Vulkanismus zum Anfassen

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Vogelsbergkreis. Zu einer Exkursion zu den Glauberger Lavaströmen machten sich einige namhafte Geologen auf.

Vogelsbergkreis. Lavaströme am Glauberg waren kürzlich das Ziel einer Exkursion, die im Rahmen der internationalen Tagung "GeoFrankfurt 2014" durchgeführt wurde. Exkursionsleiter Dr. Heinz-Dieter Nesbor vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) wählte den kleinen Steinbruch an der Enzheimer Pforte als erste Station der Exkursion, um hier die dünnflüssigen Lavaströme zu zeigen, die eine Besonderheit des Vogelsberges gegenüber benachbarten Vulkangebieten wie Rhön, Westerwald und Eifel darstellen.

Die meisten Lavaströme (auch im Vogelsberg) zerbrechen während des Fließens an ihrer Oberfläche und erinnern dann mit ihrer bröckeligen Kruste an Streuselkuchen. Wissenschaftlich werden sie als "Aa-Lavaströme" bezeichnet - nach dem hawaiianischen Wort für "Aua", denn für die früher barfuß laufenden Hawaiianer war es schmerzhaft, über solche scharfkantige Lava zu laufen. Die dünnflüssigen Lavaströme dagegen bleiben an der Oberfläche glatt, es entwickelt sich lediglich eine Art Haut, wie bei einem abkühlenden Pudding. Beim Fließen entstehen teilweise Falten in dieser Haut, die sich zu seil- oder strickartigen Strukturen zusammenschieben, weshalb solche Lava im Deutschen als "Stricklava" bezeichnet wird. In wissenschaftlichen Texten ist von "Pahoehoe"-Lava die Rede, nach dem hawaiianischen Begriff für "mit den bloßen Füßen zu begehen".

"Solche Lava ist in der Regel ein tholeiitischer Basalt, dessen Magma nur in großen Vulkanfeldern und bei einer erhöhten Temperatur gebildet wird." erläuterte Nesbor. Vom Vogelsberg aus ist diese Lava bis Frankfurt und Hanau geflossen, wo man dadurch bis heute Vogelsberg-Basalt findet. Meist erkennt man in dieser Art Basalt viele Gasblasen. Durch diese Porigkeit lässt er sich - im Gegensatz zum Hartbasalt - steinmetzmäßig bearbeiten und wird traditionell als "Lungstein" bezeichnet. Aus solchem Basalt bestehen zum Beispiel die Fenstergewände der Münzenburg und das Kloster Arnsburg. Heute wird Lungstein nur noch in Rabenau-Londorf abgebaut. Der kleine Steinbruch am Glauburg ist das einzige Geotop

im Vogelsberg, das frei zugänglich ist, wo Pahoehoe-Lava gut zu erkennen ist. Der Aufschluss wurde erst im letzten Jahr im Rahmen einer Diplomarbeit genauer beschrieben. Er war auch Herrn Dr. Nesbor erst bekannt geworden, weil Werner Erk vom Heimatverein Glauburg über die Sektion Vogelsberg der Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft (DVG) einen Hinweis zur Ergänzung des Geotop-Buches des HLUG weitergegeben hatte. Die Exkursionsteilnehmer waren begeistert, von den gut erkennbaren Lava-Zungen und Lavastrom-Oberseiten, die auch nach etwa 15 Millionen Jahren

noch "wie frisch" sind. Durch die Hitze der darüberfließenden Lava wurde damals bereits abgekühlte Lava nochmals erhitzt und oberseits rot "gebrannt". Um die schöne Steinbruchwand und eindrucksvolle Stellen nicht zu beschädigen, verzichteten die Geologen hier auch auf das übliche Anschlagen des Gesteins und das Probennehmen. Teilnehmer waren unter anderem Prof. Kirnbauer (Bochum), Prof. Breitkreuz (Freiberg) und Prof. Kowakzcyk (Frankfurt), der vor fast 50 Jahren seine Diplomarbeit über die Geologie im Umfeld des Glaubergs schrieb.

Mit dabei waren außerdem neben der Leiterin der Sektion Vogelsberg der DVG, einige Ortsbeauftragte der Sektion und der Geschäftsführer des Geoparks Vulkanregion Vogelsberg, der diese Beteiligung vermittelt hatte. Sie alle lernten im Verlauf des Tages unter der hervorragenden Führung von Herrn Dr. Nesbor noch weitere interessante Geotope bei Hungen, Nidda Ober-Widdersheim und Schotten-Sichenhausen näher kennen, die ihnen ein neues Bild des Vogelsberges vermittelten.

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