„Wir hängen in der Luft“: Petersbergs Bürgermeister Froß zur Coronakrise

Carsten Froß, Bürgermeister der Gemeinde Petersberg.

In Petersberg macht sich Bürgermeister Carsten Froß Gedanken über die Gemeindefinanzen in der Coronakrise.

Petersberg - Die Corona-Pandemie hat auch finanzielle Auswirkungen auf die Gemeinde Petersberg. „Fulda aktuell“ sprach mit Bürgermeister Carsten Froß.

FULDA AKTUELL: Wie wirkt sich die Corona-Krise bislang auf Ihre Gemeinde aus – auch finanziell?

CARSTEN FROß:Selbstverständlich gehen die Einschränkungen auch an uns nicht spurlos vorüber. Neben den bekannten Einschränkungen im Bereich KiTa haben wir auch organisatorische Veränderungen in Bauhof (Wertstoffhof und Kompostanlage) und Rathaus vorgenommen. Dort, wo es möglich ist, bieten wir Home-Office-Arbeitsplätze an. An anderen Stellen arbeiten die Mitarbeiter antizyklisch, um möglichst wenig Kontakte wahrnehmen zu müssen. Selbstverständlich gibt es derzeit Bereiche, die besonders belastet sind. Ich denke da an unsere Mitarbeiter/-innen des Ordnungsamtes, die auf die Einhaltung der Verordnungen zu achten haben. Wir fahren seit einigen Wochen Abend- und Wochenendschichten, um nicht nur zu mahnen, sondern auch um Sicherheit in der Bevölkerung zu schaffen. Gesundheitliche Ausfälle aufgrund der Corona Infektion haben wir aktuell keine. Ich bin sehr zufrieden und stolz auf alle meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ein großes Maß an Einsatz und Kreativität zeigen.

 

FA: Wie bewerten Sie diese bisherigen Einnahmeverluste?

FROß:Das kann ich derzeit noch nicht beziffern. Sicherlich haben wir bereits zahlreiche Stundungsanträge vorliegen, die KiTa-Gebühren wurden ausgesetzt und einige Gewerbesteuervorauszahlungen wurden durch das Finanzamt bereits auf „null“ gesetzt. Wir haben nicht unerhebliche Kosten, um die Sicherheit unserer Mitarbeiter und ehrenamtlich Tätigen – hier insbesondere der aktiven Feuerwehrkameraden – in Form von Masken und sonstiger Schutzausrüstung. Die großen Brocken werden sicherlich im Bereich der Gewerbesteuer und Einkommenssteuer (Kurzarbeit) liegen. Hier waren wir die aktuellen Zahlen Ende Mai ab, ob daraus Handlungen ableiten zu können. Sofern uns die Verordnungen des Landes Hessen Spielraum lassen, nutzen wir diesen zugunsten unserer Gewerbetreibenden. Ich habe großes Verständnis für deren Situation und stehe mit einigen von Ihnen im regelhaften Austausch, um die Situation beurteilen und bewerten zu können. Ich gehe fest davon aus, dass auch die Gemeinde Petersberg in diesem Jahr den Gürtel „enger schnallen“ muss.

 

FA: Welche Konsequenzen hat das für Ihre Gemeinde?

FROß:Das wird sich dann zeigen, wenn die Zahlen auf dem Tisch liegen. Selbstverständlich tun wir derzeit nicht so, als wenn nichts gewesen wäre. Ich werde die Mitglieder der Gemeindevertretung in der nächsten Sitzung ausführlich über die Corona Situation mit Blick auf Petersberg informieren. Das derzeit regelmäßig tagende Gremium des Gemeindevorstandes wird von mir ebenfalls kontinuierlich in Entscheidungsprozesse einbezogen. Hausintern stehen bereits zahlreiche Projekte und Investitionen auf dem Prüfstand. Ich werde eine Empfehlungsliste für die gemeindlichen Gremien erarbeiten, aus denen finanzielles Einsparpotenzial ersichtlich wird, denn letztendlich bedeuten geringere Einnahmen, dass die Investitionen auf der Ausgabenseite reduziert werden müssen. Wir hängen mit vielen Entscheidungen – wie viele andere auch – in der Luft. Welche Festivitäten können in diesem Jahr durchgeführt werden? Wann und unter welchen Bedingungen kann unser schönes Waidesgrund Schwimmbad eröffnen? Ich hoffe sehr, dass wir alsbald weitere Schritte Richtung „Normalisierung“ gehen können. Es ist und bleibt wichtig, dass wir besonderes gefährdete Menschen schützen (und das nicht nur in der Coronazeit), das kann und darf allerdings nicht dazu führen, dass wir pauschale Einschränkungen hinnehmen müssen, die viele Menschen an ihre finanziellen Belastungsgrenzen bringen.

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