Weiterer Fund bei den Grabungen an der Fuldaer Stadtmauer: Kanal aus der Barockzeit entdeckt

Archäologische Arbeiten in Fulda.
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Bei den archäologischen Ausgrabungen in Fulda kam ein weiteres Relikt der Vergangenheit ans Tageslicht.

Fulda - Wo auf der einen Seite der Fuldaer Dalbergstraße ein neues Büro- und Hotelgebäude in die Höhe gewachsen ist, wird gegenüber gerade in die Tiefe gegraben: Archäologen sind dabei, auf dem Gelände eines früheren Parkplatzes Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung zu dokumentieren. Dabei war zu Beginn der Grabung bereits der Fuß eines Stadtmauerturms freigelegt worden (wir berichteten). Inzwischen konnten Teile des über 3,5 m tiefen Stadtgrabens freigelegt werden und es hat sogar noch einen weiteren interessanten Fund gegeben: einen gemauerten Kanal, der offenbar aus der Barockzeit stammt.

Dr. Frank Verse, der Fuldaer Stadt- und Kreisarchäologe, ist sehr angetan von dem Fund, den das Team um Grabungsleiterin Marie-Christine Wenske von der Firma WiBA (Wissenschaftliche Baugrund-Archäologie, Marburg) gemacht hat: „Ein solcher Kanal war an dieser Stelle nicht unbedingt zu erwarten, das hat uns schon ein Stückweit überrascht“, so Verse. Zwar sind bei anderen Ausgrabungen nördlich der Dalbergstraße schon in früheren Jahren ähnliche Kanalabschnitte entdeckt worden, doch die ursprüngliche Funktion ist den Archäologen noch nicht klar. Fest steht hingegen, dass das Kanal-Mauerwerk aus der Barockzeit stammt, offenbar nach der Verfüllung des alten Stadtgrabens gebaut wurde und unterirdisch verlief. Die Höhe beträgt etwa 1,20 Meter. Augenscheinlich wurden beim Bau zunächst die beiden Außenmauern gesetzt und dann ein unechtes (mit Mörtel stabilisiertes) Gewölbe aufgesetzt. Ob im Kanal Frisch- oder Abwasser trans-portiert wurde, ist nicht eindeutig erkennbar. Angesichts der Tatsache, dass die Seitenwände und der Boden des Kanals sehr sauber sind, spricht jedoch einiges für eine Frischwasserzuleitung, möglicherweise in die Schlachthausgasse. Eine andere Theorie ist, dass der Kanal nur relativ kurze Zeit in Betrieb war und deshalb kaum Gebrauchsspuren zeigt. Eine Analyse der Bodenablagerungen soll hier Klarheit bringen: Ein hoher Phosphatgehalt wäre jedenfalls ein Anzeichen dafür, dass Abwässer transportiert worden sind.

Der genaue Verlauf ist ebenfalls unklar. Offenbar orientiert sich der Kanal zumindest abschnittsweise am Verlauf der Stadtmauer, ob aber eine Verbindung mit den schon vor Jahrzehnten entdeckten Kanalabschnitten am heutigen Parkhaus in der Brauhausstraße sowie im weiteren Verlauf der Dalbergstraße in Richtung Florengasse besteht, lässt sich nicht nachvollziehen.

Ziel der derzeit laufenden Ausgrabungen im Bereich zwischen Dalbergstraße, Gutenbergstraße und Florengasse ist, einen Geschichtserlebnis- und Naherholungsort zu schaffen und die ursprüngliche mittelalterliche Stadtbefestigung wieder erlebbar zu machen. Ob in dem Konzept auch der Kanal, der ja aus einer wesentlich späteren Zeit stammt, eine Rolle spielen kann, wird derzeit noch geprüft. Als nächste Schritte sollen nun zum einen die Statik der Mauer unter die Lupe genommen sowie zum anderen untersucht werden, ob sich im Bereich der Grundmauern des 1970 abgerissenen alten Kolpinghauses auch noch Reste des mittelalterlichen Florentor erhalten haben.

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