Wie „Hessen Mobil“ die Natur entschädigt

Bei Alsfeld wurde eine Obstbaumwiese als Ausgleich für  den Strassenausbau angelegt
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Bei Alsfeld wurde eine Obstbaumwiese als Ausgleich für den Strassenausbau angelegt

Viele werden sich erinnern: Im Jahr 2018 begann die Sanierung der Landesstraße 3458 zwischen Ebersburg-Ried und Eichenzell-Lütter. Ein gutes Jahr wurde die fast zwei Kilometer lange Strecke grundhaft saniert und ausgebaut. Für Bürger und die Öffentlichkeit ist diese Maßnahme inzwischen Geschichte. Nicht so für den Bereich Landespflege von „Hessen Mobil“.

Ebersburg/Eichenzell/Alsfeld. Auch jetzt noch, zwei Jahre nachdem der Ausbau beendet wurde, steht die L 3458 auf der Agenda von „Hessen Mobil“-Mitarbeiter Michael Lederle aus dem Sachgebiet Landespflege am Standort Fulda. Er kümmert sich um die Ausgleichsmaßnahmen zu diesem Projekt, die eine Entschädigung für die Natur für beispielsweise gefällte Bäume oder versiegelte Flächen sind. Dies kann auch teilweise über den eigentlich betroffenen Landkreis hinausgehen. Deshalb ist Lederle auch bei Alsfeld im Vogelsbergkreis unterwegs, wo eine Obstbaumwiese als Ausgleichsmaßnahme für die versiegelten Flächen und entfernten Bäume beim Straßenausbau angelegt wurde.

Michael Lederle erklärt dazu: „Natürlich kann ein junger Baum keinen Baum ersetzen, der schon 30 oder 40 Jahre alt war. Deshalb wurden hier auch deutlich mehr Bäume gepflanzt, als ursprünglich entfernt wurden. Da gibt es spezielle Berechnungen, mit denen bestimmt werden kann, wie viele und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um den versiegelten Boden und die entfernten Bäume zu ersetzen.“

Umweltschutz wird bei „Hessen Mobil“ großgeschrieben, weshalb die Abteilung Landespflege einen wichtigen Teil darstellt. Es ist nämlich nicht damit getan, ein paar junge Bäume in den Boden zu graben. Die Jungbäume sind nicht das einzige, was sich auf dem ehemaligen Acker verändert hat. Lederle erzählt, dass der gesamte Boden durch Wühlmäuse umgegraben wurde. „Das ist natürlich für neue Wurzeln nicht gut, die sollen nicht angefressen werden, da sonst der Baum leiden könnte“.

Deshalb gibt es um jeden Wurzelballen im Boden ein engmaschiges Gitter, durch das sich die Wurzeln zwar ausweiten können, die Wühlmäuse können jedoch nicht alle Wurzeln abfressen. Dieses Gitter verrottet nach einiger Zeit. Wenn die Bäume stark genug sind, macht es nicht mehr viel aus, falls doch eine Wurzel angefressen wird. Zusätzlich lässt „Hessen Mobil“ hier auch die Natur für sich arbeiten. Auf dem Feld sieht man auch drei große Holzgerüste mit Querstangen ganz oben, sogenannte Ansitzwarten. Hier sollen sich Greifvögel niederlassen, die dann den Wühlmausbestand ganz natürlich regulieren. „Biologische Schädlingsbekämpfung“, wie Michael Lederle es nennt. Später, wenn die kleinen Tierchen nicht mehr in dieser Vielzahl vorhanden sind, werden die Ansitzwarten wieder abgebaut, damit sich hier bodenbrütende Vogelarten niederlassen können.

Damit an den Obstbäumen auch Früchte wachsen, sollen Insekten durch eine großzügige Blumenwiese rund um die Bäume angelockt werden. Hier soll es im Sommer dann munter summen und brummen.

Auf der Obstbaumwiese ist Tag der Abnahme. „Wir müssen sicherstellen, dass alle Bäume gut angewachsen sind und ob die beauftragte Firma den weiteren Anforderungen wie der Pflanzung der Wildblumenwiese gerecht geworden ist“, erklärt Lederle. Für einen Laien sieht von Weitem alles gut aus: kleine Bäume mit kleinen Ästen, grünen Blättern und sogar ein reifer Apfel ist mittendrin erkennbar. Der Landespfleger hat aber das Auge für das Detail: weiter hinten, in der letzten Reihe, kann er ein paar Bäume erkennen, die zu trocken zu sein scheinen. Dort ist erkennbar, dass die Blätter vertrocknet oder schon abgefallen sind. Das schaut er sich genauer an und entscheidet, ob die Bäume ersetzt werden müssen.

Auf dieser Obstbaumwiese gibt es nicht nur Apfelbäume. Auch Birnen- und Kirschbäume sind hier zu finden. Die Sorten sind ganz speziell ausgewählt worden. „Die bekommt man nicht einfach im Baumarkt“, erklärt Lederle, „das sind ganz seltene und regionale Sorten, die speziell von Baumschulen gezüchtet werden“.

Neben dieser Obstbaumwiese gab es noch weitere Ausgleichsmaßnahmen im Rahmen des Ausbaus der L 3458. Zum einen wurde ein Wiesensaum zum Schutz einer speziellen Vogelart, der Goldammer, angelegt. Zum anderen wurden Ersatzpflanzungen auf anderen Grundstücken vorgenommen.

Da nicht nur Bäume auf Grundstücken des Landes Hessen entfernt wurden, sondern auch einige Bäume auf einem Privatgrundstück weichen mussten, ist „Hessen Mobil“ mit dem Eigentümer in Kontakt getreten, um über geeignete Ausgleichsmaßnahmen zu sprechen. Die Zusammenarbeit hat dort sehr gut funktioniert, denn dem Anwohner wurden neue Bäume im heimischen Garten gepflanzt, die Sorten des Obstes durfte er sich auch aussuchen.

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