Projekt in Memlos: Acht Rinder weiden für sich und die Natur

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Viele Macher und Unterstützer haben an einem Strang gezogen

Eichenzell - Naturschutz findet nicht nur in der Hohen Rhön statt, auch in der Fläche kann man Lebensräume für eine Vielzahl von Arten schaffen und erhalten. Aktuelles Beispiel dafür ist das Weideprojekt in dem Eichenzeller Ortsteil Memlos, das jetzt gestartet wurde. Und das Pilotprojekt soll kein Einzelfall bleiben, wünschen sich Vize-Landrat Frederik Schmitt und die Kolleginnen und Kollegen der beteiligten Fachdienste des Landkreises Fulda. „Was hier geschaffen wurde, ist für den Landkreis einmalig und nachahmenswert“, sagt Schmitt.

Ein Plan braucht einen Anstoß – und dann vor allem Menschen, die gemeinsam an einem Strang ziehen. Im Fall des Weideprojektes gab es eine erfreulich große Zahl von Machern und Unterstützern, die allesamt einen langen Atem bewiesen. Jetzt ist aus der Zusammenarbeit eine zehn Hektar große Weide entstanden, ein Areal, durch das die Lütter mäandert, und das nun Wohn-, Ess- und Schlafzimmer von derzeit acht Rindern ist.

In gewisser Weise ist es auch ihr Arbeitsplatz, denn die Nutztiere halten die Grünlandflächen offen und schaffen damit Lebensraum – beispielsweise für Wiesenvögel, aber ebenso für viele Insektenarten und Amphibien. Und auch das Bachbett entwickelt dadurch unterschiedliche Strukturen und bietet Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Genau das ist der Hintergrund des Konzeptes, dessen Hauptakteur das Fleckvieh von Jochen Semler ist. Er ist begeisterter Landwirt im Nebenerwerb und freut sich sehr über die neugeschaffene große Fläche, die gleichermaßen nützlich und ein Idyll ist.

„Zuvor hatte ich zwei Hektar, und das Ab- und Aufbauen der Koppel war in der Tat mühsam. Dass wir schließlich zusammengekommen sind, ist wirklich ein Segen“, sagt er und dankt Rieke Trittin, die beim Landkreis Fulda in den Fachdiensten Landwirtschaft sowie Natur und Landschaft tätig ist. Die Fachdienstleiter Martin Seuring (Natur und Landschaft) und Martin Sudbrock (Landwirtschaft) organisierten die Gespräche mit den Flächeneigentümern und die notwendigen rechtlichen Änderungen: Denn in erster Linie handelt es sich um Ausgleichsflächen, die nicht bewirtschaftet werden sollen.

„Wir haben hier die Ziele von Landwirtschaft und Naturschutz kombiniert“, sagt Sudbrock und erläutert: „Wenn man Flächen komplett sich selbst überlässt, dann steigt die Biodiversität – aber nur zunächst. Denn nach ein paar Jahren verbuscht das Areal. Erst durch eine extensive Nutzung erhält man beste Werte für die Natur, und der Landwirt kann auf diesen Flächen hochwertige Produkte erzeugen.“ Unterstützung bei der Vermarktung erhält Jochen Semler, der Anfang des Jahres auf Bio umgestellt hat und Mitglied im Verein Rhöner Biosphärenrind ist, durch den Bioanbauverband Biokreis.

Christian Schindel, geschäftsführender Gesellschafter von "RhönSprudel", lobt das Konzept, in das das Unternehmen als einer der Flächeneigentümer eingebunden ist: „Das Projekt ist eine tolle Sache, die wir gern unterstützen. Wir leben am Ende der Ressource, die über viele Jahre angereichert durch die diversen Gesteinsschichten zu Mineralwasser wird. Diese Ressource zu schützen, ist unser größtes Anliegen.“

Andreas Richardt Geschäftsleiter des Mineralbrunnens "Förstina", dem ebenfalls Flächen des Areals gehören, sieht sich auf ebensolche Weise dem Naturschutz verpflichtet. Die Weide befindet sich in Memlos zwischen den beiden Mineralbrunnen. Schautafeln an der Weide informieren Spaziergänger über das Projekt.

Interessenten können sich darüber informieren beim Landkreis Fulda, Fachdienst Natur und Landschaft, Telefon (0661) 6006 7046.

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