist dazu auch bereit. Allerdings sind die Strukturen komplex, die Kirche ist ja keine Wurstfabrik.”

Ebenfalls thematisiert wurde der Umgang der Kirche mit Geschiedenen und Frauen. Hier gab Marx an, dass ein Wille zum Vorankommen hinsichtlich einer Verstärkung von Frauen in Führungspositionen, die nichts mit dem Priesteramt zu tun haben, durchaus gegeben sei.

Der Umgang mit Geschiedenen sei zudem noch zu diskutieren. "Für die Kirche gilt das Ja-Wort. Und es kann auch nicht zurückgenommen werden. Allerdings kann es ein Scheitern geben. Es stellt sich dann die Frage, wie man mit diesem Scheitern umgeht”.

Aktuelle Pressemitteilungen der Bischofskonferenz: Statement von Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, im Pressegespräch zu "Die Situation der Christen im Irak":Das  Thema,  das  uns  heute  zusammengeführt  hat,  ist  von  denkbar  großer Dramatik. Wir sprechen über die Lage der Christen im Irak. Nach der von den Vereinigten  Staaten  angeführten  Invasion  des  Landes  im  Jahre  2003  hat  dasChristentum  dort  einen  zahlenmäßig  enormen  Aderlass  hinnehmen  müssen. Der  zwischenzeitliche  Kollaps  der  staatlichen  Ordnung,  das  Aufblühen  des islamistischen  Terrorismus  und  die  blutigen  Auseinandersetzungen  zwischen Sunniten und Schiiten ab 2006 haben dazu geführt, dass von vormals mehr alseiner Million Christen noch etwa 300.000 im Land geblieben sind. Viele sind nach  Europa  und  in  die  USA  ausgewandert,  andere  hat  ihr  Weg  in  sichere arabische  Nachbarländer  geführt.  Diese  Geschichte  des  Niedergangs  des irakischen  Christentums,  das  in  dieser  Region  seit  fast  zwei  Jahrtausendenbeheimatet  ist,  droht  sich  nun  in  diesen  Monaten  fortzusetzen.  Am  Horizont steht  die  düstere  Möglichkeit  von  Vertreibung  und  Flucht  aller  Christen  aus dem mesopotamischen Raum.Sie alle wissen: Die Terrormiliz ISIS, die sich neuerdings "Islamischer Staat" nennt, hat rund ein Drittel des Staatsgebiets von Syrien und des Irak unter ihre Kontrolle  gebracht  und  dort  ein  "Kalifat"  ausgerufen,  das  seinem  Anspruchnach  auch  Jordanien,  den  Libanon,  Israel  und  Palästina  umfasst.  Bei  dem Feldzug  der  vergangenen Monate  hat  ISIS  eine  archaisch  anmutende  Gewalt an  den  Tag  gelegt,  die  sich  jedoch  mehr  und  mehr  als  Teil  einer  kühldurchkalkulierten     Strategie     entpuppt. Westliche  Journalisten  und Entwicklungshelfer  werden  enthauptet.  Die  Minderheiten  der  Christen  und Jesiden  sehen  sich  vor  die  Alternative  gestellt,  zum  Islam  zu  konvertieren,Schutzgeld  zu  bezahlen  oder  den  Tod  hinzunehmen.  Massaker  an  allen missliebigen Gruppen, auch den Schiiten, sind an der Tagesordnung. Das mit  solchen Maßnahmen verfolgte Ziel eines religiös homogenen sunnitisch-fundamentalistischen Staates  erzeugt  eine  hohe  Anziehungskraft  auf  religiöse  Extremisten  in  den  arabischen  undauch  in  den  westlichen  Ländern.  Der  internationale  Zulauf  zu  den  Dschihadisten  ist beachtlich. Man darf hier durchaus von einer Attraktivität des Bösen sprechen.In   der   westlichen   Welt,   aber   auch   in   den   arabischen   Staaten   hat   man   –   aller geheimdienstlichen  Expertise  zum  Trotz  –  den  heraufziehenden  Sturm  nicht  erkannt. Inzwischen  aber  ist  vielerorts  eine  Entschlossenheit  herangewachsen,  dem  Vormarsch  von ISIS entgegenzutreten. Auch Deutschland beteiligt sich durch die Bereitstellung von Waffen und Material an die kurdischen Sicherheitskräfte an der Abwehr der terroristischen Milizen.Für  die  Kirche  ändert  dies  nichts  an  der  grundlegenden  Überzeugung,  dass  der  Frieden  im Allgemeinen und auch der Frieden im Mittleren Osten nicht das Ergebnis eines Waffengangs sein kann. Nur wenn es im Irak und in Syrien gelingt, erträgliche Lebensverhältnisse für alle Menschen   zu   schaffen,   wenn   die   Systeme   der   allgemeinen   Unterdrückung   und   der Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsgruppen überwunden werden, können Fanatismus und diewachsende Neigung zur Gewalt besiegt und friedliche Gemeinwesen aufgebaut werden. Diese Einsicht entbindet jedoch nicht von der Pflicht zum Widerstand gegen die entfesselte Gewalt, die ganze Staaten zu vernichten droht und menschliches Leiden unbeschreiblichen Ausmaßes hervorbringt. In den Beratungen der Vollversammlung ist deshalb auch heute wieder deutlich zum  Ausdruck  gebracht  worden,  dass  die  deutschen  Bischöfe  die  Bekämpfung  der  ISIS- Milizen  für  zwingend  geboten  halten.  Der  begrenzte  Einsatz  von  Gewalt  erscheint  uns  in diesem  Falle  vertretbar  und  auch  geboten,  solange  eine  andere  plausible  Strategie  nicht erkennbar  ist.  Der  Angreifer  muss  aufgehalten  werden,  wie  auch  Papst  Franziskus  zum Ausdruck  gebracht  hat.  Auch  die  irakischen  Bischöfe  ermahnen  die  Staaten  an  ihre  Pflicht, den Untaten ein Ende zu setzen. Die militärischen und die nicht-militärischen Maßnahmen derStaatengemeinschaft  müssen  sich  dabei  in  den  kommenden  Monaten  vor  allem  an  den Belangen  der  Flüchtlinge  orientieren,  die  den  bevorstehenden  unwirtlichen  Winter  zu überstehen haben. Besondere Unterstützung verdienen die Kurden, die nicht nur den Kampf mit   den   ISIS-Milizen   aufgenommen,   sondern   gegenüber   den   vertriebenen   religiösen Minderheiten auch große Gastfreundschaft an den Tag gelegt haben.Die humanitäre Hilfe für die Flüchtlinge ist ein Gebot der Stunde, dem sich besonders auch die Kirche verpflichtet weiß. Der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Prälat Dr. Peter Neher, hat der Vollversammlung heute einen Bericht über die Hilfsmaßnahmen gegeben, die Caritas international und auch die anderen kirchlichen Werke schon seit Jahren im Mittleren Osten leisten – in Syrien und im  Irak, aber auch in Jordanien und im Libanon, wohin vieleMenschen aus den Krisenstaaten geflohen sind. Ich selbst konnte mich im April dieses Jahres bei einem Besuch in den Flüchtlingscamps im Libanon von der Arbeit der deutschen Caritas und ihrer Partner vor Ort überzeugen. Hier wird Menschen in ihrer elenden Lebenssituation Hoffnung  gegeben  und  für  das  Überlebenswichtige  gesorgt.  Viele  Spenden  haben  dies ermöglicht    und    in    großem    Maße    auch    die    finanzielle    Unterstützung    durch    dieBundesregierung.  All  das  dürfen  wir  mit  Dankbarkeit  feststellen.  Und  zugleich  wissen  wir, dass  in  der  augenblicklichen  Lage  noch  sehr  viel  mehr  erforderlich  ist.  Die  deutschen Bischöfe  bitten  deshalb  die  Bundesregierung,  in  ihrer  Unterstützung  der  Flüchtlinge  nicht nachzulassen.  Aber  wir  wollen  auch  den  kirchlichen  Beitrag  substanziell  vergrößern.  Die Vollversammlung  hat  deshalb  heute  Morgen  beschlossen,  eine  Sonderkollekte  in  allen deutschen Bistümern am 11./12. Oktober 2014 durchzuführen. Dieses Instrument hat sich in der    Vergangenheit    –    etwa    beim    südostasiatischen    Tsunami    2004    und    bei    der Erdbebenkatastrophe in Haiti 2010 – gut bewährt. Wir wissen um die große Hilfsbereitschaft unserer  Gemeinden  und  hoffen  deshalb  auf  die  Großzügigkeit  der  Gläubigen  auch  bei  der Sonderkollekte für die Flüchtlinge im Mittleren Osten.

Statement von Erzbischof Emil Shimoun Nona, chaldäisch-katholische Erzeparchie Mossul im Irak, im Pressegespräch zu "Die Situation der Christen im Irak". Bericht über die aktuelle Situation der christlich-irakischen Flüchtlinge in der Provinz Kurdistan Aktuelle Situation der Flüchtlinge

Seit dem 9. Juni 2014 flüchteten mehr als 120.000 Christen aus ihrer Heimat. Sie  verloren  ihren  Besitz,  ihre  Arbeit  und  ihre  Heimat  aufgrund  des  dort herrschenden  Terrors  durch  die  Gruppe  IS  in  Mossul  und  die  Gebiete  um Nineve.  Die  Christen  flüchteten  in  die  Kirchen  der  Städte  und  Dörfer Kurdistans.  Heute  sind  alle  Gotteshäuser  dort  mit  tausenden  von  Menschen überfüllt, ebenso wie Hallen, Parks, christliche Schulen und Rohbauten.Auch die vielen christlichen Dörfer mit ursprünglich wenig Einwohnern im kurdisch verwalteten Nordirak sind heute mit Christen überfüllt.

Wie ging die Kirche mit dieser Notlage um?

1.  Sie  gründete  zu  Beginn  der  Flüchtlingswelle  ein  Bischofskomitee.  DasKomitee  besteht  aus  vier katholischen  und  nichtkatholischen  Bischöfen. IhreAufgaben   bestehen   darin,   die   Arbeit   und   das   Krisenmanagement   zukoordinieren    und    die    Situation    der    Flüchtlinge    zu    kommunizieren.Regelmäßig  finden  Versammlungen  statt,  in  denen  das  weitere  Vorgehenfestgelegt wird.

2. Es wurden weitere Ausschüsse aus Priestern, Nonnen und Laien geschaffen.Diese Ausschüsse beschäftigen sich mit der Unterbringung der Flüchtlinge undsind  ständig  in  den  größeren  Unterkünften  präsent.  In  Erbil  gibt  es  28Unterkünfte im Zentrum und in Dahouk fünf. Des Weiteren sind Flüchtlinge in45  christlichen  Dörfern  in  der  Region  Dahouk  und  Sacho  untergekommen.Zusätzlich    sind    700    Flüchtlingsfamilien    in    Kirkuk    und    Sulemaniauntergebracht.  Zahlreiche  weitere  Familien  sind  in  privaten  Unterkünften  in  Erbil,  Dahoukund Sulemania untergekommen. Die Ausschüsse regeln die Hilfsaktionen und kümmern sichum weitere Bedürfnisse der Flüchtlinge. Die Mitglieder dieser Ausschüsse sind ehrenamtlichtätig.

3.  Es  wurde  ein  spezielles  Programm  für  die  Registrierung  dieser  Familien  entwickelt.  Bisjetzt  wurden  rund  95  Prozent  der  Flüchtlingsfamilien  bei  uns  erfasst.  Eine  vollständigeRegistrierung der Flüchtlinge ist unmöglich, da sie überall verstreut sind.

4. Diese Woche wird für jede Familie in Erbil eine Karte ausgestellt, damit Lebensmittel undandere Hilfsgüter und Materialien besser ankommen.

5.  In  den  Regionen  Dahouk  und  Sacho  ist  die  Unterstützungsarbeit  komplizierter,  da  dieFlüchtlinge  dort  auf  einer  großen  Fläche  und  in  vielen  weit  voneinander  entfernten  kleinenDörfern  verstreut  sind.  Von  dem  ersten  Tag  an  hat  die  Kirche  versucht,  das  Leben  derFlüchtlinge wie folgt zu organisieren:a)    Empfangnahme der Flüchtlinge, Beschaffung von Unterkünften,b)   Organisation der Verteilung der Lebensmittel,c)    Mitteilung über benötigte Hilfsgüter sowohl bei der irakischen Regierung, als auch beider Regierung der Provinz Kurdistan,d)   Bekanntmachung der Lage der Christen in die internationale Weltgemeinschaft.Natürlich war und ist die Lage nicht leicht und die Arbeit noch unzureichend. Was z. B. dieUnterbringung  betrifft,  leben  weiterhin  viele  christliche  Flüchtlinge  in  Parks,  Hallen  undSchulen, was für uns eine große Herausforderung darstellt, da die Schulzeit bereits begonnenhat und die Schulen geräumt werden müssen. Darüber hinaus steht der Winter vor der Tür –es  ist  dann nicht  mehr  möglich, in  solchen  Unterkünften  zu  leben. Die  irakische  Regierungunternimmt sehr wenig und die Entschädigung von 850 Dollar pro Familie läuft sehr langsamund unpraktisch.

"Auch im Leiden und im Sterben das Leben bejahen" Deutsche Bischofskonferenz bekräftigt Haltung zur Sterbehilfe

Die Deutsche Bischofskonferenz hat anlässlich ihrer Herbst-Vollversammlung in   Fulda   erneut   ihre   Haltung   zurSterbehilfe   bekräftigt.   In   einem Pressegespräch   betonte   der   Vorsitzende   der   Glaubenskommission   derDeutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann (Mainz):"Wir  haben  uns  schon  lange  und  immer  wieder  für  eingesetzliches  Verbot jeglicher  Formen  der  organisierten  Beihilfe  zu  Selbsttötung  sowie  für  eineAusweitung  der  Hospizangebote  und  der  Palliativmedizin  ausgesprochen.  Die Diskussion ist schwieriger geworden.

Kritiker des geplanten Verbotes beharren zunehmend  auf  dem  Wert  der  individuellen  Autonomie  am  Lebensende.  Die Deutsche   Bischofskonferenz hat immer betont, dass sich das auch im Christentum dem Menschen zukommende  Recht  auf  Selbstbestimmung  nicht auf das eigene Leben beziehen kann. Die Verfügung über die Existenz als solche ist dem Menschen entzogen. Die Verabsolutierung der Autonomie steht zudem in Gefahr, die fürsorgliche Begleitung Sterbender und den Schutz der Würde der Schwächsten zu vernachlässigen." Nach Auffassung der Deutschen Bischofskonferenz  bedürfen  Sterbende  der besonderen Fürsorge und Zuwendung ihrer Mitmenschen. "Wer alt, krank oder hilflos  ist,  möchte  nicht  alleingelassen  werden.  Vielerorts  werden  Sterbende umsichtig  und  mitfühlend betreut,  etwa  in  Familien  und  Hospizen",  so Kardinal Lehmann. "Aus Sorge um den Menschen setzen sich Christen dafür ein,  dass  das  Leben  eines  jeden  Menschen  –  gerade  auch  in  der  Nähe  des Todes – bis zuletzt geschützt wird. Sie glauben daran, dass wir alles, was ist, Gott verdanken. Gott hat den Menschen als  sein  Abbild geschaffen und ihm eine  unantastbare  Würde  verliehen.  Diese  Würde  gründet  nicht  in  seiner Leistung oder in dem Nutzen,den er für andere hat. Die Würde des Menschen folgt daraus, dass Gott ihn bejaht. Aus dem Wissen um Gottes Zuwendung und Liebe heraus darf und kann der Mensch auch im Leiden und im Sterben sein Leben bejahen und seinen Tod aus Gottes Hand annehmen." Zur  aktuellen  Diskussion  um  die  Sterbehilfe  stellte  Kardinal  Lehmann  einen Flyer der Deutschen Bischofskonferenz vor, der in verständlicher Sprache die Position  der  Bischofskonferenz  zusammenfasst, Begriffserklärungen enthält und  mit  einer umfänglichen Linkliste für das Internet auf weiterführende Informations- und Hilfsangebote verweist. In diesem Flyer "Sterben in Würde – worum geht es  eigentlich?"  heißt  es:  "In  Würde  stirbt,  wer  anerkennt,  dass  sein  Leben  als  solches unverfügbar ist. Anfang  und Ende des  Lebens sind der  Verfügung des  Menschen  entzogen. Das  bedeutet,  dass  der  Tod  nicht  herbeigeführt,  wohl  aber  zugelassen  werden  darf.  GottesGeschöpf zu sein, bedeutet jedoch nicht, dass Menschen im Hinblick auf den Tod gar nicht handeln  dürfen.  Es  ist  richtig,  Möglichkeiten  zu  ergreifen,  um  die  letzte  Phase  des  Lebens erträglich  zu  gestalten.  Dazu  gehört,  Sterbende  schmerztherapeutisch  zu  versorgen,  ihnen bestmögliche  Pflege  zuteilwerden  zu  lassen  und  den  Tod  nicht  durch  eine  Behandlung  im Übermaß  hinauszuzögern.  Auch  die  seelsorgliche  Begleitung  ist  oft  von  großer  Bedeutung. Denn gerade im Sterben werden die Fragen nach dem Woher und Wohin des Lebens bewusst.Sie dürfen nicht übergangen werden."Kardinal  Lehmann  erinnerte  daran,  dass  derzeit  Fachleute  um  klare  rechtliche  Regelungen ringen, die den Umgang mit dem Lebensende, insbesondere die Frage nach der Hilfe bei der Selbsttötung betreffen: "Die katholische Kirche spricht sich nachdrücklich gegen alle Formen der aktiven Sterbehilfe und der  Beihilfe zur Selbsttötung aus.  Hilfe beim Sterben durch die sogenannte  passive  Sterbehilfe  − einschließlich  der  Therapie-Zieländerung  − hingegen  sindethisch vertretbar."Mit  Blick  auf  die  aktuelle  Debatte  erinnerte  Kardinal  Lehmann,  dass  diese  von  der  weiten Idee    einer    Selbstbestimmung    zehre,    welche    die    Option,    sich    unter    definierten Voraussetzungen  töten  zu  lassen,  mit  umfasse:  "Sterbehilfe  und  Suizid  müssen  gewiss genauer unterschieden werden. Die Sterbehilfe gleicht dem Suizid als eine Art ‚eigener‘ Tod von   fremder   Hand.   Tötung   wird   neu   legitimiert.   Sie   ist   eine   Dienstleistung,   diegewissermaßen im Auftrag des Betroffenen geschieht. Im Grunde erlaubt aber der Staat eine Fremdtötung.  Damit  sind  auch  oft  gesellschaftliche  Bedingungen  impliziert,  die  erfüllt  sein müssen und immer auch ein Sozialnutzenkalkül enthalten. ‚Autonomie‘ und gesellschaftliches Werturteil über Leben gehen untrennbar ineinander über." Daher sei eine Neubesinnung auf das   Thema   unbedingt   notwendig:   "Die   Diskussionen   über   ‚aktive   Sterbehilfe‘   bzw.‚assistierten Suizid‘ gehen von der radikalisierten Forderung nach Selbstbestimmung aus, die als fundamentale Bestimmung des Menschseins gesehen wird. Wie in anderen Bereichen der Bioethik  ist  dies  eine  ganz  grundlegende  Frage,  ob  der  Mensch  wirklich  nach  dem  Muster einer  absoluten  Autonomie  verstanden  werden  kann.  Man  weist  auf  diese  Grundfigur  auch darum    hin,    weil    unsere    pluralistische    Gesellschaft    eine    solche    Fülle    ethischer, weltanschaulicher  und  religiöser  Entwürfe  biete,  dass  keine  gemeinsame  Wertgrundlage brauchbar sei. Am ehesten sei dies eben noch die genannte Selbstbestimmung."Demgegenüber ermutigte Kardinal Lehmann, die im christlichen Glauben vorhandenen, aber oft verschütteten  Zugänge zu einer notwendigerweise neuen Kultur des Sterbens zu nutzen. "Das Christentum hat eine große Kultur des Sterbens über Jahrhunderte entwickelt. Sie passt nicht mehr unmittelbar in die moderne Lebenswelt, aber ihre fundamentalen Kräfte sind auch nicht einfach erledigt. Es liegt auf dieser Linie, wenn wir heute in Auseinandersetzung mit der Sterbehilfe zwei zentrale Akzente setzen, nämlich die Palliativmedizin und das Hospizwesen. Beides  muss  freilich  in  einem  weiteren  Rahmen  gesehen  werden.  Man  darf  auch  nicht vergessen,  dass  die  ursprüngliche  Idee  der  Hospizbewegung  nicht  nur  auf  stationäre  oder ambulante Hospizarbeit vor allem im institutionellen Sinne gerichtet war, sondern sich auchauf den Umgang mit Schwerstkranken und Sterbenden in der Familie, im Krankenhaus usw. bezog und bezieht. Ich bin überzeugt, dass man nur im Rückgriff auf diese Erfahrungen und eine  solche  Kultur  des  Sterbens  die  heutigen  Gefährdungen  angehen  und  vielleicht  auch überwinden  kann.  Voraussetzung  dafür  ist  aber,  dass  wir  die  Endlichkeit  und  – theologisch gesprochen – die Kreatürlichkeit des Menschen wieder entdecken und uns zu eigen machen", so Kardinal Lehmann.

Den  Flyer  "Sterben  in  Würde  –  worum  geht  es  eigentlich?"  finden  Sie  als  pdf-Datei  im Anhang sowie zum Herunterladen und Bestellen auf www.dbk.de. Ein aktuelles Dossier zum Thema finden Sie unter www.dbk.de/themen/sterben-in-wuerde.

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