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´Wer ohne Sünde ist ...´

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Sie verfgt ber viel Charisma, ist ber alle Konfessionsgrenzen hinweg sehr populr, charmant, gut aussehend. Man nannte sie die

Sie verfgt ber viel Charisma, ist ber alle Konfessionsgrenzen hinweg sehr populr, charmant, gut aussehend. Man nannte sie die protestantische Ppstin", sie war die Stimme und das Gesicht der evangelischen Christen in Deutschland. Am Mittwoch ging eine brillante Kirchenkarriere jh zu Ende - nach nur vier Monaten. So geradlinig wie sie in ihrem Amt agierte, so konsequent war auch der Rcktritt. Das verdient uneingeschrnkten Respekt, Margot Kmann!

Sptestens seit die 51-Jhrige im Oktober zur Ratsvorsitzenden der EKD und damit zur hchsten evangelischen Kirchenreprsentantin berufen wurde, war die Bischfin von Hannover und frhere Generalsekretrin des Deutschen Evangelischen Kirchentags zu Fulda ein permanentes Medienevent, gehrte zu den ffentlichsten und meistbe-obachtetsten Menschen in diesem Lande. Schon im Vorfeld ihrer Wahl traten seinerzeit viele Kritiker auf den Plan, thematisierten uerst negativ ihre Schwchen" und Schicksalsschlge wie Scheidung und Brustkrebserkrankung. Und so Eine" soll an der Spitze der Evangelischen Kirche Deutschlands stehen? Nun blies der vierfachen Mutter nach einem fatalen Fehltritt ein noch schrferer Gegenwind ins Gesicht, weil sie ber eine rote Ampel gefahren und von einer Polizeistreife mit 1,54 Promille Alkohol im Blut gestoppt worden war. Ausgerechnet zur Fastenzeit eine Bischfin blau Auto. Wasser predigen und Wein saufen? Eine Steilvorlage fr ihre Kritiker - denen sie nun mit ihrem Rcktritt den Wind aus den Segeln genommen hat! Wo Menschen sind da menschelt es. Niemand ist unfehlbar. Und Heilige gibt es nur in der Katholischen Kirche - auch wenn die in jngster Zeit angesichts zahlreicher sexueller Missbrauchsdelikte viel von ihrem Glanz und Glorienschein verloren hat. Selbst wenn jetzt der oberste Mnch des bayerischen Benediktinerklosters Ettal wegen Nichtmeldens von Missbrauchsvorwrfen zurcktritt - das war von oben angeordnet und wirkte nicht wirklich berzeugend. Kein Vergleich zu Kmanns konsequenter, alleiniger, freiwilliger und souverner Entscheidung.Ihr Heuchler, Ihr Phariser - rufe ich jenen scheinheiligen und konservativen Kreisen aus Kirche, Politik und Militr zu, die jetzt Bedauern" und Betroffenheit" ber Kmanns Rcktritt zeigen. Andere sollten sich in ihrer Hme zgeln und nicht voreilig triumphieren. Denn in weiten Kreisen der Bevlkerung geniet die Bischfin nach wie vor und auch nach ihrer Fehlfahrt viel Sympathie und Solidaritt. Und jeder hat eine zweite Chance verdient.

In Wirklichkeit ging es bei der Affre Kmann" ja auch nicht um diese eine Promille-Fahrt. Die ist freilich unentschuldbar, das Verhalten absolut verantwortungslos. Nein, vielmehr sahen Manche aus der erzkonservativen Ecke darin eine willkommene Gelegenheit, diese unbequeme Christin zu diskreditieren, suchten nur nach einer passenden Gelegenheit, eine Reformerin abzuservieren, die ihre Finger in die Wunden einer sozial eiskalten Gesellschaft legte. Wie knnte man diese leidige Diskussion am besten beschreiben? Mit Jesus' biblischem Satz: Wer ohne Snde ist, der werfe den ersten Stein..."______________________________________________________________Ihre Meinung? Schicken Sie mir eine E-Mail: ehrensberger@fuldaaktuell.de

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