Willkommens-Kultur: Flüchtlings-Zeltlager am Polizeipräsidium

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Die Flüchtlinge werden in Fulda herzlich willkommen geheißen. Zahlreiche Helfer arbeiten mit und Politiker informieren sich.

Osthessen. Tausende Menschen flüchten derzeit aus dem Nahem Osten und Afrika nach Europa. In Fulda eröffnete in dieser Woche ein Flüchtlings-Zeltcamp, in dem derzeit rund 290 Menschen leben, in Hünfeld eröffnet ein Flüchtlingsheim in der nächsten Woche. Auf der Wasserkuppe sind weitere 93 Menschen untergebracht.

In Fulda ist das Zeltlager, das bis zu 500 Flüchtlinge aufnehmen kann, auf dem Parkplatz des Polizeipräsidiums Osthessen aufgebaut worden. Die Zeltstadt ist mit Zäunen und Planen vor den Blicken geschützt. Zahlreiche Helfer sind im Einsatz, um einen reibungslosen Ablauf in der Zeltstadt zu gewährleisten. Vor allem das "Deutsche Rote Kreuz”, die "Malteser”, das "Technische Hilfswerk” und die Feuerwehr kommen zum Zuge.

"Die Stimmung ist sehr ruhig und friedfertig im Camp und es sind sehr nette Menschen hierhergekommen”, sagte Stefanie Bode, Pressesprecherin der "Malteser”.

Der Zugang zum Zeltlager ist streng bewacht. Sicherheitskräfte überprüfen jeden, der Zugang erlangen möchte. Doch natürlich sind die Flüchtlinge keine Gefangenen, so dass sie sich auch außerhalb des Geländes frei bewegen können. Man sieht kleine Grüppchen mit Menschen, die dort herumspazieren oder sich unterhalten. Draußen sind es meist Männer.

Laut dem aktuellen Stand des Regierungspräsidiums Gießen, unter dessen Verantwortlichkeit das Lager in Fulda steht, kamen aus Syrien 2.986, aus Afghanistan 1.531, aus Albanien 1.209, aus Pakistan 714 und aus Eritrea 671Flüchtlinge nach Hessen.

"Heute sind in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (HEAE) in Gießen mit ihren Standorten in Gießen, Neustadt, Kassel, Rotenburg, Bad Arolsen, Kirchheim, Wetzlar, Marburg, Limburg, Bensheim und Darmstadt insgesamt 12.071 Flüchtlinge untergebracht”, heißt es in einer Pressemitteilung des Regierungspräsidiums vom Donnerstag dieser Woche.

Die Unterstützung für die Flüchtlinge ist groß. "Es herrscht eine Willkommenskultur, die alle Bürger stolz machen kann”, sagt Stefanie Bode. "Seit Bekanntwerden der Sammelstelle für Sachspenden sind dort im Minutentakt Anrufe und Spenden eingegangen.”

Hunderte Kartons mit Kleidung werden derzeit von den freiwilligen Helfern gesichtet und sortiert. "Wir danken allen Bürgern für diese Welle an Hilfsbereitschaft. Wir konnten durch die Spenden viele Bedarfe decken und bitten die Menschen ganz herzlich, sich ab sofort immer erst im DRK-Knotenpunkt zu erkundigen, welche Bedarfe aktuell bestehen. So können wir gezielt weiter helfen", informiert die Einsatzleitung aus "DRK” und "Maltesern”.

Auch zahlreiche Politiker aus Bund, Land, Kreis und Stadt haben sich einen ersten Einblick über das Zeltcamp in Fulda gemacht. Der Staatssekretär für Integration und Antidiskriminierung, Jo Dreiseitel, der das Camp am Mittwoch besuchte, forderte eine "Europäische Lösung”  für das Flüchtlingsproblem. Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld sagte wärend des Treffens, dass noch vor dem Winter andere Lösungen gefunden werden müssten. Das Zeltlager beim Polizeipräsidium sei nur eine "Übergangslösung”. Es würden auch Immobilien im Landkreis geprüft, um dort neue Flüchtlingsheime einzurichten.

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Osthessen. Insgesamt rund 37 Millionen Euro erhalten die kreisfreien Städte und Landkreise in Hessen vom Bund für die Flüchtlingsversorgung als finanzielle Unterstützung.

Der Hessische Minister für Soziales und Integration, Stefan Grüttner, nannte die Auszahlung der Mittel "einen starken Beleg für den Einsatz des Landes" für die Belange der Hessischen Kommunen. "Wir haben als erstes Bundesland eine nationale Asylkonferenz gefordert und den Bund um koordinierende Unterstützung wie auch finanzielle Mittel für die Länder und Kommunen gebeten. Ich freue mich, dass aus meinem Impuls heraus nun dieses Ergebnis zu verzeichnen ist", sagte Grüttner. Der Landkreis Fulda erhält auf diesem Weg 1.592.888,20 Euro.

Mit Blick auf die weiter steigenden Flüchtlingszahlen stellte Grüttner aber auch klar, dass die Unterbringung der Menschen, die Schutz vor Krieg und Gewalt suchten, eine der großen Herausforderungen in den kommenden Jahren, und damit eine der "Zukunftsaufgaben" sei, die Bund, Land und Kommunen, nur gemeinsam lösen könnten.

"Der Bund ist weiterhin in der Pflicht, die Länder finanziell und organisatorisch zu unterstützen. Alleine in Hessen werden die Ausgaben für diesen Bereich im Haushalt 2016 von rund 400 Millionen Euro um 60 Prozent auf dann rund 630 Millionen Euro steigen. Und wir benötigen die Unterstützung des Bundes bei der Suche nach geeigneten Liegenschaften, um die Flüchtlinge gut unterbringen zu können", forderte Grüttner.

Hessen prüfe intensiv geeignete Unterbringungsmöglichkeiten. "Wir haben in Hessen in den Erstaufnahmeeinrichtungen derzeit über 9.000 Menschen. Wir haben als Land bereits viel geleistet, indem wir im Rahmen des Maßnahmenpaketes "Asyl” aus dem September 2014 in nur wenigen Monaten neue Liegenschaften für Unterbringungen finden und belegungsbereit machen konnten. Dazu zählen Neustadt (seit Mai belegt), Rotenburg (seit August belegt), Büdingen (Belegung im Herbst), Kassel-Niederzwehren und viele weitere Standorte, die in Prüfung sind.

"Durch die Bundesmittel in Höhe von 37 Millionen profitieren die Kommunen unmittelbar und werden bei ihrer Aufgabe weiter entlastet. Die Hessische Landesregierung steht ebenfalls zuverlässig an der Seite der Städte und Gemeinden", sagte der Sozialminister abschließend zu.

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Dank an HelferStaatssekretär im Fuldaer Flüchtlingscamp

Fulda. Am Mittwoch hat der Staatssekretär und Bevollmächtigte für Integration und Antidiskriminierung, Jo Dreiseitel, die Flüchtlingsunterkünfte in Fulda und in Gersfeld (Rhön) besucht.

"Es ist der Hessischen Landesregierung ein wichtiges Anliegen, Personen, die hier Schutz vor Krieg und Elend suchen, eine sichere Unterkunft zu bieten. Dass wir derzeit – wie viele andere Bundesländer auch – übergangsweise auf Zelte zurückgreifen müssen, ist aufgrund der weiter stark ansteigenden Zahl von Flüchtlingen derzeit notwendig. Das hat auch damit zu tun, dass in den Hessischen Erstaufnahmeeinrichtungen aktuell 12.071 Menschen – davon rund 5.500 in Gießen – untergebracht sind", erklärte der Bevollmächtigte für Integration und Antidiskriminierung. "Ich danke allen Helfern in Fulda und in Gersfeld im Namen der Hessischen Landesregierung für ihre schnelle und tatkräftige Unterstützung. Ohne das vorbildliche Engagement der Hilfsorganisationen wäre es nicht möglich, das Land Hessen kurzfristig in dieser schwierigen Situation der sehr schnell steigenden Flüchtlingszahlen zu unterstützen", sagte Dreiseitel.

"Gegenüber diesen Menschen haben wir eine gemeinsame humanitäre Verantwortung, denn wir leben im Vergleich zu vielen anderen Ländern in Sicherheit und Wohlstand – und in Frieden. Es ist also selbstverständlich, dass wir helfen müssen und helfen wollen – auch wenn das eine große Herausforderung darstellt", erklärte Dreiseitel.

"Nach der neuen Prognose des BAMF, nach denen Deutschland etwa 800.000 Flüchtlingen in diesem Jahr aufnehmen muss, bedeutet das für Hessen, dass wir etwa 58.00 Menschen unterbringen müssen. Dafür werden wir mit aller Kraft alles tun. Wir werden in Kasernen unterbringen und wollen auch Containerlösungen Traglufthallen oder Holzhausbauweisen nutzen", ergänzte er.

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