Wartenberg bleibt auf Wachstums-Kurs

Im Gespräch: Bürgermeister Dr. Olaf Dahlmann / Hohe Nachfrage nach Gewerbeflächen

VON BERTRAM LENZ

Angersbach. Trifft man sich zum Gespräch beim Wartenberger Bürgermeister Dr. Olaf Dahlmann SPD), dann begegnet einem ein durchaus gut aufgelegter Mann. Was neben dem sehr wohl schmeckenden Kaffee auch daran liegen mag, dass im Rathaus seit Kurzem zumindest ein Hauch Normalität eingezogen ist. Denn nach gut eineinhalb Jahren sind die aufwändigen Arbeiten in und um das Gebäude endlich abgeschlossen. Diese waren ursprünglich als Sanierung der Fassade gestartet und hatten sich rasch zu einer kompletten Instandsetzung ausgeweitet, weil an mehreren Stellen enorme Schäden festgestellt worden waren. Inzwischen aber sitzen die Mitarbeiter wieder in ihren angestammten Büros, und auch der Sitzungssaal soll bald wieder diesem Zwecke dienen. Wenn es denn die Coronalage erlaubt und kein Ausweichen ins „Wartenberg Oval“ mehr notwendig macht.

Der 44-jährige verheiratete Vater dreier Töchter ist Mitte Januar in seine zweite Amtszeit als Verwaltungschef der Vogelsberggemeinde Wartenberg mit den beiden Ortsteilen Angersbach und Landenhausen gestartet. Vor seiner Wahl zum Bürgermeister 2015 war Dahlmann an der „Hochschule Fulda“ tätig. Hier zuletzt als Persönlicher Referent des Präsidenten und Leiter des Präsidialbüros, davor als Leiter der „Stabstelle für Qualitätsmanagement und Strategisches Management“. Der in Konstanz am Bodensee Geborene freut sich aber nicht nur über den im doppelten Sinne „Wieder-Einzug“ ins Rathaus, sondern auch darüber, dass Wartenberg weiter eine im Wachstum begriffene Gemeinde ist.

Was sich unter anderem an der hohen Nachfrage nach Gewerbeflächen – unter anderem gerade für Kleingewerbe in einer Größenordnung zwischen 2.000 und 5.000 Quadratmetern – zeigt. „Wir sind stolz auf unseren guten Ruf als Wirtschaftsstandort“, so Dahlmann, für den die Grenzlage zwischen zwei Landkreisen kein Thema ist, denn: „Wir sind ganz klar Vogelsberger!“

Kein „Rewe“-Nachfolger

Obgleich er von keinem nennenwerten Leerstand zu berichten weiß, gibt es eine Sache, „die mich antreibt und die für mich wenig zufriedenstellend ist“: Ende 2019 war der „Rewe“-Markt in Angersbach geschlossen worden, und bislang hat sich trotz unterschiedlichster Bemühungen noch kein Nachfolger finden können. Dafür gibt es Erfreuliches vom Wochenmarkt zu berichten, der Ende Mai seinen dritten Geburtstag hat feiern können: Der Markt hat sich mittlerweile bestens etabliert, alle sind sehr zufrieden. „Zumal gerade am heutigen Dienstag erstmals wieder Kaffee ausgeschenkt wurde, was wegen der Einschränkungen durch Corona lange nicht ging“. Auch die anfangs mitunter geäußerte Kritik an dem von Dahlmann geprägten Begriff „Klatsch und Tratsch“ habe sich gelegt: „Das Wort hatte ich kreiert als Synonym für gegenseitigen Austausch und Kommunikation, denn der Wochenmarkt ist inzwischen ein fester Termin für viele Menschen – gerade auch für Ältere – geworden. So eine Art Forum“.

Um von den Senioren auf die Jüngsten zu kommen: Hier reicht das Platzangebot im Kindergarten, der in Trägerschaft der evangelischen Kirche steht, noch aus. Wobei die Betonung auf „noch“ liegt, denn die Gemeinde will an der Alte Straße in Landenhausen ein Neubaugebiet mit rund 20 Bauplätzen im ersten Bauabschnitt schaffen. „Perspektivisch könnten es 50 bis 60 Bauplätze in drei Bauabschnitten werden“, betont er, „und da muss dann halt auch die notwendige Infrastruktur mitwachsen“. Will sagen, dass dann der Kindergarten an seine Kapazitätsgrenzen stoßen würde. Abhilfe könnte ein Waldkindergarten schaffen, „was dann für uns ein tatsächlich gänzlich neues Angebot wäre“.

Neben dem leerstehenden früheren „Rewe“-Markt gibt es noch eine weitere Herausforderung, die den 44-Jährigen derzeit umtreibt: Ein Bauprojekt, das auf einem gemeindlichen Grundstück oberhalb der Schule im Veilsheckenweg in Angersbach geplant ist. Auf dem Areal, das die Gemeinde verkaufen möchte, wollen zwei ortsansässige Unternehmer zwei so genannte „Punkthäuser“ mit insgesamt 18 vornehmlich altersgerechten Wohnungen errichten. „Das sollen zwei Vollgeschosse, ein Staffelgeschoss und einem Flachdach werden“, so Dahlmann.

Umstrittenes Bauprojekt

Das Vorhaben sei in der Gemeinde nicht unumstritten, bekennt er und weist darauf hin, dass bislang gut 230 Unterschriften dagegen gesammelt worden seien. Kritisiert werde vornehmlich, dass das Projekt architektonisch nicht in die Umgebung passe und man befürchte, dass in der Nähe von Schule, Kindergarten und Bolzplatz ein sozialer Brennpunkt entstehen könne. „Dabei wird doch gerade in diesen Zeiten Wert auf ein Miteinander der Generationen gelegt“, meint der Bürgermeister, der ein solches Angebot als ideal dafür bezeichnet, älteren Menschen ein möglichst langes und einfaches Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Die Unternehmer wollten Wohnraum anbieten und eine Lücke schließen.

„Im Übrigen habe ich ihnen sehr viel ins Gebetbuch geschrieben“, erinnert sich Dahlmann, der damit meint, dass die Bauwilligen Kompromisse hätten eingehen müssen. „Denn ursprünglich waren vier Gebäude geplant gewesen“.

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