'Vorbildfunktion'

Vogelsbergkreis war als einziger hessischer Landkreis Modellprojektpartner des Ministeriums - "Vorbildfunktion"VOGELSBERGKREIS. "

Vogelsbergkreis war als einziger hessischer Landkreis Modellprojektpartner des Ministeriums - "Vorbildfunktion"

VOGELSBERGKREIS. "Tagesgruppen in der Jugendhilfe erweisen sich als pdagogisch hoch wirksam." Das ist die zentrale Erkenntnis eines Forschungsprojekts des Bundesjugendministeriums. Der "Verein Hilfe fr das verlassene Kind e.V." (Haus am Kirschberg) in Lauterbach und das Amt fr Jugend, Familie und Sport des Vogelsbergkreises haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren nicht nur neue gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit gemacht - die Hilfen, die dazu dienen, die jungen Persnlichkeiten zu entwickeln und zu strken, sind noch effektiver geworden. Nicht zuletzt deshalb, weil durch neue Methoden die Betroffenen selbst und ihre Eltern viel strker als bisher in den Prozess der Hilfen einbezogen werden. Das Ganze ist das Ergebnis des Modellprojekts "Qualifizierung der Hilfen zur Erziehung durch wirkungsvolle Ausgestaltung der Vereinbarungen zu Leistungen, Entgelten und Qualittsentwicklung nach dem Achten Sozialgesetzbuch" - wegen der Sperrigkeit des Titels kurz: "Wirkungsorientierte Jugendhilfe".

In einem Abschlussgesprch mit dem begleitenden Institut fr Sozialarbeit und Sozialpdagogik ISS (Frankfurt am Main) im Lauterbacher Kreishaus bewertete Landrat Rudolf Marx das Projekt als "sehr erkenntnisreich" und zeigte sich auch "ein wenig stolz, dass der Vogelsberg ein wichtiger Modell-Landkreis fr ganz Deutschland ist". Im Vogelsbergkreis gebe es seit vielen Jahren eine entwickelte "Kultur der Zusammenarbeit" zwischen Kreisverwaltung und freien Trgern. Nur deshalb habe der Vogelsberg zu den "Auserwhlten" gezhlt. Zu den elf Modellregionen gehrt brigens auch der Partnerlandkreis Oberhavel in Brandenburg. "Den Nutzen des Projekts haben jetzt Jugendliche, Eltern, Fachleute, Einrichtungen und wir als Kostentrger gleichermaen", betonte Marx. Vieles sei jetzt noch "passgenauer". Die Wirkungen der Manahmen seien jetzt "wirksamer, messbarer, einschtzbarer".

In seiner nunmehr 13-jhrigen Ttigkeit als Jugenddezernent sei es ihm stets darum gegangen, jungen Menschen mit schlechten Startbedingungen faire neue Chancen zu erffnen, ihnen Hilfen zur Selbsthilfe anzubieten. Genau dies leiste eine gut organisierte Hilfe zur Erziehung, wie sie im Haus am Kirschberg beispielsweise in seinen drei Tagesgruppen in Alsfeld, Lauterbach und Schlitz praktiziert werde. Dort werden 27 Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren betreut und gefrdert.

Diplom-Sozialarbeiterin Gerhild Hoos-Jacob und Diplom-Pdagoge Bodo Kester, Leitungsteam des Hauses am Kirschberg, hoben die positiven Ergebnisse des Projektes hervor. So wurden zwischen den Partnern Aufnahmeverfahren und Hilfeplanung vereinheitlicht und optimiert. Die Beteiligung der Kinder und ihrer Eltern am Hilfeproze wurde ber gemeinsame Vorgehensweisen erweitert, geregelt und verstrkt. Die Arbeit mit kleinschrittigen berprfbaren Zielstellungen habe zu nachweisbaren Erfolgen gefhrt. Das entwickelte Instrumentarium sollte bald auf alle Vogelsberger Tagesgruppen bertragen werden. Das Interesse der Trger daran sei vorhanden, unterstreicht Kester, der auch Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses ist.

Kernstck des Projekts war ein gemeinsam entwickeltes standardisiertes Verfahren, das durch regelmige berprfung eine wesentliche Frage klren sollte: Wie weit sind die fr jedes Kind individuell verabredeten Erziehungsziele erreicht? Man legte den Fokus auf die pdagogische Wirksamkeit in Tagesgruppen, was den Landrat auch als Kmmerer interessierte. Denn die Hilfen zur Erziehung in einer Tagesgruppe sind allemal kostengnstiger als die Unterbringung in einer stationren Einrichtung.

In einem bundesweiten Bewerbungsverfahren waren im Jahr 2006 unter 40 Teilnehmern insgesamt 11 Landkreise bzw. Stdte, darunter der Vogelsbergkreis - als einziger hessischer Landkreis -, ausgewhlt, nachdem sich der Jugendhilfeausschuss - in ihm sind auch die freien Trger vertreten - auf das Tandem Jugendamt/Kirschberg verstndigt hatte. Es gilt schon jetzt als sicher, dass auch die Erkenntnisse aus dem Vogelsbergkreis in eine bundesweite Einfhrung neuer Qualittsvereinbarungen mnden werden. Bereits jetzt sei das wissenschaftliche Interesse an den Erfahrungen im Vogelsberg hoch, berichtete Diplom-Sozialarbeiter Helmut Benner, im Jugendamt zustndig fr Jugendhilfeeinrichtungen. So seien Stadt und Landkreis Fulda schon nach den bekannt gewordenen Zwischenergebnissen im Vogelsberg dabei, neue Standards fr die Hilfeplanung zu entwickeln.

Landrat Marx stellte es in einer Pressekonferenz als besonders bedeutsam heraus, dass "wirklich genau die richtigen Hilfen die jungen Menschen erreichen und sie bei Bedarf dynamisch, flexibel und fachlich zielfhrend angepasst werden." Darber hinaus verlange der verantwortliche Umgang mit dem Geld des Steuerzahlers natrlich immer einen zielgerichteten und sparsamen Mitteleinsatz durch dauerhaftes Controlling und Sicherung der Qualitt. Besonders erfreut ist der Jugenddezernent darber, dass die grere Wirksamkeit mageblich durch die Beteiligung und vor allem durch die grere Mitverantwortung des Hilfeempfngers zustande gekommen sei. "Die, die es angeht, wirken jetzt strker mit. Das ist genau richtig", sagte Marx.

Das "Tandem" aus Vogelsberger Jugendamt und Leistungserbringer (Haus am Kirschberg) wurde fachlich begleitet vom Institut fr Sozialarbeit und Sozialpdagogik Frankfurt (ISS). Dessen Beauftragte Brigitte Rehling sprach sich fr eine "verlssliche Struktur des Allgemeinen Sozialen Dienstes im Jugendamt" aus, denn er schaffe die Voraussetzungen fr den wirksamen Einstieg und fr die Regelmigkeit in der Bewertung des Hilfeprozesses.

Nhere Informationen zum Bundesmodellprogramm sind unter www.wirkungsorientierte-jugendhilfe.de zu finden (siehe Band 6, Seite 50 - Vogelsbergkreis).

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