Klartext: Straffällig schon im jungen Alter

Martina Lewinski
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Martina Lewinski

Volontärin Martina Lewinski schreibt über jugendliche Gewalttäter.

Das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben unterliegt wegen der Corona-Pandemie seit dem vergangenen Jahr starken Einschränkungen: Geschäfte mussten schließen, die Menschen verbrachten mehr Zeit zu Hause, der Reiseverkehr wurde eingeschränkt. Schon zu Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 hatten die Sicherheitsbehörden und Innenministerien von Bund und Ländern beschlossen, mögliche Auswirkungen der Pandemie auf die Kriminalitätsentwicklung zu prüfen, zu bewerten sowie Handlungsempfehlungen zu entwickeln.

Laut Bundeskriminalamt-Präsident Holger Münch haben Betrugsdelikte und Cybercrime in der Pandemie zugenommen. In einem Ranking von „Statista“ sind die häufigsten Straftaten von Jugendlichen (14 bis 17 Jahre) in Deutschland im Jahr 2020 Diebstahl, Körperverletzung und Rauschmittelkriminalität. Dennoch sind laut Statistiken im Jahr 2020 wie auch in den Vorjahren die Fälle von Jugendgewalt in Deutschland zurückgegangen.

Mein eigenes Empfinden weicht etwas von den Statistiken ab. Dies liegt vielleicht daran, dass ich seit zwei Jahren in der Redaktion von FULDA AKTUELL täglich mit Polizeimeldungen konfrontiert werde. Dabei lese ich immer wieder über junge Menschen, oft gerade einmal 14 Jahre alt, die Autos aufbrechen, mit einem Messer bewaffnet in einen Laden stürmen oder gar Menschen angreifen. Was muss in den Köpfen dieser „Kinder“ vorgehen?

Der Schweizer Kriminologe Dirk Baier sagte bei „SRF News“ , dass sich die Ausbildungssituation verschärfe und die Berufsausbildungen sowie der Übergang für Jugendliche ins Berufsleben durch die Pandemie immer schwieriger werde. Dazu komme, dass sich viele Jugendliche durch die Coronamaßnahmen eingesperrt fühlen und auch die Zahlen der häuslichen Gewalt deutlich gestiegen sind. Dies alles hinterlässt Spuren bei Jugendlichen. Könnte das vielleicht auf lange Sicht doch eine Auswirkung auf das Gewaltverhalten haben?

Gerade in den letzten Tagen hört man immer wieder davon, dass die Schwelle körperlicher Gewalt in der Bevölkerung sinke. Dieses Gefühl habe ich allerdings nicht nur bei Erwachsenen, sondern verstärkt auch bei Jugendlichen und Kindern.

Doch wie bestraft man jugendliche Straftäter am besten? Das Jugendstrafrecht will nicht Strafe und Sühne, es will Erziehung und Resozialisierung. Dafür gibt es zahlreiche Sanktionsmöglichkeiten, die die Richter ausschöpfen.

Oft wird eine Gefängnisstrafe nur als letzte Möglichkeit verhängt. Und selbst dort, im Jugendgefängnis, haben erzieherische Maßnahmen Vorrang. Doch der beste Schutz vor Straftaten, darauf bestehen alle Experten und Kriminologen, ist die Prävention. Also hinschauen, wenn in den Familien etwas schiefläuft, aufmerksam sein, wenn Kinder schon im Schulalter besonders aggressiv auffallen, rechtzeitig pädagogische Maßnahmen ergreifen und bei ersten Delikten sofort reagieren. Denn auch junge Menschen tragen für das, was sie tun, Verantwortung. Vor allem, wenn sie andere Menschen dabei verletzen.

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