Wie werden Gottesdienste in der Corona-Zeit gefeiert?

Interview mit zwei Pfarrern aus Fulda.

Fulda - In Zeiten von Corona sind seit kurzer Zeit wieder Gottesdienste mit Gläubigen erlaubt. „Fulda aktuell“ sprach mir Stefan Buß, Pfarrer der Stadtpfarrkirche darüber, wie derzeit Gottesdienste gefeiert werden können.

FULDA AKTUELL: Finden in Ihrer Kirche wieder Gottesdienste statt?

STEFAN BUß: Seit dem 4. Mai finden in der Innenstadt von Fulda wieder öffentliche Gottesdienste statt. Täglich ist ein Gottesdienst vormittags in der Stadtpfarrkirche und abends im Dom. Am Samstag und Sonntag werden mehrere Gottesdienste in verschiedenen Kirchen der Innenstadtpfarrei gefeiert. Am Samstag/Sonntag werden derzeit telefonische Anmeldungen erbeten.

FA: Welche Hygiene- und Abstandsregeln haben Sie eingeführt?

BUß: Nach dem Schutzkonzept des Bistums haben wir eine Regelung festgelegt. Die Besucher müssen beim Eintritt in die Kirche ihre Hände desinfizieren. In Abständen von 1,5 Metern sind die Plätze markiert. Dadurch, dass immer eine Bankreihe frei bleibt, könne Bänke auch als Familienbänke aus einem Haushalt besetzt werden. Gegenstände dürfen im Gottesdienst nicht weitergereicht werden. Im Altarraum haben nur wenige Personen, die einen liturgischen Dienst begleiten, Platz. Die Hl. Kommunion wird, nachdem der Priester sich die Hände desinfiziert hat, ohne Spendeformel ausgeteilt.

FA: Halten sich die Kirchgänger an diese Regeln?

BUß: Bei den Gottesdienstbesuchern herrscht weitgehend Akzeptanz, was die Regeln betrifft. Vielen fällt das Gesangsverbot schwer. Ein Handzettel und Hinweise auf unserer Homepage informieren die Besucher. Wir versuchen nur wirklich wenige Hygienevorschriften anzusagen, damit der Gottesdienst nicht zum Abhaken einer Hygienevorschrift wird, sondern eine Feierlichkeit behält.

FA: Mussten Sie Gläubige aufgrund der begrenzten Platz-Kapazität abweisen?

BUß: Wir versuchen, auch einige Gottesdienste wie Pfingsten und Gruppengottesdienste ins Freie zu verlegen, da die Einhaltung der Hygieneregeln einfacher zu gestalten sind. Eine Erfahrung der ersten Tage ist es, dass viele Gläubige sehr zurückhaltend sind. Bisher sind immer noch Plätze frei. Vor allem Menschen aus den Risikogruppen ziehen es vor, eher noch zu Hause zu bleiben. Sicher braucht es auch hier eine Phase des allmählichen Wieder-Eingewöhnens. Aufgrund der Situation gibt es auch noch eine vorläufige Regelung der Gottesdienste.

FA: Wie sieht es mit Musik im Gottesdienst aus?

BUß: Derzeit ist der Gemeindegesang verboten. Einige wenige Sänger oder ein Kantor übernehmen den Gesang stellvertretend für die Gemeinde oder Solisten mit Gesang oder Instrumenten gestalten den Gottesdienst sozusagen mit „Ersatzmusik“.. Dies ist erforderlich, da die Gottesdienste aus der Stadtpfarrkirche auch weiterhin im Livestream übertragen werden. Dies muss bei der Gestaltung auch berücksichtigt werden. Instrumental und mit Solisten lässt sich derzeit auch einiges gestalten – oder ich greife selber auch mal gern zur Gitarre.

FA: Werden Sie Ihre Online- und Video-Angebote aufrecht erhalten? Falls ja, in welcher Form?

BUß: Die täglichen Gottesdienste und das Abendgebet aus der Stadtpfarrkirche bleiben weiterhin bestehen. Wir wollen das Angebot demnächst auch noch auf die Hl. Geistkirche ausweiten. Zum einen werden die Gottesdienste über den „YouTube“ Kanal auch in einige Altenheime der Stadt übertragen und auch die Livestreamgemeinde ist nur unwesentlich zurückgegangen. Das ist sicher eine Erfahrung der Coronakrise. Livestreamgottesdienste sind kein voller Ersatz für das Erleben eines Gottesdienstes im Kirchenraum, wird aber auch an Bedeutung gewinnen für Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht zum Gottesdienst kommen können. Auch Übertragungen von anderen Orten oder aus dem Freien werden an Bedeutung gewinnen. Jedenfalls ist über die Zeit der nichtöffentlichen Gottesdienste eine enge virtuelle Gemeinde gewachsen.

Stefan Buß, Pfarrer der Stadtpfarrkirche

Fulda - Für den Kooperationsraum Fulda Mitte/West der evangelischen Kirche in Fulda sprachen „Fulda aktuell“ mit Pfarrer Stefan Bürger von der Kreuzkirche, wie die evangelischen Gottesdienste in der Corona-Pandemie gestaltet werden. „Gottesdienste finden im Kooperationsraum Fulda Mitte/West einheitlich öffentlich wieder an Pfingsten statt. Bis dahin gibt es auch kleinere Andachtsformen, wie beispielsweise „mittwochabend“ (siehe Kasten). Hier feiern Bonhoeffergemeinde, Christuskirche, Matthäuskirche und Kreuzkirche etwa 30-minütige Andachten“, sagt Bürger. An der Kreuzkirche wird an Pfingstsonntag um 11 Uhr, auch ein fünfminütiger „Kinder-Impuls“ den Gottesdienst bereichern, ebenso am 1. und 3. Sonntag im Juni. „Wichtig ist uns das, weil viele junge Familien zu unserer Gemeinde gehören und Kindergottesdienst derzeit nicht möglich ist. Unsere Gemeindereferentinnen und die Teamleiterin des Kindergottesdienst werden sich dabei abwechseln. Überhaupt werden die Gottesdienste auch kürzer sein“, so der Pfarrer. Laut Bürger gelten bei den Gottesdiensten die gesetzlichen Abstandsregeln. So könne nur jede zweite Kirchenbank besetzt werden und in den Bänken müssten die Menschen – außer Haushaltsgemeinschaften – zwei Meter Abstand halten. Mund-Nasen-Schutz sei zum Ein- und Ausgang erwünscht, könne aber während des Gottesdienstes abgesetzt werden. Am Eingang der Kirchen sind Desinfektionsmittel vorhanden. „Die Menschen werden von Kirchenvorständen und anderen an ihre Plätze geleitet. Manche Gemeinden nutzen zur Erweiterung ihrer Räumlichkeiten auch die angebauten Gemeinderäume.

„Wir gehen davon aus, dass sich alle Gottesdienstbesucher an die Regeln halten, haben aber noch keine Erfahrungen gemacht. Diese folgen jetzt in kleinen Andachtsformen und familiären Taufen“, sagt Bürger. „Einige Gemeinden werden zukünftig zwei Gottesdienste hintereinander anbieten, wenn die eingeschränkten Platzkapazitäten erreicht sind.“ Gemeindegesang sei nicht möglich, Solisten jedoch schon, wenn sie vier Meter Abstand einhalten. „Hier und anderswo greifen wir auf MusikerInnen der Gemeinden zurück. An der Kreuzkirche laden wir Menschen dazu ein, sich solistisch durch Gesang oder instrumental am Gottesdienst zu beteiligen, Menschen können sich online unter der Frage ,Wo sind die Solosängerinnen und Musiker?‘ in eine Google-Liste eintragen“, erklärt Bürger. Diese ist unter https://kreuzkirche-fulda.de/kk15/de/News/Newsmeldung?newsid=410 zu finden.

Die Videoangebote im Kooperationsraum Fulda Mitte/West soll es laut dem Pfarrer es mindestens bis zu den Sommerferien zusätzlich weiter geben. „Wir wechseln uns dazu weiterhin ab. Neben den Gottesdiensten gibt es auch Online-Angebote für Kinder und mehr auf dem ,YouTube‘-Kanal von „Gemeinsam evangelisch“ (https://t1p.de/glox). Wir haben wahrgenommen, dass viele Menschen auch über unsere normalen Gottesdienstbesucher hinaus die Angebote angeschaut und positiv gewürdigt haben“, sagt der Fuldaer Kreuzkirchen-Pfarrer.

Pfarrer Stefan Bürger von der Kreuzkirche

Neue Andachtsreihe "mittwochabend"

Fulda - Am Mittwoch startete eine neue Andachtsform im Kooperationsraum Fulda-Mitte/West. Zunächst an vier Mittwochen bieten die Bonhoeffergemeinde, Christuskirche, Kreuzkirche und Trätzhof eine 30-minütige Andacht in ihren Kirchen an. „Wir freuen uns auf ein neues Andachtsformat in der Corona-Krise. Dabei haben vier Kirchengemeinden die Chance, jeden Mittwoch in ihre Kirche zu gehen und einen neue Andacht mit unterschiedlichen Pfarrerinnen und Pfarrer zu feiern“, sagt Pfarrer Stefan Bürger. Inhaltlich wird es Gebet, Stille, Musik und einen Impuls geben, auf Gesang muss derzeit ja leider verzichtet werden. Die Abstands- und Hygiene-Regeln der einzelnen Kirchen sind zu beachten. Jede Ortspfarrerin beginnt in ihrer eigenen Kirche und wechselt dann von Woche zu Woche. Am Trätzhof findet die Andacht im Freien statt, Stühle oder Picknickdecken sind mitzubringen. Bei Regen entfällt sie dort.

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