Winfriedpreis für "Brückenbauer" Lammert

Professor Norbert Lammert (Mitte) nahm den Preis aus den Händen von Bettina Langer, der Tochter des Preisstifters, sowie von OB Dr. Heiko Wingenfeld entgegen.

Ehemaliger Bundestagspräsident nimmt hohe Auszeichnung in Fulda entgegen

Fulda - „Wenn die Europäer in der Welt von morgen überhaupt noch wahrgenommen werden wollen, dann nur, wenn sie zusammenstehen!“: Mit diesem Appell und einem flammenden Plädoyer für ein geeintes Europa hat der ehemalige Bundestagspräsident Professor Norbert Lammert in Fulda den Winfriedpreis 2017 aus den Händen von Fuldas Oberbürgerbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld und von Bettina Langer, der Tochter des Preisstifters Heinz G. Waider, entgegengenommen.

Zuvor hatte der Laudator - der ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen, Professor Bernhard Vogel – den Preisträger ausführlich gewürdigt. Zwar sei es „nicht leicht, Norbert Lammert zu loben“, wie Vogel angesichts der Fülle an Auszeichnungen und Würdigungen, die Lammert bereits erhalten habe, mit einem Augenzwinkern anmerkte, „doch man muss sich schon nach Fulda begeben, um noch etwas Neues zu dem Vielgeehrten und Vielgelobten beitragen zu können“, fügte Vogel mit Hinweis auf die besondere, christlich gefärbte Ausrichtung des Winfriedpreises an. In die Abfolge der bisherigen Preisträger reihe sich Lammert jedenfalls würdig ein. Dem Amt des Bundestagspräsidenten habe er in seiner zwölfjährigen Amtszeit „neue Strahlkraft, neues Ansehen und neue Autorität“ verliehen. Dabei verstehe er es, in der Kulturpolitik Brücken zu bauen zwischen Macht und Geist und dieses Spannungsverhältnis aufzulösen.

Grenzen überwinden – das sei Lammerts Credo auch mit Blick auf die christlichen Konfessionen, betonte Vogel. Und eine dringende Bitte an den Parteifreund und langjährigen Weggefährten fügte Vogel an, sich nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag nicht vollständig zur Ruhe zu setzen: „Deutschland braucht Dich, den protestantisch veranlagten Katholiken, den Brückenbauer Norbert Lammert!“

Fuldas OB Wingenfeld hatte in seiner Begrüßung auf besorgniserregende Entwicklungen in Europa und der Welt seit der Preisverleihung im vergangenen Jahr hingewiesen, wie etwa auf das Brexit-Votum der Briten oder die Wahl Donald Trumps in den USA. Umso mehr komme es darauf an, sich im Sinne des Preisstifters „auf das gemeinsame europäische und christliche Erbe neu zu besinnen“, sagte Wingenfeld: „Dieser Preis ist nicht nur eine Würdigung der Preisträger, sondern vor allem eine Ermutigung für und auch ein Appell an uns alle.“

Der Preisträger bewies in seiner Dankesrede eindrucksvoll, warum er im Bundestag und weit darüber hinaus für seine Gedankenschärfe und rhetorische Brillanz bekannt ist. Nach der humorvollen Feststellung, an den Lobreden auf ihn sei „nichts offensichtlich falsch, aber doch manches stark übertrieben“ gewesen, nahm er seine Auszeichnung in der Bonifatiusstadt Fulda und auch das Reformationsjubiläum zum Anlass, über das Spannungsverhältnis zwischen Politik und Religion nachzudenken. Dabei stellte er mit Blick auf die aktuell verbreitete Sorge vor einem religiös motivierten Fundamentalismus in allen Teilen der Welt nüchtern fest: „Die Inanspruchnahme der Religion für politische Zwecke ist keine Erfindung der Neuzeit – die gegenseitigen Versuche der Vereinnahmung gab es vielmehr in allen Epochen der Menschheitsgeschichte.“

Im Anschluss an die Preisverleihung, die von Stephanie Vautz (Querflöte) und Renate Hunold (Klavier) von der Musikschule der Stadt Fulda musikalisch umrahmt wurde, trugen sich Lammert und Vogel sowie weitere Ehrengäste und auch zahlreiche Bürgerinnen und Bürger in das Goldene Buch der Stadt ein.

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