Fuldaer "Winfried-Preis" für den Europäer und Freiheitskämpfer Gauck

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Ehemaliger Bundespräsident am Mittwochabend im Stadtschloss gewürdigt / Laudatio von Hans-Gert Pöttering

Fulda - Es war eine sehr bemerkenswerte knapp zweistündige Feier, die am Mittwochabend im Fürstensaal des Fuldaer Stadtschlosses stattfand: Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck wurde mit dem "Winfried-Preis" der Stadt Fulda ausgezeichnet. Nach Überzeugung der "Dr.-H.-G.-Waider-Stiftung", die den Preis in Abstimmung mit der Stadt Fulda und in enger Kooperation mit dem Bistum seit 2001 vergibt, hat sich Gauck in seinem gesamten öffentlichen Wirken, aber insbesondere in seiner Amtszeit als Bundespräsident, bemerkenswerte Verdienste um den interkulturellen Austausch und das Zusammenwachsen Europas erworben. Bereits der im Jahr 2015 verstorbene Stifter des "Winfried-Preises", der 1926 in Fulda geborene Heinz G. Waider, hatte noch zu Lebzeiten geäußert, dass ihm eine Würdigung Gaucks ein besonderes Anliegen wäre.

Mit dem "Winfried-Preis" der Stadt Fulda werden Persönlichkeiten geehrt, die sich in besonderem Maße um die Völkerverständigung verdient gemacht haben. Namensgeber ist der Heilige Winfried Bonifatius. Der missionarische Wirkungskreis des Heiligen hatte sowohl in geistiger als auch in geografischer Hinsicht eine völkerverbindende und friedensstiftende Dimension. Mit dem "Winfried-Preis", der mit 10.000 Euro dotiert ist, soll an dieses Handeln erinnert werden. Ausgezeichnet werden deshalb Personen, die den europäischen und völkerverbindenden Gedanken des Heiligen Bonifatius in ihrem Handeln fortführen.

Auf den 78 Jahre alten Gauck trifft dies nach Überzeugung des Preiskuratoriums in besonderer Weise zu. Das galt freilich auch für den  Laudator, den ehemaligen Präsidenten des Europäischen Parlaments und langjährigen Vorsitzenden der "Konrad-Adenauer-Stiftung", Hans-Gert Pöttering. Dieser würdigte den früheren Bundespräsidenten, der von 2012 bis 2017 amtiert hatte, unter anderem als einen überzeugten Europäer und als einen Menschen, der zeit seines Lebens für die Ideale der Freiheit und Menschlichkeit gekämpft habe. Pöttering, der dem Europaparlament von 1979 bis 2014 ununterbrochen angehört hatte, appellierte an die Anwesenden, sich auf die gemeinsamen europäischen Werte zu besinnen.

Zu Beginn hatte Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld die etwa 400 Gäste willkommen geheißen, die der Einladung in den Fürstensaal des Stadtschlosses gefolgt waren. Wingenfeld überreichte den Preis gemeinsam mit  Bettina Langer, der Tochter des Preisstifters Heinz G. Waider. In einer sehr prägnanten Dankesrede rief Gauck dazu auf, eine "zielorientierte Entschleunigung" zu wagen. Es gehe darum, wieder jene Menschen zu erreichen, die sich zunehmend vom europäischen Gedanken abwandten und eine "Retro-Politik" mit nationalen Vorstellungen verfolgten.

Bevor es bei einem Umtrunk die Möglichkeit zum Gespräch gab, trugen sich alle in das "Goldene Buch" der Stadt ein. Musikalisch gestaltet wurde die Feier von Marina Gajda, Anton Löbens und David Andruss (alle Klavier) sowie von Natalya Oldenburg an der Viola.    

Im vergangenen Jahr war der frühere Präsident des Deutschen Bundestages, Professor Dr. Norbert Lammert, mit dem "Winfried-Preis" gewürdigt worden. Die Laudatio hatte der ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und später von Thüringen, Dr. Bernhard Vogel, gehalten.

(Ausführliche Berichterstattung über die Gauck-Ehrung in unserer Printausgabe am Samstag)

Rubriklistenbild: © Pietschmann

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