Windkraft-Pläne: Befürchtungen des Hünfelder Bürgermeisters

Windkraftanlagen könnten bald auch in den Gemarkungen Hünfeld und Burghaun zu sehen sein
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Windkraftanlagen könnten bald auch in den Gemarkungen Hünfeld und Burghaun zu sehen sein

Nicht-Fachleuten sagen die Bezeichnungen „FD 16“, „FD 20“ und „FD 22“ wahrscheinlich nichts. Kenner der Materie aber werden wissen, dass damit Vorranggebiete für Windkraftanlagen gemeint sind. Die genannten Areale wiederum betreffen sowohl direkt als auch indirekt das Stadtgebiet von Hünfeld, wo drei Unternehmen angekündigt haben, insgesamt fünf Windräder mit jeweils rund 166 Metern Nabenhöhe und einer Gesamthöhe von 235 Metern bauen zu wollen. Die Leistung liegt bei bis zu sechs Megawatt.

Hünfeld Vier davon sind auf Burghauner Seite geplant, eine will „Abo-Wind“ auf Hünfelder Areal im so genannten „Vorrangebiet FD 20“ nahe Michelsrombach bauen. Der Projektierer verfolgt zugleich weiter gehende Pläne, soll mit dem Windstrom doch so genannter „Grüner Wasserstoff“ erzeugt und für Brennstoffzellen in Lkws der neuen Generation genutzt werden. Dies war am Dienstag auch in einer Pressemitteilung der „Region Fulda GmbH“ öffentlich geworden, wonach „Abo-Wind“ die Eröffnung einer Wasserstofftankstelle in Michelsrombach für 2024 plant. Hintergrund ist das so genannte „Hy-Wheels-Projekt“.

Auf Anfrage von „Fulda aktuell“ nahm am Mittwochabend im Gespräch der Hünfelder Bürgermeister Benjamin Tschesnok zum aktuellen Sachstand Stellung. Die Stadt hatte vor Kurzem zu einer Bürgerversammlung eingeladen, die – so auch Tschesnoks Eindruck – von großer Sachlichkeit geprägt gewesen war. Die drei Unternehmen „PNE“, „wpd“ und eben „Abo-Wind“ hatten dabei ihre Pläne erläutert.

Der Bürgermeister betont gegenüber unserer Zeitung, dass die Kommunen vor Ort „so gut wie keinen Einfluss“ auf das Genehmigungsverfahren hätten, zuständig sei das Regierungspräsidium (RP) Kassel. Die Stadt könne ebenso wie die Marktgemeinde Burghaun als Anlieger-Kommune vom Ertrag der Windkraftanlagen über die Kommunalabgabe gemäß „EEG“ im niedrigen fünfstelligen Bereich profitieren. Zudem könnten im Sinne regionaler Wertschöpfung heimische Firmen etwa beim Wege- und Kabelbau oder auch bei Wartung und Reparatur mit Aufträgen bedacht werden, kündigten die Projektierer an.

Tschesnok formuliert eindringlich, dass die Stadt Hünfeld den Genehmigungsprozess „weder forcieren noch behindern, aber begleiten kann“. Und er verhehlt nicht seine Befürchtung, dass die geplanten Anlagen das Landschaftsbild stark verändern werden. Dies gelte im Übrigen auch, wenn die Vorrangflächen im Stadtgebiet bebaut würden, die sich als Staatswald im Besitz von „Hessen Forst“ befinden.

Man habe überschlagen, dass zwischen 40 und 50 Anlagen dort entstehen könnten. Der Bürgermeister nennt als Standorte unter anderem den Michelsrombacher Wald sowie die Roßkuppe und Rotlöwenkuppe in der Dammersbacher Gemarkung beziehungsweise zwischen Dammersbach und dem Hofbieberer Ortsteil Traisbach.

Tschesnok zufolge werde sich den von der neuen Bundesregierung im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Klimazielen alles andere unterordnen müssen – darunter wohl auch die Belange des Naturschutzes und letztlich auch die Lebensqualität. „Die Energiewende hat Vorfahrt, alles andere wird an den Rand gedrängt. Das ist politisch so gewollt“. Die Lasten werde der ländliche Raum tragen, befürchtet der Hünfelder Verwaltungschef.

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