"Winfridia"-Konzert: Wohltuender Ruhepunkt und Gelegenheit zum Innehalten

Der "Städtischen Konzertchores Winfridia Fulda" führte zum Fuldaer Stadtfest eine bunte Mischung unterschiedlicher Epochen auf.

Fulda. „Feiert den Klang eurer Stadt!“ – das Motto des diesjährigen Stadtfestes nahm auch der Städtische Konzertchor Winfridia Fulda zum Anlass, um sich im Rahmen eines einstündigen Konzertes mit seiner spezifischen Klangfarbe einzubringen. Die zahlreich erschienen Zuhörer erlebten im Forum Kanzlerpalais eine trotz der sommerlichen Temperaturen hoch- konzentrierte und stimmlich ausgewogene „Winfridia“. Der Konzertchor nutzte die räumlichen Gegebenheiten des modern gestalteten Saales und präsentierte sich quasi „hautnah“ im Rahmen eines Gesprächskonzertes seinem Publikum.

Chordirektor Carsten Rupp, der auch die Begleitung am Klavier übernommen hatte, führte mit seiner Moderation durch das musikalisch und inhaltlich kontrastreiche Programm. „Die ausgewählten Titel verbindet, dass sie die Facetten menschlichen Lebens in verschiedenen Kulturen und zu unterschiedlichen Zeiten aufzeigen und somit in gewisser Weise auch für uns heute bedeutsam sind“, erläuterte Rupp die Konzeption des Konzertes, die dem Leitgedanken „Musik für das Miteinander“ folgte.

Eröffnet wurde das Konzert mit dem sehr gefühlvollen hebräischen Liebeslied „Erev shel shoshanim“. Die Chorballaden „The Slave’s Dream“ (Des Sklaven Traum) und „The Good Part, That Shall Not Be Taken Away“ (Das gute Teil, das nicht von ihnen hinweggenommen werden soll) von Samuel Coleridge Taylor (1875 – 1912) thematisieren das oft menschenunwürdige und entbehrungsreiche Leben der Afro-Amerikaner im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert in den USA. Die Texte, die auf Gedichten von H. W. Longfellow basieren, wurden von Coleridge Taylor unter Nutzung von Stil-Elementen „schwarzer“ Musik sowohl rhythmisch-melodisch als auch harmonisch effektvoll vertont.

Ausgewählte kompositorische Besonderheiten in den verschiedenen Werken, zum Beispiel die lautmalerische Darstellung der Prärie mit Löwengebrüll und Hyänengeheul bei Coleridge Taylor, wurden von Chordirektor Rupp exemplarisch erläutert und durch den Chor vorgestellt, was der folgenden Gesamtdarbietung seinen besonderen Reiz verlieh. Robert Schumanns „Zigeunerleben“, das einen eher romantisierten Blick auf das Leben der Sinti und Roma wirft, gestaltet der Konzertchor temporeich und mit einem dynamisch großen Bogen. Sowohl „On the beach at night alone“ aus „A Sea Symphony“ von Ralph Vaughan Williams (Solisten: Horst Michel / Eckard Beesk) als auch der A-Capella-Choral „Sensin kerim“ aus dem Oratorium „Yunus Emre“ des türkischen Komponisten Ahmad Adnan Saygun sind Teile aus Konzertprogrammen des Städtischen Konzertchores Winfridia. Sie widerspiegeln auf musikalisch unterschiedliche, aber gleichermaßen emotionale Weise den menschlichen Traum eines friedvollen Zusammenlebens.

Das Gebet „Verleih und Frieden“ von Felix Mendelssohn Bartholdy beendet ein Konzert des Städtischen Konzertchores Winfridia Fulda, das, wie eine Zuhörerin am Ende sagte, einen wohltuenden Ruhepunkt und Gelegenheit zum Innehalten geboten hat. „Dem Wunsch nach einer Zugabe kommt der Städtische Konzertchor gerne nach“, so der Chordirektor Carsten Rupp in seiner Abschlussmoderation, und verwies augenzwinkernd auf das nächste Konzert „Carmina Burana in Motion“ am 2./3. November.

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