Der Vor-Denker

Fulda. Abschiedsworte sollten kurz sein wie Liebes-erklrungen. Nun, diesem Wunsch des Dichters Theodor Fontane kamen am Mitt

Fulda. Abschiedsworte sollten kurz sein wie Liebes-erklrungen. Nun, diesem Wunsch des Dichters Theodor Fontane kamen am Mittwoch-abend im Frstensaal des Fuldaer Stadtschlosses die Redner nicht wirklich nach, konnten sie eigentlich auch nicht. Galt es doch, das Wirken eines Mannes zu wrdigen, der ber 14 Jahre das Wirtschafts-leben der Region Fulda entscheidend geprgt hat: Helmut Sorg. Der frhere Prsident und seit seinem offiziellen Abschied aus dem Amt vor vier Wochen nun Ehrenprsident der IHK Fulda hat Zeichen und Mastbe gesetzt, Visionen formuliert, mit seinem unternehmerischen Talent und persnlichen Geschick Fulda als die Power-Region Hessens in Deutsch-land und der Welt reprsentiert und positioniert.

Der Spiritus Rector geht als Privatier in den Ruhestand? Das darf bezweifelt werden. Seinem Nachfolger im Amt, Bernhard Jucheim, bot er an, mit Rat und Tat jederzeit zur Seite stehen zu wollen. Und wenn man dem neuen Mann an der Spitze einen Ratschlag geben darf, dann sollte er dieses Angebot des Vor- und Quer-Denkers Helmut Sorg, annehmen.

Juchheim begrte im Namen von Prsidium, Vollversammlung und Geschftsfhrung der IHK Fulda zahlreiche hochkartige Ehrengste, Festredner, Weggefhrten, vor allem aber die seit langem wieder einmal komplett versammelte Familie von Helmut Sorg. Unisono zeichneten alle ein bereinstimmendes Bild von ihm: Er war der Impulsgeber, der Ideengeber, der Motivator ber 26 Jahre als Mitglied der Vollversammlung, acht Jahre als Vizeprsident und von 1995 bis 2009 insgesamt 14 Jahre als Prsident der hiesigen Kammer.

Verantwortung wird hier gro geschrieben, der Mensch steht im Vordergrund, dies knnte man als Motto ber die Prsidialzeit Sorgs schreiben. Was hie: Soziale Verantwortung fr die Region und ihre Menschen sowie viel Menschlichkeit im Umgang mit den Unternehmerkollegen. Sorg hat aus dem kleinen, aber feinen Wirtschaftsstandort Fulda eine Power-Region gemacht, was nicht nur der Zukunftsforscher Matthias Horx solchermaen konstatierte. Sorg war Motor des regionalen Standort-Marketings, rief die mittlerweile grte Bildungsmesse Hessens in Leben. Seine Herzensangelegenheit waren die jungen Menschen, das Thema Aus- und Weiterbildung, aber nicht nur der leistungsstarken sondern auch die Frderung schulisch schwcherer Jugendlicher. Im Auenmarketing war Helmut Sorg, egal ob im Beruf oder IHK-Ehrenamt, ein hervorragender Botschafter der Fuldaer Wirtschaft sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene. Zu erwhnen ist in diesem Zusammenhang seine Mitarbeit im Vorstand des Deutschen Industrie- und Handelskammertages sowie wohl einer der unbestreitbaren Hhepunkte in der ra Sorg der DIHK-Kongress 2002 in Fulda.

Und was knnte einem Denker besser gerecht werden als ein Denker. Deshalb gab es von Juchheim als Abschiedsgeschenk fr Sorg eine Bronzeskulptur mit dem gleichnamigen Motiv, geschaffen von dem heimischen Knstler Dr. Ulrich Barnickel. Die Figur soll Spontaneitt und Kreativitt, aber auch Stabilitt aus- drcken und kann als Sttze dienen. Wie Helmut Sorg.

Symbolcharakter hatte auch das Prsent vom Ministerprsident: Roland Koch, auf dem Weg von Opel zu Ford mit halbstndiger Versptung und dem Hubschrauber am Polizeiprsidium im Mnsterfeld gelandet und dennoch eher im Stadtschloss als sein Fahrer (wie auch immer das passierte), hatte dem scheidenden IHK-Prsidenten einen hessischen Porzellan-Lwen mitgebracht. In seiner Laudatio wrdigte er die auergewhnliche Leistung Sorgs, was sich nicht zuletzt in den herausragenden Wirtschaftsdaten der Region widerspiegele. Hier wurden kluge Entscheidungen von einem entschlossenen Menschen getroffen. Genieen Sie Ihren Erfolg, Sie waren Vorbild fr Viele.

Dankbar fr Ihr bewundernswertes Engagement als Mitbrger, Unternehmer und im Ehrenamt der IHK zeigte sich Fuldas Oberbrgermeister Gerhard Mller. Helmut Sorg hat Spuren hinterlassen in Osthessen, die lange sichtbar bleiben. Der Ex-Prsident habe mit seinem Prinzip der Nachhaltigkeit starke Netzwerke aufgebaut und groe Gesamtverantwortung bewiesen. Sie waren ein wichtiger Motor fr Stadt und Region, die Marken Fulda und Sorg wurden vielfach synonym genannt, so der OB. Begleitet vom Kommentar des knapp dreijhrigen Enkels Matteo (bekommt der Opa denn jetzt ein Geschenk?) berreichte Mller Sorg den Ehrenring der Stadt Fulda.

Von Landrat Bernd Woide gab es als Abschiedsgeschenk eine Modelleisenbahn was auch primr und frher oder spter den Enkel freuen drfte. Woide wollte dies als symbolischen Dank an Sorg fr dessen Einsatz fr den viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke Fulda-Frankfurt verstanden wissen. Auch persnlich sah sich der Landrat zu Dank verpflichtet: Als ich seinerzeit meinen Dienst als Brgermeister von Fulda antrat, hat man mir mindestens zehnmal in der ersten Woche die Frage gestellt: Waren Sie denn schon zum Antrittsbesuch beim IHK-Prsidenten. Von dir, lieber Helmut, habe ich viel ber die Wirtschaft und das Wirtschaften hier gelernt, sagte Woide.

Limburgs IHK-Prsident Gnther Schmidt, der als Freund und auch fr die Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Industrie- und Handelskammern ein Gruwort sprach, konstatierte: Helmut Sorg hat hohe Benchmarks gesetzt. Seine Fhigkeit, Andere mitzureien und zu begeistern, ist phnomenal. Gerade fr die kleineren IHKs hat er Flagge gezeigt.

Sichtlich gerhrt und bewegt hob Helmut Sorg in seiner Dankrede in erster Linie seine Frau Gertrude, seine Familie sowie die 23 hauptamtlichen und 750 ehrenamtlichen Mitstreiter in der IHK hervor. Und die anfnglichen Aufregung und Nervositt legte sich auch schnell, als Traudl ihrem Helmut die Lesebrille reichte und es fortan mit dem Rede-manuskript flssiger lief. Das war keine Einzel-, sondern eine Gemeinschaftsleistung und dieser kooperativen Geist soll uns auch in Zukunft alle zusammenschweien, so der Wunsch des (nun) Ehren-Prsidenten, bevor man sich am Tegut-Buffet den leckeren Imbiss schmecken lie und sich in Small-Talks vertiefte.

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