'Wir kleben keine Pflaster'

Erste Hilfe fr die Seele: Stefan Krnung ist Notfallseelsorger Fulda. Stellen Sie sich folgende, eigentlich unvorstellbare Situation

Erste Hilfe fr die Seele: Stefan Krnung ist Notfallseelsorger

Fulda. Stellen Sie sich folgende, eigentlich unvorstellbare Situation vor: In Hamburg bringt ein Vater zunchst seinen Sohn und dann sich selbst um. Die kleine Tochter ist auf Ferien bei der Oma im Vogelsberg. Wer berbringt die schreckliche Todesnachricht?

Oder denken wir an die Tsunami-Katastrophe um Weihnachten 2004: Das Auswrtige Amt schickt ein Kriseninterventionsteam nach Sdostasien. Wer betreut die Hinterbliebenen mit ihren ngsten, Sorgen und vielen Fragen? Wer hilft den rzten, Gerichtsmedizinern und BKA-Beamten bei der Bewltigung des enormen psychischen Drucks im Rahmen der Identifizierung hunderter Opfer?

Wer untersttzt die aus dem Libanon Zwangs-Evakuierten auch Monate danach bei der Aufarbeitung ihrer traumatischen Erlebnisse?

Und auch Helfer brauchen oftmals Hilfe, wenn ihnen schlimme Bilder nicht mehr aus dem Kopf gehen! Wer spricht mit den geschockten Einsatzkrften von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten bei einem verhngnisvollen Verkehrsunfall? Oder beispielsweise auch mit betroffenen Journalisten, die ber die Bergung des toten Marvin berichten?

In solchen Fllen sind Notfallseelsorger gefragt und gefordert, stille Helden des Alltags, die eine Erste Hilfe fr die Seele leisten. Stefan Krnung ist einer von ihnen. In erster Linie ist der 42-jhrige Priester in Marburg-Schrck, neben seinem Hauptjob als Dorfpfarrer verrichtet er bei den Maltesern im Landkreis Fulda seit gut zehn Jahren den ehrenamtlichen Dienst eines Notfallseelsorgers.

Vom Amoklauf bis zum Hochwasser, vom Busunglck bis zum Dacheinsturz was bei Katastrophen zhlt ist immer auch die Hilfe fr die Seele, begrndet Krnung sein freiwilliges Engagement; und wei sich in diesem Zusammenhang eins mit dem Leitspruch der Malteser aus dem Mittelalter: Tuitio fidei et obseqium pauperum kurz und knapp bersetzt: Glauben und helfen.

Das sei Kirche pur, konkrete und sichtbare Arbeit, sagt der Priester. Man wei nie, wann der Piepser anschlgt, und was sich dahinter an Schlimmem verbergen knnte. Wir kleben keine Pflaster, tun aber das, was der Seele gut tut damit die keinen greren Schaden nimmt. Einfach nur reden lassen und Zuhren kann schon in vielen Fllen helfen.

So auch bei der Tsunami-Katastrophe, als Pfarrer Krnung im Auftrag des Auswrtigen Amtes und von Caritas-International zur Untersttzung von Opfern und Angehrigen fr 14 Tage in Thailand wirkte. Ein Teil meiner Arbeit war die medizinische und seelsorgerische Betreuung der Identifizierungsteams des Bundeskriminalamts in Phuket und Khao Lak. Die Arbeit der Teams bedeutete eine immense Belastung, die BKA-Beamten und Botschaftsangehrige waren dankbar, wenn sie bei dieser psychischen Anspannung auch selbst betreut wurden, erinnert sich der Priester. Psychologen und Seelsorger nahmen den diversen Teams auch die auerordentlich schwierige Aufgabe ab, den Angehrigen der Opfer die traurige Gewissheit zu bermitteln und sie bei der berfhrung oder Einscherung der Toten zu begleiten. Pfarrer Krnung wohnte Kremierungen in Thailand bei und leitete auch christliche Bestattungen vor Ort

Zu rund 30 Einstzen kommt es durchschnittlich pro Jahr im PSNV-Referat der Dizese Fulda. Im Zeitraum Januar bis September 2006 wurde die Notfallvorsorge unter anderem bei folgenden Ereignissen seelsorgerisch und logistisch (an-)gefordert: beim Mord an einer Schlerin in Bingen, bei einem ertrunkenen Kind in der Lahn bei Marburg-Wehrda, zu Untersttzungseinstzen im Rahmen der Fuball-WM 2006 , bei der Absicherung eines Grokonzerts in Dresden sowie bei der Evakuierung von Bundesbrgern whrend des Libanon-Krieges. Auerdem gab es diverse Bereitschaftsdienste, Fachberatungen, Einsatznachbesprechungen und Helfergesprche nach belastenden Einstzen hessenweit.

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