"Wilke-Wurst": Auch Region Osthessen ist betroffen

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Die inzwischen geschlossene Produktionsstätte von „Wilke Wurstwaren“ in Twistetal im Kreis Waldeck-Frankenberg.

"Fulda aktuell" hat bei Krankenhäusern und Pflegeinrichtungen in Stadt und Kreis Fulda nachgefragt

Region - Der Skandal um die keimbelastete Wurst des Herstellers „Wilke“ aus Twistetal zieht immer weitere Kreise und reicht inzwischen auch in die Region Fulda hinein. Dies haben am Mittwoch Nachfragen von „Fulda aktuell“ sowohl bei Krankenhäusern als auch bei Pflegeeinrichtungen ergeben, die ihre Ware von Großhändlern bekamen. Die Frage mit der Bitte um Beantwortung lautete: „Wurde auch Ihr Haus/Ihre Häuser mit einem Produkt des Unternehmens versorgt?“

Wie Bastian Hans von der  Geschäftsführung der „Mediana Holding GmbH“  schreibt, „haben wir bereits am selben Tag, bevor die Pressemeldung zum Vorfall herauskam, alle Lieferungen gestoppt beziehungsweise haben die Lieferanten uns mitgeteilt, dass die Artikel nicht lieferbar sind. Vorhandene Lebensmittel von ,Wilke‘ wurden eingezogen. Ebenfalls haben wir alles dem Gesundheitsamt vorsorglich gemeldet und waren – so die Aussage vom Gesundheitsamt– die ersten, die diese Meldung im Landkreis Fulda im Bereich der Altenpflege getätigt haben und haben somit vorbildlich gehandelt“.

„Von der ,Wilke-Wurst‘ ist eine unserer Einrichtungen betroffen“, schreibt Sven Haustein,  Geschäftsführer der „St. Vinzenz Soziale Werke gGmbH“ Fulda“.  Die Wurst sei über einen Großhändler bezogen und bereits in der letzten Woche zurückgerufen worden. Haustein: „Von dem Großhändler aus der Region gab es ausführliche Informationen bezüglich der Gefahren und Risiken, und wir haben unsere Mitarbeiter auf mögliche Symptome belehrt und sensibilisiert“. Man habe diesen Fall aber auch für alle Einrichtungen zum Anlass genommen, „um zu schauen, wie wir im Rahmen unseres Risikomanagements in einem solchen Fall aufgestellt sind. Dazu haben wir uns mit allen Einrichtungsleitungen getroffen und das Thema ausführlich diskutiert. Ich halte es für wichtig, dies immer bei aktuellen Fällen zu tun, auch wenn man ein funktionierendes Qualitäts- und Risikomanagement installiert hat. Das haben wir übrigens auch getan, als Sie in ‚Fulda aktuell‘ vor einigen Wochen über die schwierigen Zustände einer Altenhilfeeinrichtung in unserer Region berichtet haben“. Das Thema Qualitäts- und Risikomanagement habe in dem Unternehmen einen sehr hohen Stellenwert und aktuelle Beispiele würden genutzt, die Systeme ständig zu hinterfragen, anzupassen und gegebenenfalls zu verbessern. Im aktuellen Fall der „Wilke-Wurst“ hätten die vorhandenen Systeme gut gegriffen. In puncto Lebensmittelverarbeitung arbeite man mit einem externen Dienstleister zusammen, der berate und gewisse Aufgaben übernehme.

Der „DRK“-Kreisverband Fulda betreibt im Kreis Fulda fünf stationäre Altenpflegeeinrichtungen, in denen nach Aussage von „DRK“-Geschäftsführer Christoph Schwab  verschiedene Pflegekonzepte und damit parallel auch unterschiedliche Versorgungswege angewandt werden. „Für unsere Einrichtungen in Hilders, Petersberg und Weyhers kann ich ausschließen, dass ,Wilke-Wurst' ausgegeben wurde. Diese Häuser werden von regionalen Versorgern beliefert“, so Schwab. Anders sähe es bei den beiden Fuldaer Einrichtungen „St. Lioba“ und „Heilig Geist“ aus. Diese würden unter anderem auch vom Großhandel beliefert und unter den 40 angebotenen Sorten Wurst seien drei Sorten von „Wilke“ gewesen. Sofort nach Bekanntwerden der Vorwürfe am 2. Oktober habe man reagiert und nicht nur „Wilke-Wurst“, sondern vorsorglich alle Wurstwaren, die beispielsweise in Kühlschränken gelagert worden seien, vernichtet. Schwab: „Inzwischen ist die Inkubationszeit vorbei und wir haben glücklicherweise keinen Krankheitsfall“. Gleichwohl übt der „DRK“-Geschäftsführer heftige Kritik an den Behörden: „Obwohl erste Anhaltspunkte bereits Mitte August vorlagen, kam erst viel später eine Warnung heraus“.

In den Pflegeheimen der „AWO“ gab es auch einige Wurstwaren, die ursprünglich aus der „Wilke“-Produktion stammten. Diese sind alle nach Bekanntwerden vollständig entsorgt worden. So Sigrid Wieder von der Öffentlichkeitsarbeit der „AWO Nordhessen in ihrer Antwort.

Wie Barbara Froese, Pressesprecherin des „Klinikums Fulda“,  mitteilt habe die Küche des Klinikums „in der Vergangenheit Produkte der Firma ,Wilke‘ über den Großhandel bezogen“. Am 2. Oktober sei man von dem Großhändler über den Verdacht von Listerien in Brühwurstprodukten von „Wilke“ informiert worden. „Daraufhin wurden sämtliche Bestände umgehend entsorgt“, so Froese.

Laut Gudrun Käsmann, Leitung Unternehmenskommunikation der „Helios“-Kliniken in Hünfeld und im Oberwald  (Grebenhain), „kann ich Ihnen nach Rücksprache mit unserem Küchenchef mitteilen, dass wir nicht mit Produkten der Firma ,Wilke‘ beliefert wurden“.

Und auch Viktoria Schmitt von der Öffentlichkeitsarbeit des „Herz-Hesu-Krankenhauses“ Fulda  schreibt, dass das Haus „nicht mit Produkt(en) des Unternehmens ,Wilke‘ aus Nordhessen versorgt wurde“.

Wie Diözesan-Cariasdirektor Dr. Markus Juch  zu der Thematik mitteilt, „haben wir alle unsere zuständigen Ressortbereiche ausdrücklich darauf hingewiesen, keine Lebensmittel der Firma ,Wilke‘ in den Verbrauch zu geben. Natürlich werden bei uns behördliche Hinweise zur Lebensmittelhygiene umgehend beachtet“.

„Im ,Vitanas Senioren Centrum‘ wurde keine Wurst der Firma ,Wilke‘ bezogen“, teilt auf Anfrage Daniel Funke von der Centrumsleitung der Einrichtung in der „Fulda Galerie“ mit.

Am Donnerstag wurde überdies bekannt, dass die „Wilke-Wurst“ auch in mehreren Studenten-Mensen und -Cafeterien über die Theke ging. „Wir hatten Putenbrust, Kochschinken und Frühstücksschinken von der Firma ,Wilke‘“, berichtet Eva Mohr, Sprecherin des „Studentenwerks Gießen“,  laut „hr“. Das Studentenwerk betreibt unter anderem auch die Mensa der „Hochschule Fulda“. Mohr zufolge hatte ein Mitarbeiter des „Studentenwerks Gießen“ am 2. Oktober, als der Skandal bekannt wurde, im Radio von dem Fall gehört und die Hochschulgastronomie informiert. Die habe direkt alle ,Wilke‘-Produkte sperren lassen: „Innerhalb von einer halben Stunde waren bei uns alle ,Wilke“-Erzeugnisse aus dem Sortiment verschwunden, präventiv, noch bevor der Rückruf kam“.

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