Warum ertrinken so viele Menschen in Flüssen und Seen?

Fulda aktuell hat mit Vertretern der DLRG, über das Thema "Wie gefährlich sind unsere Badeseen?", gesprochen.

Fulda - Die Nachrichten über Badeunglücke mit Todesfolge mehren sich. Auch dieses Jahr gab es bereits Fälle, in denen Menschen auf tragische Weise im Wasser ums Leben kamen. Besonders vom Ertrinken betroffen sind Kinder und junge Menschen.

Aus einer Pressemitteilung der Wasserwacht „des Deutschen Roten Kreuzes“ (DRK) geht hervor, dass sie dieses Jahr eine Zunahme an Badeunfällen befürchten. Grund sei das schöne Wetter und die Lockerungen der Kontaktbeschränkungen, aber auch die Ferien, die viele dieses Jahr an Ost- und Nordsee sowie anderen deutschen Gewässern verbringen wollen. „Aufgrund der strengen Zugangsregeln in Freibädern weichen viele Menschen auf unbewachte Seen und Flüsse aus. Durch die Corona-Pandemie fand außerdem lange Zeit kein Schwimmunterricht statt, sodass viele Kinder nicht ausreichend geschult sind“, sagt Andreas Paatz, Bundesleiter der „DRK-Wasserwacht“.

Laut „Lebens-Rettungs-Gesellschaft“ (DLRG) sind im vergangenen Jahr mindestens 417 Menschen ertrunken. In Binnengewässern verloren 362 Männer und Frauen, das sind rund 87 Prozent der Opfer, ihr Leben.

Aus gegebenen Anlass hat „Fulda aktuell“ mit dem Bezirksleiter der „DLRG Osthessen-Fulda“, Michael Lipus, und Enrico Neumann, Vorsitzender der „DLRG Ortsgruppe Stadt Fulda“, gesprochen. Auch Lipus ist sich sicher: „Immer weniger Kinder können richtig schwimmen, und auch die Aktivitäten (Kanufahren etc.) auf den Gewässern sind mehr geworden. Dadurch passieren auch mehr Unfälle.“ Weiter erklärt Lipus, dass Flüsse, Seen oder Kanäle nach wie vor die größten Gefahrenquellen sind. Vergleichsweise werden wenige Gewässerstellen von Rettungsschwimmern bewacht. Das Risiko, dort zu ertrinken, sei deshalb um ein Vielfaches höher als an Küsten oder in Schwimmbädern.

Doch viele Schwimmbäder waren oder sind aufgrund der aktuellen Lage geschlossen, und so kommen Familien immer wieder auf die Idee, zur Abkühlung an einen ortsnahen See oder Fluss zu fahren. „Fulda aktuell“ hat beim Bezirksleiter der „DLRG“ nachgefragt auf was Badegäste an Seen und Flüssen achten müssen und wie man sich im Ernstfall verhalten sollte.

Lipus erklärt: „Baden und Schwimmen in Naturgewässern ist häufig gefährlich. Gehen Sie dort schwimmen wo Rettungsschwimmer das Gewässer im Blick haben und achten Sie auf die Beschilderungen, ob sich der Fluss oder der See zum Baden eignen. Die meisten Menschen sind natürliche Gewässer nicht gewöhnt. So werden Selbstüberschätzung und Unachtsamkeit, häufig zum Auslöser tragischer Badeunfälle.“

Auch Neumann sagt: „Natürlich bestehende Gefahren in Gewässern sind unter anderem: Wind- und Strömungsverhältnisse, aufziehende Gewitter, instabile oder nicht erklimmbare Ufer, die meist sehr kalte Wassertemperatur, unterschiedliche Temperaturschichten, aber auch sichtbare und unsichtbare Verunreinigungen. Dazu kommen die von den Schwimmern und Badenden selbst verursachten Probleme, wie zum Beispiel: Überschätzung der Leistungsfähigkeit, Fehleinschätzung von Entfernungen, Übermut und Leichtsinn, Missachtung von Verboten und Warnungen, Spielzeug als Schwimmhilfen, Nichtbeachtung der Umgebung oder auch Alkohol- und Drogenkonsum.“ Als Reaktion auf die jährlichen Badeunfälle startet die „DLRG“ ihre Aufklärungskampagne „Sicheres Schwimmen“ und fordert Eltern, Lehrkräfte und Schwimmtrainer auf, ihren gesellschaftlichen Auftrag, den Kindern das Schwimmen zu lehren, ernst zu nehmen und diesem mit allen Mitteln nachzukommen.

„Oft handelt es sich bei Notfällen zwar um ein Zusammenspiel von mehreren Ursachen, aber es reicht schon, dass zum Beispiel Eltern ihre Kinder unbeaufsichtigt am Wasser spielen lassen, um eine Tragödie auszulösen“, berichtet Neumann.

Mit ihrer Petition „Rettet die Bäder!“ hat die „DLRG“ einen ersten wichtigen Teilschritt erreicht. Nachdem im Dezember 2019 der Petitionsausschuss in öffentlicher Sitzung über den Erhalt von Schwimmbädern in Deutschland diskutierte, war die „DLRG“ Anfang 2020 erneut im Bundestag. Dieses Mal nahm sich der Sportausschuss der Sache an und verlautbarte anschließend ernsthafte Pläne für ein bundesweites Investitionsprogramm für die Schwimmbäderinfrastruktur. Neumann gibt Badenden folgenden Hinweis: „Respektieren Sie Warn- und Verbotsschilder, diese werden nicht ohne Grund aufgestellt. Gehen Sie niemals alkoholisiert oder unter Drogen- oder Medikamenteneinfluss baden. Speziell Alkohol ist eine der wesentlichen Ursachen für den Tod durch Ertrinken.“

Und auch Lipus sagt abschließend: „„In einer Notsituation gilt: Springen Sie nicht Hals über Kopf ins Wasser, sondern tätigen Sie den Notruf und schauen Sie, ob in der Nähe ein Rettungsring zur Verfügung steht“.

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