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Was die Politik und der Fußball gemeinsam haben

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Von: Bertram Lenz

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Bundestagsabgeordneter Michael Brand (Mitte) beim redaktionellen Gespräch mit FULDA AKTUELL-Verlagsleiter Michael Schwabe (links) und Redaktionsleiter Bertram Lenz
Bundestagsabgeordneter Michael Brand (Mitte) beim redaktionellen Gespräch mit FULDA AKTUELL-Verlagsleiter Michael Schwabe (links) und Redaktionsleiter Bertram Lenz © Göbel

Seit 2005 sitzt er im Deutschen Bundestag und muss sich nach den Wahlen im Herbst erstmals mit der Oppositionsrolle auseinandersetzen: CDU-Politiker Michael Brand aus Fulda. Am Dienstag war der für den Wahlkreis 174 (Fulda/Lauterbach) zuständige 48-Jährige auf Einladung von FULDA AKTUELL in den Verlag gekommen, um bei einem ausführlichen Gespräch eine erste „knapp 100 Tage-Bilanz“ der „Ampelkoalition“ aus SPD, Grünen und FDP zu ziehen. Aber auch, um Näheres zu seiner Partei zu sagen.

Fulda Bei Betrachtung der Politik – egal ob auf kommunaler oderBundesebene – bemüht Brand, dem der 1. FC Köln seit jeher ein leidenschaftliches Herzensanliegen ist, sehr gerne den Fußball. Denn auch der sei ein Mannschaftssport, bei dem neben einem Handeln aus Überzeugung auch ein hohes Maß an Grundfröhlichkeit sowie an Demut und Beharrlichkeit vonnöten seien. Und natürlich wünscht sich der in Engelshelms Geborene, dass der CDU ein ähnlich positiver Lauf beschieden sein möge wie gegenwärtig dem Kölner Team.

„Wir sind in der Opposition angekommen und haben die Rolle angenommen“, antwortet er auf eine entsprechende Frage. Jetzt gehe es darum, mit der „Ampelkoalition“ eine inhaltliche Auseinandersetzung und konstruktive Debatten zu führen. Er sei froh, dass mit Friedrich Merz nun ein Mann an der Spitze der Partei stehe, der „Erfahrung, Ausstrahlung und Führungsqualitäten“ in sich vereine. Zudem habe Merz ein gutes Team um sich, das zum einen den Finger in Wunden legen, zum anderen aber auch eigene Vorschläge unterbreiten werde. Lob zollt Brand in diesem Zusammenhang Ralph Brinkhaus, der sich zugunsten von Merz von cder Fraktionsspitze zurück ziehen wolle: „Das ist eine wichtige und gute Geste, Brinkhaus hat sich damit in den Dienst der Mannschaft gestellt. Somit werden Partei- und Fraktionsvorsitz künftig wieder gebündelt“.

„Eigene DNA“

Apropos Mannschaft: Dass die CDU seit Jahrzehnten in der hiesigen Region erfolgreich sei, liege auch daran, dass das Team geschlossen und damit gut auftrete. „Das ist unsere ganz eigene DNA, die uns hier in Osthessen auszeichnet und dank der wir uns immer wieder neu motivieren“. Brand: „Ich selbst sehe mich als Lobbyist für die Region, dem – unter anderem – die Infrastruktur, die Breitbandversorgung, der Kitaausbau, die Stärkung des Mittelstandes und der weitere Ausbau des Bundespolizeistandortes Hünfeld sehr am Herzen liegen“. Der 48-Jährige freut sich darüber, vor Kurzem weiter als zuständiger Sprecher der CDU/CSU für die Bundespolizei bestimmt worden zu sein: „Das bleibt meine Truppe, die jede Unterstützung verdient! Sie spielt nicht nur in meinem Wahlkreis eine wichtige Rolle, sondern auch für die Sicherheit und Freiheit unseres ganzen Landes“. Gerade die jüngsten Ereignisse in Rheinland-Pfalz, die unfassbaren Morde an zwei jungen Polizisten, zeigten, welche Risiken die Beamten tagtäglich tragen und wie notwendig Rückhalt und Respekt für die Polizei seien.

Sichtlich stolz ist er auch auf das Projekt „Ausbau der ICE-Strecke Fulda-Frankfurt“, das schon auf dem Abstellgleis gestanden habe: „Wir haben es geschafft, es mit Ausdauer und Hartnäckigkeit im besten Wortsinne wieder auf die Schiene zurückzuholen.“ Das Vorhaben sei eine „der wichtigsten Weichenstellungen für Fulda und Osthessen auf Jahrzehnte“. Auch wenn es wegen Corona derzeit zu großen Einschränkungen kommt, so ist Brand doch bestrebt, konsequent mit den Menschen in seinem Wahlkreis in Kontakt zu bleiben: Sei es persönlich (dort wo es geht) oder aber im telefonischen Austausch. Ganz getreu seines Mottos „Mensch.Brand“.

Die politische Lage, besonders in der Ukraine, bereitet dem 48-Jährigen große Sorgen: Putin sei ein unkalkulierbar handelnder Aggressor, und der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gebärde sich „fast wie ein ausländischer Agent“, der die Lüge hoffähig mache, indem er der Ukraine Säbelrasseln vorwerfe. Die „Nord Stream 2-Pipeline“ ist für Brand unnötig und ein strategischer Fehler, den Bundeskanzler Olaf Scholz und die SPD dringend korrigieren sollten. Brand spricht sich im Sinne einer glaubhaften Abschreckung für die Lieferung von Defensivwaffen durch die Bundesregierung an die Ukraine aus, parallel zu diplomatischen Bemühungen. Er warnt generell davor, dass der Westen auf die unterschiedlichsten Arten in Gefahr sei, destabilisiert zu werden. „Deutschland ist nach wie vor die stärkste Volkswirtschaft in der EU, und da sollten wir uns weder größer noch kleiner machen. Derzeit befinden wir uns in einem Systemwettbewerb in der Frage, wer sich durchsetzen wird – Autokraten oder freiheitliche Demokratien.“ Es gehe um nichts weniger als um „Frieden, Freiheit und Sicherheit“.

Zu Olympia

Eindeutig auch diese Aussage des osthessischen Wahlkreisabgeordneten, der sich längst einen Namen gemacht hat als engagierter Verfechter der Menschenrechte und bundesweit respektiert wird: „China ist die größte Bedrohung für den Frieden in der Welt. Wir müssen versuchen, unabhäniger zu werden, gerade was die Technologien angeht.“ In solch einem Land, in dem die brutale Unterdrückung von Minderheiten an der Tagesordnung sei, finde nun die Winterolympiade statt, und die Bundesregierung habe sich nicht einmal zu einem diplomatischen Boykott durchringen können.

Beim Thema „Ampelkoaltion“ zeigt sich Brand verwundert angesichts der „Stockfehler“, die beispielsweise Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Finanzminister Christian Lindner (FDP) unterlaufen seien und gibt der neuen Regierung unter Bundeskanzler Olaf Scholz bislang ein „Mangelhaft“. Es habe den Anschein, als seien viele Maßnahmen zunächst einmal darauf ausgelegt, dieWunschprojekte der einzelnen Koalitionäre zu befriedigen als das Gemeinwohl in den Vordergrund zu stellen. Gerade der zunächst verkündete und dann abgesschwächte Stopp der „KfW“-Förderung habe auch in der osthessischen Region Fassungslosigkeit, Unmut und Unsicherheit hervorgerufen. Solche handwerklichen Fehler habe er nicht erwartet.

Dilettantisch sei auch das Vorgehen beim Thema „Impfplicht“, wo es innerhalb der Koalition keinen Konsens und keine Vorlage gebe. „Die Ausführungsbestimmungen fehlen“, so Brand, der als Grundvoraussetzung die Erstellung eines Impfregisters sieht. Ansonsten würden die Kommunen alleine gelassen. „„Ich bin ein Fan des Impfens, aber nicht der allgemeinen Impfpflicht - da sind zu viele Fragen ungeklärt“, betont Brand. Der 48-Jährige fordert auch bei diesem Punkt, dass die Politik kompromissfähig sein müsse. Die von der Union ins Spiel gebrachte „Flexible Impfpflicht“ sei eine gute Option und wert, diskutiert zu werden.

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