Die Wahrheit in der Medizin

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Fulda. Die Würde des Menschen, wie sie im Klinkum definiert wird. Diskussion aus medizinischer und ethischer Sicht.

Fulda. "Die Wahrheit gehört zur Würde des Menschen und die Wahrheiten, die im Krankenhaus kommuniziert werden, sind existenziell", so Prof. Martin Hein, Bischof der "Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck", in seinem Vortrag. Der Hörsaal des Klinikums Fulda war mit mehr als 140 Teilnehmern voll besetzt, als dort die Bedeutung der Wahrheit in der Medizin diskutiert wurde.

Priv.-Dozent Dr. Thomas Menzel, Sprecher des Vorstandes der "Klinikum Fulda gAG" begrüßte Referenten und Zuhörer. Die Moderation der Veranstaltung übernahm Prof. Dr. Konrad Schwager, Direktor der "Klinik für Hals-Nasen-Ohrenkrankheiten" und Vorsitzender des Ethikkomitees des Klinikums Fulda. Dabei stellte er einleitend die Aufgaben des seit sieben Jahren am "Klinikum Fulda" etablierten "Klinischen Ethikkomitees" vor.

Bischof Hein ermutigte die Ärztinnen und Ärzte: "Führen Sie Ihre Patientinnen und Patienten zur Wahrheit. Nur wer seine Wahrheit kennt, kann seine Würde bewahren." Zur Würde des Menschen gehört es eben auch, krank sein zu dürfen. Der Patient kann aus der Kenntnis der Wahrheit aktive Strategien zur Bewältigung im Sinne eines "Copings" entwickeln, so Prof. Hein. Die Religion und der Glaube an Gott leistet dazu einen wesentlichen Beitrag. Dabei räumte er ein, dass es durchaus Mut braucht, wenn in der Kommunikation zwischen Arzt und Patienten existenzielle Wahrheiten offen angesprochen werden sollen, und zwar auf beiden Seiten.

Gibt es die "eine" Wahrheit? Ja, sagen die Szientisten und behaupten, dass ihr monistischer Szientismus für alle sinnvollen Fragen eine wissenschaftliche Antwort parat hat. Professor Rupert Scheule verweist auf den Konstruktivismus, der behauptet: "Tatsachen gibt es nicht, nur Interpretation." Der neue Realismus versucht einen integrativen Ansatz und fordert, alle Sichtweisen ernst zu nehmen. "Sie haben alle ihre Berechtigung und zwar in ihrem jeweiligen Sinnfeld", so Scheule weiter. Und wer die Kernfrage der Ethik "was soll ich tun?" richtig beantwortet – gerade im Krankenhaus – der sollte die unterschiedlichen Sinnfelder berücksichtigen, die die Wahrheit für den Arzt oder den Patienten ausmachen.

Professor Marion Haubitz, Direktorin der "Medizinischen Klinik III", wies in ihrem Vortag darauf hin, dass die Wahrheit im Krankenhaus viele Seiten hat. Neben rechtlichen Aspekten, der Ermittlung des Willens der Patienten, der Vermittlung inhaltlicher Aspekte und der Festlegung der Indikation für die Durchführung unterschiedlicher Maßnahmen steht immer auch die Frage, wie viel von diesen Wahrheiten der Patient "verträgt".

Dabei ist immer das Vertrauen zwischen Arzt und Patient die Basis für angemessene Kommunikation, so Haubitz. "Es gibt auch ein Recht auf Nichtwissen." Letztlich kommt es darauf an, die "richtige Dosis" zu finden - besonders in Gesprächen mit Patienten, denen eine negative Nachricht überbracht werden muss. Die Voraussetzung für solche Gespräche ist nach Auffassung von  Haubitz eine grundlegende ärztliche: "Man muss Menschen mögen, Empathie und Zuwendung sind die Basis für Vertrauen."

"Gerade für uns als dem Haus der Maximalversorgung in Osthessen spielen ethische Fragen in der Medizin Tag für Tag eine große Rolle", so  Menzel. Er verwies darauf, dass neben einer hochtechnisierten Medizin und einer intensiven interdisziplinären Zusammenarbeit auch immer grundlegende menschliche Aspekte eine wichtige Rolle spielen und dass die gelungene Auseinandersetzung mit solchen Themen das Klinikum weiter voran bringt.

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