Was passiert eigentlich mit den Telefonzellen?

Die Telefonzelle an der Ecke Kurfürstenstraße/Sturmiusstraße.
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Die Telefonzelle an der Ecke Kurfürstenstraße/Sturmiusstraße.

Auch in Fulda entdeckt man hin und wieder mal eine alte Telefonzelle. So auch an der Ecke Kurfürstenstraße/Sturmiusstraße. Doch wer benutzt so eine Telefonzelle eigentlich noch? Fast jeder ist im Jahr 2021 mit einem Smartphone ausgestatten. Ist sie da nicht vollkommen überflüssig?

Fulda. Bundesweit sind mit Stand Dezember 2020 noch zirka 14.500 öffentliche Telefone in Betrieb. Zum Vergleich: In Deutschland kommen statistisch zirka 1,8 SIM-Karten auf jeden Einwohner.

„In den vergangenen Jahren ist die Zahl öffentlicher Telefonstellen nach und nach zurückgegangen“, erklärt George-Stephen McKinney, Pressesprecher der „Deutsche Telekom AG“. Der Grund ist die verstärkte Nutzung der Mobiltelefone. „In der Regel wurden und werden extrem unwirtschaftliche Standorte abgebaut, vielfach jedoch nur

einzelne Telefonhäuschen an Mehrfachstandorten. Dafür ist allerdings grundsätzlich das Einverständnis der jeweiligen Kommune und der Bundesnetzagentur nötig“, so McKinney. Er erklärt: „Wir beobachten ständig den Markt und die Nutzung unserer öffentlichen Telefone. Bei unseren Standort-Entscheidungen müssen wir abwägen zwischen dem öffentlichen Interesse an einer Versorgung mit frei zugänglichen Telefonen und den wirtschaftlichen Interessen unseres Unternehmens. Weiter beobachten wir seit Jahren eine Verlagerung der Nutzung von öffentlichen Telefonen hin zu den Mobiltelefonen. Aus diesem Grund haben viele Standorte (gerade im ländlichen Bereich) in der letzten Zeit an Bedeutung verloren.“ Eine bedarfsgerechte und flächendeckende Versorgung mit öffentlichen Telefonstellen werde allerdings nach wie vor von der „Telekom“ sichergestellt.

Mit der „Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände“ wurde deshalb vereinbart: Die „Telekom“ darf Städte und Gemeinden wegen eines Abbaus ansprechen, wenn auf deren Gebiet extrem unwirtschaftliche öffentliche Fernsprecher mit einem Umsatz von weniger als 50 Euro im Monat stehen.

Der Umsatz ist ein klares Indiz dafür, dass der Wunsch nach einer Grundversorgung durch die Bevölkerung an dieser Stelle offensichtlich nicht mehr besteht. In aller Regel stimmen die Kommunen unserem Ansinnen zu.

„Sollte es – in Ausnahmefällen – zu keinem Konsens bezüglich eines bestimmten Standorts kommen, tauschen wir das vorhandene öffentliche Telefon gegen ein deutlich günstigeres „Basistelefon“ aus (i.d.R. ein Metallpfosten, an dem ein Telefon angebracht ist). Dort kann man nur noch mit einer Telefonkarte telefonieren (keine Münzen). Notrufe sind selbstverständlich auch bei diesen Modellen ohne Telefonkarte möglich“, so McKinney.

Allein der Kunde entscheidet also durch sein Nutzungsverhalten (Nutzung und Bedarf hängen unmittelbar zusammen) selbst darüber, wo und in welcher Anzahl öffentliche Telefone zur Verfügung stehen. Überall dort, wo es auch wirtschaftlich Sinn macht, bleiben öffentliche Telefone der „Telekom“ auch in Betrieb. McKinney: „Wer möchte, kann sich außerdem eine alte Telefonzelle kaufen. Informationen über Verfügbarkeit, Preise und Konditionen können schriftlich per Mail erfragt werden an info@telekom.de.

Gelbe Telefonzellen sind allerdings nicht mehr zu erwerben, denn die letzte gelbe Telefonzelle wurde abgebaut.“

Mit dem Siegeszug des Handys ist die Geschichte der Telefonzelle also noch lange nicht zu Ende. Die meisten Menschen telefonieren zwar mittlerweile unterwegs lieber mit ihrem eigenen Handy, es gibt aber eine ganze Reihe von zusätzlichen Diensten, die die öffentlichen Telefone heute zu bieten haben – vorausgesetzt, sie sind entsprechend ausgestattet.

Darüber, wie viele Telefonzellen es noch in Fulda gibt, konnte die „Telekom“ keine Angaben machen.

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