Fuldas Bischof mahnt Geschichtsbewusstsein an 

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Weihnachtspredigt von Bischof Dr. Michael Gerber im Dom zu Fulda: "Hassbotschaften, die zu schrecklichen Taten führen"

Fulda - „An Weihnachten feiern wir, dass Gott unserer Welt auf den Grund gegangen ist, dass er sich finden lässt in den Abgründen des menschlichen Lebens wie auf dem Grund unserer Seele – und das mag uns Grund zur Hoffnung und zur Zuversicht sein.“ Dies hob der Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber am Mittwoch im überfüllten Dom seiner Bischofsstadt hervor. 

In seiner Predigt am Weihnachtstag erinnerte der Oberhirte daran, dass die politische Ordnung Deutschlands und Europas nicht ohne die jüngere deutsche und europäische Geschichte zu verstehen sei. „Nicht zuletzt jüngere und jüngste Ereignisse zeigen uns erschreckend auf, dass vieles, was wir als selbstverständlichen Grundkonsens betrachtet haben, plötzlich wieder zumindest als ein weiteste Teile der Gesellschaft ergreifender Grundkonsens infrage gestellt wird.“ 

Die kommenden drei bis zehn Jahre seien entscheidend für das Geschichtsbewusstsein, da es die letzten Jahre der Zeugen des Zweiten Weltkrieges, der Shoah und dessen seien, wie man damals mit Leben umging, das als „unwert“ definiert wurde. Es gelte, nicht nur um die Geschichte zu wissen, sondern von ihr berührt zu sein und zu begreifen, „dass dahinter existenzielle Erfahrungen stehen, die auch eine Botschaft für uns heute haben.“ Wer noch die Gelegenheit hatte, die Zeugen im Original zu hören, trage eine Verantwortung aus der Geschichte für die Zukunft bis weit in die kommenden Jahrzehnte.

Zu Beginn seiner Predigt hatte der Bischof auf das Evangelium aus dem Johannes-Prolog hingewiesen: „Im Anfang war das Wort“. Von Anfang an habe die Kirche versucht, die Botschaft des Evangeliums in einen fruchtbaren Dialog mit der jeweils zeitgenössischen Philosophie zu setzen. „Dieser Dialog kann eine entscheidende Hilfe sein, um zu verstehen, was mit dem Evangelium gemeint ist und welche Bedeutung das Leben Jesu von der Krippe bis zum Kreuz für uns heute hat.“

 Der jährlich an Weihnachten wiederkehrende Text sei als Aufforderung zu verstehen, auch heute den Dialog zwischen zeitgenössischer Kultur und der Botschaft des Evangeliums zu suchen. Von Jahr zu Jahr steigere sich die Fülle an Worten gerade auch in der virtuellen Welt. Hier sei vieles hilfreich, in der Medizin sogar lebensrettend, doch gleichzeitig werde man auch Zeuge der zerstörerischen Wirkung von Worten: „Hassbotschaften, die sich gegenseitig hochschaukeln und die Gefahr in sich bergen, zu schrecklichen Taten zu führen, wie wir sie im Mord an Walter Lübcke und beim Anschlag in Halle erleben mussten.“ Zugleich bestehe die Gefahr, dass via soziale Medien die Meinung vieler Menschen im Hinblick auf Wahlen manipuliert werde.

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